Netflix übernimmt Warner Bros. Discovery - epd medien

08.12.2025 11:14

Netflix plant die Übernahme von Warner Bros. Discovery und sichert sich damit Zugriff auf eine große Bibliothek an Inhalten. Politiker und Gewerkschaften warnen vor Jobabbau und höheren Preisen.

Netflix-Logo

Washington (epd). Der weltweit marktführende US-amerikanische Streamingdienst Netflix übernimmt das Hollywood Studio Warner Bros. Discovery. Netflix gab den angestrebten 82,7 Milliarden US-Dollar Deal am 5. Dezember bekannt. Der Streamingdienst sehe es als seine Mission, "die Welt zu unterhalten", erklärte Ko-CEO Ted Sarandos. Durch den Zugriff auf die "unglaubliche Bibliothek" von Warner Bros. werde Netflix dazu noch besser in der Lage sein.

Das US-Justizministerium muss den Zusammenschluss noch kartellrechtlich genehmigen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, er werde an der Entscheidung beteiligt sein. Netflix werde sich "mit den Vorzügen" von Trump auseinandersetzen müssen, schrieb das "Wall Street Journal". Trump stehe dem CEO des Medienkonzerns Paramount, David Ellison, nahe, der sich bei dem Bieterwettstreit ebenfalls und erfolglos um den Ankauf bemüht hatte. Im Juli hatte die US-Kommunikationsaufsichtsbehörde den Zusammenschluss der Medienkonzerne Skydance und Paramount genehmigt.

Kabelsender werden abgespalten

Die Influencerin und Trump-Anhängerin Laura Loomer warnte auf der Plattform X vor dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen. Die Netflix-Führung stehe dem früheren demokratischen Präsidenten Barack Obama nahe durch politische Spenden und "direkte Kontakte" zu Obamas Medienfirma Higher Ground Productions. Der "New York Times" zufolge ist Netflix-Mitgründer Reed Hastings in den letzten Jahren einer der größten Spender der Demokratischen Partei geworden. Laut Fachdienst "The Hollywood Reporter" spendete Hastings der Wahlkampagne von Trumps Rivalin Kamala Harris 2024 sieben Millionen US-Dollar.

Angeblich hätte Paramount das gesamte Unternehmen Warner Bros. kaufen wollen, einschließlich der zum Unternehmen gehörenden Kabelsender CNN, TNT und TBS. Das Abkommen zwischen Netflix und Warner Bros. sieht nun allerdings vor, dass die Sender in die eigenständige Firma Discovery Global abgespalten werden. Kritiker hatten die Besorgnis geäußert, dass der Nachrichtensender CNN in Ellisons Machtbereich übergehen könnte. Zu Paramount gehört bereits CBS News. Anfang Juli hatte Paramount Trump 16 Millionen US-Dollar zur Beilegung eines Rechtsstreits gezahlt.

Gewerkschaften warnen vor negativen Folgen

Die Drehbuchautorengewerkschaft Writers Guild of America West sprach sich gegen den Zusammenschluss aus. Das Kartellrecht diene dazu, derartige Vorhaben zu verhindern. Die Zusammenlegung werde zum Verlust von Arbeitsplätzen führen und zu höheren Preisen für die Verbraucher, und sie werde die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in der Unterhaltungsindustrie verschlechtern. Netflix hingegen betonte, der Zusammenschluss bringe der "kreativen Gemeinschaft" neue Möglichkeiten, um "neue Geschichten zu erzählen" und mehr Zuschauer zu erreichen.

Die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA kündigte eine "sorgfältige Analyse" des Abkommens an. Die Konsolidierung diene wohl den Interessen der Aktionäre beider Firmen. Sie stelle jedoch "viele schwerwiegende Fragen über die Zukunft der Unterhaltungsindustrie", besonders für die Beschäftigten, deren Lebensunterhalt und Karrieren von der Industrie abhingen.

ege



Zuerst veröffentlicht 08.12.2025 12:14

Schlagworte: Medien, USA, Internet, Fernsehen

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