04.01.2026 09:15
"Die Pumuckl Show" bei RTL
epd Es grenzte an ein kleines Wunder, als RTL vor zwei Jahren die "Neuen Geschichten vom Pumuckl" ausstrahlte. Diverse Digitaladaptionen von Zeichentrickklassikern ließen zunächst das Schlimmste befürchten, doch die Serie erwies sich als perfektes Familienprogramm: Eltern, die mit "Meister Eder und sein Pumuckl" vom Bayerischen Rundfunk aufgewachsen waren, freuten sich über eine originalgetreue, aber behutsam modernisierte Fortsetzung, und der Kobold, in den neuen Folgen immer noch anarchisch, aber deutlich kindlicher, begeistert die Zielgruppe nach wie vor mit seinen Streichen. Die Serie erhielt 2024 Jahr den Robert Geisendörfer Preis.
Dass Pumuckl bei RTL nun auch den Sprung ins Abendprogramm geschafft hat, wird die ARD doppelt grämen: Auf die Idee hätte der BR auch kommen können, als die Rechte noch bei ihm lagen. Die Bruttolänge der Show von fast vier Stunden - selbst die werbefreie Version bei RTL+ dauerte knapp 170 Minuten - dürfte zwar zumindest den jüngeren Teil des Publikums erheblich überfordern, aber die Show ist überraschend unterhaltsam und abwechslungsreich.
Das Genre Samstagabend-Show neu zu erfinden, ist unmöglich. Die Konzepte bestehen daher in der Regel aus der Variation bekannter Versatzstücke. Das ist hier ähnlich, aber der Mix aus Kindergeburtstag, Betriebsfeier und Partybelustigung ist ein großer Spaß. Die gut gelaunten Mitwirkenden Ilka Bessin, Tom Beck und Ingo Zamperoni sowie Yvonne Catterfeld, Mark Forster und Jens Knossalla sorgten in den sechs Ausgaben dafür, dass Tobias Krell (- "Checker Tobi") als Moderator ein gelungenes Debüt am Samstagabend feiern konnte.
Dass Pumuckl zwischendurch Unfug macht - mal verursacht er einen Kurzschluss, dann wackelt die Kamera, schließlich fliegt lange vor der Siegerehrung Konfetti durchs Studio -, passt ins Bild, doch die Kommentare der Zeichentrickfigur sind eher überflüssig - erst recht, wenn sie Krells Moderation überlagern. In diesen Momenten erinnert die Zeichentrickfigur an ein typisches Einzelkind, das mit nervigen Aktionen die Aufmerksamkeit der Erwachsenen erregen will. Andererseits entspricht dieses Verhalten dem Pumuckl aus der Serie, der ja auch gern Chaos verbreitet.
Der Clou der beiden Sendungen sind nicht die Intermezzi mit dem Kobold, sondern die Herausforderungen. Sie sorgen dafür, dass die "Pumuckl-Show" mehr als ein Quiz ist, und sind sehr ausgefallen. Einige Aufgaben haben direkten Bezug zur Serie, in einer Runde trägt Pumuckl Gedichte vor, die Hinweise auf zu erratende Prominente enthalten. Witzig wird es immer dann, wenn Unwägbarkeiten das Unterfangen erschweren: Mal gilt es, kleine Malheurs zu vermeiden, während Krell das Wissen testet, mal müssen die Fragen bei einem "Meet and Greet" mit Fans überhaupt erst gesucht und dann die Antworten mehr oder weniger sinnvoll ins Gespräch integriert werden. Originell ist auch die Variation von "Schiffe versenken": Die Koordinaten samt dahinter verborgenen Fragen sind im Publikum verteilt.
Als ausgezeichnete Wahl erwies sich die Studio-Brass-Band Druckluft, die in beiden Ausgaben musikalisch in die Spiele integriert wird. Pfiffig ist auch die Idee, dass sich das Rate-Trio in der ersten Sendung Verstärkung holen kann, die Meteorologin und "Fastronautin" (Krell) Insa Thiele-Eich erwies sich als ausgesprochen kameratauglich.
Ziel der Wettkämpfe war eine Gewinnsumme in Höhe von 50.000 Euro, die der Sieger einer gemeinnützigen Organisation spenden durfte, wobei jeweils auch die Vorschläge der anderen berücksichtigt wurden. Unterm Strich also rundum sympathische Fernsehunterhaltung, wenn auch mit kleinen Schönheitsfehlern. Dass inklusive Moderator jeweils drei Männer und nur eine Frau auf der Bühne standen und die Frauen auch noch in beiden Ausgaben das Finale verpassten, wirkte wenig zeitgemäß.
infobox: "Die Pumuckl Show" mit Tobias Krell, Produktion: Seapoint Productions (RTL, 20.+27.12.25, 20.15-0.00 Uhr, RTL+ seit 22.12.25)
Zuerst veröffentlicht 04.01.2026 10:15
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KRTL, Show, Krell, Gangloff, ema
zur Startseite von epd medien