Wilder Norden - epd medien

22.12.2025 09:30

Auch in Deutschland gab es um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einen Ölboom. Die ARD-Serie "Schwarzes Gold" erzählt davon, wie die Fördertürme in die Lüneburger Heide kamen und in den Bauerndörfern viele von schnellem Reichtum träumten.

ARD-Serie "Schwarzes Gold" mit Aaron Hilmer

Richard Pape (Aaron Hilmer) und Johanna Lambert (Harriet Herbig-Matten) kennen sich seit Kindertagen

epd Erdöl in Deutschland? Ja, das gibt es. Gefördert wird bis heute. In Wietze, im Süden der Lüneburger Heide gibt es sogar ein Erdölmuseum. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier bis 1963 nach Öl gebohrt. Die wenig bekannte Geschichte vom Öl in der Heide bildet den Hintergrund der ARD-Serie "Schwarzes Gold", die es in der Mediathek in sechs Teilen, im Ersten in vier Teilen zu sehen gibt.

Entschieden hat man sich, den interessanten historischen Stoff als Liebes- und Dorfgeschichte mit vielen schönen Landschaftsbildern, einer Portion Sozialkritik und vielen Wild-West-Anklängen aufzubereiten. Da wird nicht etwa auf braven Ackergäulen getrabt, sondern auf edlen Pferden galoppiert, da trägt die ländliche Protagonistin statt eines bäuerlichen Kopftuchs einen kleidsamen Cowboyhut und wüste Kerle ballern mit Pistolen. Fehlt nur noch der Saloon. Auch die Musik tut das ihre, um an Amerika zu erinnern.

Zwei verfeindete Familien

Dabei sind die akustischen und visuellen Western-Anspielungen historisch betrachtet fast ein wenig kurios, denn in Wietze pumpte man das "schwarze Gold" schon vor den spektakulären Öl-Funden in den USA. Aber die Serie soll ja auch erst "um 1900" spielen, als es mit dem Ölgeschäft in der Heide so richtig losging. Genau wie die sozialen Themen - Muss die arme Bauerstochter in die Stadt ziehen und in der Fabrik arbeiten, weil es auf dem Land keine Arbeit für sie gibt? - sind die Umweltthemen und historischen Entwicklungen hier eher Kolorit als ein wirkliches Erzähl-Anliegen der Serie. "Norddeutsch, international, zeitlos" beschreibt das Presseheft die Serie - sprich: gut zu vermarkten.

Im Mittelpunkt steht Johanna Lambert (Harriet Herbig-Matten), seit Kindertagen ist die Tochter aus verarmtem Bauernhause zärtlich mit dem reichen Nachbarssohn Richard Pape (Aaron Hilmer) verbunden. Die Familien sind verfeindet und Tom Wlaschiha gibt als Richards Vater Wilhelm Pape einen eindimensionalen Bösewicht.

Raue Gesellen

Trägt Pape die Schuld am Tod von Johannas Vater, der ihm kein Land verkaufen wollte? Jedenfalls muss ihm die Tochter, nachdem ihr Vater tot im Wald gefunden wird, das Land abtreten. Papes Bohrungen verseuchen das Grundwasser und gefährden so die landwirtschaftliche Existenz der Bauern und Schafzüchter. Als Arbeiter kommen raue, bewaffnete Gesellen in die Gegend, die von Wilhelm grausam ausgebeutet werden. Die Bauern versuchen, sich gegen die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage zu wehren, doch der Landrat will nicht helfen.

Mehr ereignet sich, von eineinhalb Nebenhandlungen abgesehen, im Grunde nicht in den ersten drei Folgen. Die nächsten drei Episoden widmen sich dann vor allem dem Kampf der guten Johanna gegen den bösen Wilhelm Pape - und man darf fest davon ausgehen, dass Richard zu Johanna überlaufen wird.

Kämpferische Heldin

Tatsächlich wird eher langsam in Kinoästhetik erzählt, die Stars sind der Generation Netflix beziehungsweise Amazon Prime bekannt, die Motive bewährt. Sind Johanna und Richard doch aus zutiefst verfeindeten Familien wie Romeo und Julia. Und kämpfen die Kleinen hier doch ein weiteres Mal gegen die Großen. Allerdings gibt es hier eine Frau in der Rolle der kämpferischen Heldin, während Richard seinem starken bösen Vater gegenüber immer wieder große Schwäche zeigt.

Die Musik fällt spätestens ab der zweiten Folge als so überdurchschnittlich auf, dass man nachschaut, von wem sie stammt: Tatsächlich, von keinem Geringeren als Oskar-Preisträger Hans Zimmer. Und tatsächlich soll "Schwarzes Gold" eine "internationale High-End Serie" sein. Der Eindruck, den die Serie hinterlässt, ist allerdings eher typisch Netflix: Kann man gucken, muss man aber nicht gesehen haben.

infobox: "Schwarzes Gold", sechsteilige Serie, Regie: Nina Wolfrum, Tim Trachte, Buch: Justin Koch (Headautor), Thorsten Näter, Pamela Katz, Florian Vey, Kamera: Jörg Widmer, Andreas Köhler, Produktion: Kinescope Film, Filmnation Entertainment, Hero Squared, 4Film (ARD-Mediathek/NDR seit 22.12.25, ARD, 29.12.25, 20.15-23.15 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 22.12.2025 10:30

Andrea Kaiser

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KNDR, ARD, Serie, Wolfrum, Trachte, Koch, Kaiser

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