Haseloff vermisst differenzierte Berichte über Ostdeutschland - epd medien

02.04.2025 14:25

Auf den Medientagen Mitteldeutschland in Leipzig ist die Darstellung des Ostens in den Medien eines der zentralen Themen. Ministerpräsident Haseloff sieht den Osten medial nicht ausreichend repräsentiert, Publizist Dirk Oschmann übt scharfe Kritik am "Spiegel" und der "Hamburger Morgenpost".

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bei den Medientagen Mitteldeutschland in Leipzig

Leipzig (epd). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vermisst eine kontinuierliche und differenzierte Berichterstattung über den Osten Deutschlands. Der Osten sei in den Medien nicht ausreichend repräsentiert, sagte Haseloff am Mittwoch in Leipzig bei den Medientagen Mitteldeutschland. Unter anderem gebe es keinen Medienverlagssitz in Ostdeutschland.

Nach Ansicht des Leipziger Germanistikprofessors und Publizisten Dirk Oschmann wird Ostdeutschland in den Medien noch immer unzureichend und teilweise falsch dargestellt. Es gebe auch 35 Jahre nach der deutschen Einheit noch immer Vorstellungen und Schemata wie im Kalten Krieg, sagte Oschmann in der Diskussionsrunde "Im Osten nichts Neues? Ostdeutschland in den Medien". Zudem würden Strategien gepflegt, die "den Osten diffamieren und ignorieren".

"Unterirdische journalistische Arbeit"

Ostdeutschland werde immer "als Block behandelt, in dem alle gleich sind", sagte Oschmann. Auch das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" "verurteile und beurteile, ohne sich auf die Gegebenheiten im Osten einzulassen". Dieses Menschenbild sei von großer Verachtung geprägt. Oschmann attestierte dem Magazin eine "unterirdische journalistische Arbeit".

Der Publizist kritisierte zudem die "Hamburger Morgenpost", die im Zusammenhang mit dem Thema Rechtsextremismus das Bundesland Sachsen als einen "Schandfleck" bezeichnet habe. Praktiziert würden in Medien "immerzu Auslöschungsmechanismen und Diskriminierungsformen", sagte der Germanist: "Der Osten kommt nicht vor, außer, dass er diffamiert wird."

Lebensnahe Berichte gefordert

In Gegensatz dazu brauche es Berichte ohne Vorurteile, nah an den Lebenswirklichkeiten der Menschen, forderte Oschmann. "35 Jahre Diffamierung" seien nicht tolerabel. Sachsen-Anhalts Regierungschef Haseloff erklärte, Oschmann "untertreibe" noch mit seinen Thesen.

Oschmann hatte 2023 das Buch "Der Osten: eine westdeutsche Erfindung" vorgelegt. Darüber sagte er: "Ich habe ein Buch über den Westen geschrieben."

lob



Zuerst veröffentlicht 02.04.2025 14:56 Letzte Änderung: 02.04.2025 16:25

Schlagworte: Medien, Kongresse, Medientage Mitteldeutschland, Haseloff, Dirk Oschmann, lob, NEU

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