01.01.2026 09:15
Neue Folgen von "Sketch History" in der ZDF-Mediathek
epd Dieser Parforceritt durch die Weltgeschichte ist der helle Wahnwitz. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich die neue, vierte Staffel von "Sketch History" bringen. Das ZDF zeigte die nicht ganz ernst gemeinte Weiterentwicklung des Geschichtsfernsehens erstmals 2015, das Format wurde mit Comedy-Preisen überhäuft, 2020 gab es sogar einen Kinofilm "Die Geschichte der Menschheit - leicht gekürzt". Danach war Humorpause. Warum auch immer.
Aber jetzt sind Matthias Matschke, Valerie Niehaus, Holger Stockhaus und all die anderen wieder da und in den Geschichten aus der Geschichte, die sie erzählen, werden die Fakten wild mit popkultureller Persiflage kombiniert und moderne Verhaltensweisen in einen anderen historischen Kontext überführt, so dass sie unsere irre Gegenwart spiegeln. Und wer die Analogien nicht sofort erkennt, dem wird wie gehabt von Bastian Pastewka geholfen, dessen Erzählstimme als eine Art Herodot der Post-Postmoderne durch die Zeitläufte führt.
Ist Trumps Mischung aus Wahnsinn, Skrupellosigkeit und Egozentrik einmalig? Iwo! Der "römische Hallodri" Nero lieferte Pastewka zufolge "die Blaupause für den auch heute wieder beliebten Führungsstil". Und wer glaubt, dass der Umgang mit dem SARS-Virus beispiellos hilflos, manchmal verantwortungslos gewesen sei ("Lediglich Fynn Kliemann und Jens Spahn haben damals alles richtig gemacht"), wird mit dem Blick zurück eines Besseren belehrt: Am 4. August 1349 lädt in Leipzig ein Triumvirat aus den "Pest Friends Forever" Medicus Baldicus, Fürstin Isabella und Mirko zur Pressekonferenz. Die kritische Frage von "Marie, der Skeptischen vom Oder-Saale-Kurier", ob die Pest von Flöhen übertragen werde, wird weggelacht: "Lassen Sie uns mal bei den wissenschaftlichen Fakten bleiben." Faul riechende Winde aus Asien seien natürlich schuld, und keine Sorge, nur durch gleichgeschlechtlichen Verkehr werde die Seuche übertragen.
An Geschichten wie diesen merkt man: Die Geschichte produziert konstant neues Comedy-Material für die Formatverantwortlichen rund um "Master Mind" Chris Geletneky. Sie haben die sechsjährige Pause genutzt, um die Pointen noch besser zu schärfen und die absolut realistischen Abbildungen historischer Situationen inhaltlich mit meist vorzüglichem Quatsch zu brechen. Die Ausstattung ist nach Comedy-Maßstäben spektakulär, ja fast wie im Kino. Den wahrscheinlich steuerlich sehr attraktiven Drehbedingungen in Bulgarien sei Dank.
War in den ersten drei Staffeln noch Budapest Produktionsort, ist der deutsche History-Show-Tross der Warner-Tochter Cologne Film & Entertainment inzwischen zu den Nu Boyana Film Studios in Sofia gewandert und lässt die Bulgaren über die B2Y Productions mitproduzieren. Ob das Kolosseum im antiken Rom, die Schlafgemächer von Katharina der Großen in St. Petersburg, Albert Einsteins Büro in der Preußischen Akademie der Wissenschaft in Berlin, die Garage der Microsoft-Nerds Bill Gates und Paul Allen in Albuquerque, ein irakisches Irgendwo im US-Krieg gegen Saddam Hussein oder die Münchner Redaktionsräume der "Bravo": Überall steckt bulgarisches Set-Knowhow mit drin.
"Sketch History" bedient die Humorfarben aller Nuancen. Von satirisch bis albern, von hintergründig bis allzu naheliegend, von altherrenhaft bis woke, von spritzig bis lahm, von tierisch lustig bis einfach doof: Es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Selbst abgehackte Hände für Splatter-Fans. So nimmt "Sketch History" im perfekt nachgestellten Setting der US-Sitcom "Eine schrecklich nette Familie" die True-Crime-Hysterie herrlich blutig aufs Korn: Aus Familienvater Al Bundy wird der kettensägeschwingende "Vollblutkiller" Ted Bundy, den es in echt gab.
Selbst wer eher dem Humorvorbild Monty Python zuneigt, dürfte fündig werden. Der Haufen Nonsens der Sorte "Selbst die lauteste Latzhose feiert irgendwann mal Pfingsten", der aus dem Mund von Al Capones Tochter (gespielt von Jasmin Schwiers) quillt, ist nicht weit entfernt von "Flying Circus"-Absurditäten wie "Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale".
Andererseits ist klar, dass humoristischen Feingeistern der im Aufzug pupsende Helmut Kohl stinken dürfte. Das hat den kreativen Hauptkopf Chris Geletneky nicht davon abgehalten, diese lautstarke Luftnummer trotzdem ins Drehbuch zu schreiben. Ausführen muss sie der Schauspieler Jan van Weyde. Und man kann es nicht anders sagen: Er pup..., pardon, macht es gut. Das gilt für das gesamte Ensemble, das in der vierten Staffel mit neuen Humorbegabten erweitert wurde.
infobox: "Sketch History", zehnteilige Sketchreihe, Regie: Erik Haffner, David Gromer, Buch: Chris Geletneky (Headautor) u.a., Produktion: Cologne Film & Entertainment, B2Y Productions (ZDF-Mediathek seit 21.12.25, ZDFneo, 28.12.25, 20.15-0.05 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 01.01.2026 10:15
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Sketch History, Haffner, Gromer, Geletneky, Krasser
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