02.04.2025 11:02
Kassel (epd). Das Nationale Suizidpräventionsprogramm will Kulturschaffende für das Thema Suizid stärker sensibilisieren. Denn auch durch fiktive Darstellungen einer Selbsttötung in Filmen und auf Theaterbühnen könnten unbeabsichtigt Nachahme-Effekte ausgelöst werden, sagte Frank Schwab, Medienpsychologe an der Universität Würzburg, am Mittwoch bei der Online-Präsentation der Broschüre "Suizidprävention. Empfehlungen für Film-, Fernseh- und Theaterschaffende".
Bis zur Jahrtausendwende habe man den Ansatz verfolgt, nicht über Suizid zu berichten, um gefährdete Menschen nicht anzuregen, erläuterte Georg Fiedler von der Deutschen Akademie für Suizidprävention. Inzwischen gehe es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Auch gehe es nicht mehr ausschließlich um reale Ereignisse, sondern auch um fiktive.
Charaktere in eine Erzählung einzubeziehen, die effektive Wege zur Bewältigung eines Problems zeigen, ist eine der Empfehlungen in der 17-seitigen Broschüre. Eine andere Empfehlung rät dazu, die Methode und den Suizid selbst nicht zu zeigen. Im Kapitel über den assistierten Suizid heißt es, dass er ebenso wie der Suizid "nicht als heroischer Akt, als erstrebenswert oder als einzige naheliegende Handlung dargestellt" werden sollte.
Nach den Worten des Medienpsychologen Schwab geht es darum, den "Werther-Effekt" zu verhindern und stattdessen einen lebensrettenden "Papageno-Effekt" zu fördern. Der Begriff "Werther-Effekt" geht zurück auf den Roman "Die Leiden des jungen Werthers" von Johann Wolfgang von Goethe, der nach seinem Erscheinen 1774 eine ganze Reihe von Selbsttötungen ausgelöst haben soll. Demgegenüber steht der "Papageno-Effekt", benannt nach der Hauptfigur Papageno in Mozarts Oper von 1791 "Die Zauberflöte". Darin wird Papageno von seinen Suizidabsichten abgebracht.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
lmw
Zuerst veröffentlicht 02.04.2025 13:02
Schlagworte: Medien, Soziales, Gesundheit, Suizid
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