14.12.2025 13:14
Bonn (epd). Die Staatsanwaltschaft in Russland hat den deutschen Auslandssender Deutsche Welle (DW) offenbar als "unerwünschte Organisation" eingestuft. Das teilte der Sender am Sonntag in Bonn unter Berufung auf Berichte russischer Medien mit. Die Duma, das Unterhaus des russischen Parlaments, habe die Entscheidung begrüßt. Eine offizielle Mitteilung der Behörden liege der DW bislang nicht vor.
"Russland mag uns als 'unerwünschte Organisation' einstufen - abschrecken wird uns das nicht", erklärte DW-Intendantin Barbara Massing. "Dieser jüngste Versuch, freie Medien zum Schweigen zu bringen, zeigt, wie wenig das Regime von Pressefreiheit hält und wie sehr es unabhängige Informationen fürchtet."
Anfang Februar 2022 hatten die russischen Behörden bereits ein Sendeverbot gegen die DW verhängt, Ende März desselben Jahres folgte eine Einstufung als "ausländischer Agent". Die DW wurde zur Schließung ihres Studios in Moskau gezwungen. Es folgten die Blockade der Internetseiten des Senders in Russland und die sukzessive Sperrung der sozialen Medien.
Die Einstufung als "unerwünschte Organisation" stelle eine weitere Verschärfung der Maßnahmen gegen die DW dar, erklärte der Auslandssender. Wer mit "unerwünschten Organisationen" zusammenarbeite, mache sich in Russland strafbar und müsse mit hohen Geldstrafen, im Extremfall sogar mit Haft rechnen. Für russische Staatsangehörige gelte das Verbot der Zusammenarbeit auch außerhalb des Staatsgebiets. "Somit sind insbesondere russische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DW direkt betroffen", teilte der Sender weiter mit.
Die DW setzte in Russland auf digitale Plattformen, um Nutzer zu erreichen. Auch Zensurumgehung sei dafür notwendig, etwa mit dem Tor-Browser, Zugang über VPN oder die DW-App. Außerdem biete die neu entwickelte DW Access App eine weitere geschützte Möglichkeit, die Zensur zu umgehen.
Neben der DW gelten zahlreiche Medienorganisationen, NGOs und Stiftungen als "unerwünschte Organisation", darunter Radio Free Europe/Radio Liberty, das deutsche Recherchenetzwerk Correctiv und "Reporter ohne Grenzen".
nbl
Zuerst veröffentlicht 14.12.2025 14:14 Letzte Änderung: 16.12.2025 11:04
Schlagworte: Medien, Rundfunk, NEU
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