Böllern im Kloster - epd medien

05.01.2026 13:37

Mit wahrhaft kindlicher Freude wagten sich Wigald Boning und Bernhard Hoëcker vor 13 Jahren für "Nicht nachmachen!" an gefährliche Experimente. In der neuen Staffel des ZDF-Formats zeigen Mai Thi Nguyen-Kim, Lutz van der Horst und Florian Köster Unfug, der nicht zur Nachahmung empfohlen ist.

Das ZDF hat "Nicht nachmachen!" wiederbelebt

Mai Thi Nguyen-Kim, Fabian Köster und Lutz van der Horst (von links) moderieren die neue Staffel von "Nicht nachmachen!"

epd Treffen sich zwei Reporter der "Heute-Show" in der Heimatstadt des Bundeskanzlers. Was sich wie der Auftakt zu einem längst realisierten Satire-Beitrag anhört, ist die überraschende Fortsetzung einer recht gefährlichen Produktion: Explosionen, Funken und Brände im Auftrag des ZDF. Fabian Köster und Lutz van der Horst, beide kürzlich erst für den Grimme-Preis nominiert, beerben nach 12-jähriger Pause ein Format, dessen ernstzunehmender Gebrauchshinweis gleich im Sendungstitel steht: "Nicht nachmachen!"

Gemeinsam mit "Terra X"-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim böllern sie in einer pünktlich zu Silvester erschienen neuen Staffel der als "Wissenschafts-Comedy-Factual" bezeichneten und wohl kaum als "klimaschonend produziert" gelabelten Reihe in rund 30 Experimenten so manches in die Luft. Der Sinn dahinter: offen. Klar wird jedenfalls, welchen Unfug man in einem alten Kloster in der sauerländischen Kanzlerheimat Arnsberg anstellen kann - damit andere es nicht nachmachen. Das Format, das seinen Ursprung 2011 im norwegischen Fernsehen hatte, folgt damit nur teilweise den früheren beiden Staffeln, durch die Bernhard Hoëcker und Wigald Boning führten.

Schwere Geschütze

Hatte "Nicht nachmachen!" 2012 noch mit Experimenten in eher kleinem Ausmaß herausfinden wollen, ob man Tomatensaft mittels Trinkwassersprudler mit Kohlensäure anreichern kann, ob man Wein in der Mikrowelle erhitzen oder ob man Popcorn im Wasserkocher zubereiten kann, fährt die Reihe ein gutes Dutzend Jahre später schwerere Geschütze auf: Es werden Decken niedergerissen, Wohnwagen gesprengt und Turnhallen als Spaßbad umfunktioniert. "Höher, schneller, weiter" scheint die Devise zu sein - doch das nimmt dem Format die Nahbarkeit und Kindsköpfigkeit der früheren Folgen.

Dankenswerterweise dürfen sich aber auch die Nachfolger von Hoëcker und Boning regelmäßig an kleinere Experimente wagen. Zu amüsanten Running Gags in der neuen Staffel werden van der Horsts unkonventionelle Versuche, Tee zu kochen, Kösters kreative Methoden der beschleunigten Wäschetrocknung und Nguyen-Kims wiederkehrende Experimente mit gewöhnlichen Akkus. Es sind diese absurd weitergedachten Verwendungsszenarien alltäglicher Gegenstände und Geräte, die die Experimente in "Nicht nachmachen!" einst so liebenswert machten und auch nun gelegentlich noch machen. Was soll schon passieren, wenn man eine Powerbank toastet?

Hölzerne Dialoge

Dass mit Nguyen-Kim eine versierte Wissenschaftsjournalistin das alberne Bespaßungsformat zum anspruchsvollen Bildungsfernsehen erheben würde, mag manch einer gehofft, viele andere befürchtet haben. Tatsächlich spielt die wissenschaftliche Einordnung des Gezeigten kaum eine Rolle. Viel mehr Raum hingegen erhalten die mitunter zu Sketchen ausartenden Dialoge zwischen den Moderatoren. Überwog einst noch die kindliche Aufgeregtheit des neugierigen Duos Hoëcker und Boning, vergeht nun kaum ein Experiment ohne längere einführende mehr oder weniger humoristische Gespräche.

Bis Köster und van der Horst endlich damit beginnen, ein ganzes Wohnmobil zu vakuumieren, stellen die beiden im ausführlichen, hölzern dargebotenen Dialog fest, dass das Carport ja viel zu klein ist. Dem Format mehr schauspielerische Fertigkeiten abzuverlangen als seine eher für Schlagfertigkeit und Spontanität bekannten Hosts bieten können, war eine ähnlich schlechte Idee wie das Wäschetrocknen am Heizpilz.

Statische Kameraarbeit

Dennoch zünden neben allerlei Flammen auch manche Pointen. Dank Kösters Vorliebe für Wortspiele gibt es immer wieder was zu lachen, obwohl der eigentliche Star der Sendung die beeindruckenden Funkenflüge und Explosionen sind, die in gelungenen Slow-Motion-Aufnahmen eingefangen und aus mehreren Perspektiven präsentiert werden. Das alte Waalkes’sche Gesetz "Je kürzer das Ssst, desto eher das Bums" wird so dank Zeitlupe und Schnitt wieder einmal eindrucksvoll ausgehebelt. Dass aber ansonsten die dynamisch-wackelige Kameraführung der ersten Staffeln nun einer sehr viel statischeren Kameraarbeit weicht, nimmt dem Format abermals einiges an Leichtigkeit.

Jener Leichtigkeit, die einst den Charme der Reihe ausmachte. Das neue Trio, das "Nicht nachmachen!" ironisch irgendwo zwischen "innovativem Servicemagazin", "Hochkultur" und "Softporno für uns Pyromanen" verortet, bremst die Freude am Verbotenen mit zu steifen Dialogen ein wenig. Wer an Silvester statt Blei lieber Thermit gießt, darf nicht zu verkopft an die Sache herangehen.

infobox: "Nicht nachmachen!", neue vierteilige Staffel des Comedy-Factuals mit Mai Thi Nguyen-Kim, Fabian Köster und Lutz van der Horst, Regie: Marcel Behnke, Buch: Martin Waldmann, Jörg Uebber, Kamera: Bastian Laucke, Matthias Boch, Produktion: Prime Productions (ZDF-Mediathek seit 30.12.25, ZDFneo, 31.12.25, 20.15-22.10 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 05.01.2026 14:37 Letzte Änderung: 06.01.2026 16:17

Lukas Respondek

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Comedy-Factual, Behnke, Waldmann, Uebber, NEU

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