08.01.2026 09:00
epd Es beginnt mit einem Zigarettenplausch und dem Seufzer "zu viele Gedanken, du weißt schon", etwas sehr Menschlichem also. Und es endet jenseits der Worte, mit lautem Gepolter und tierischem Geschrei. Das alles nur, weil ein Roboter in ein Mehrfamilienhaus eingezogen ist.
Ob das Science-Fiction-Hörspiel "Robot Update" eher als Tragikomödie oder als Dystopie zu bezeichnen wäre, ist trotz der pointierten und fein getimten Dialoge nicht so leicht auszumachen. So ein Mietshaus-Soziotop taugt immer für beide Tonlagen, für Horror und Komödie. Studierende der Berliner Universität der Künste impfen ihr menschliches Labor mit der Information der Hausverwaltung, ein Roboter habe die großzügige, begehrte Dachwohnung bezogen. Alle bis dahin vor sich hin simmernden Konflikte, Ängste und Hoffnungen kochen im Folgenden hoch.
Je nach Lebenssituation und politischer Selbstverortung löst das die unterschiedlichsten Reaktionen aus. Hätten andere den Wohnraum nicht viel dringender nötig gehabt? Werden nun alle ausgehorcht von "Elon X"? Könnte man, fragt eine junge Aktivistin, den Roboter vielleicht hacken und so umprogrammieren, dass er für eine offene Gesellschaft eintritt? Oder muss er vernichtet werden? Und ist die Haus-Maus, die plötzlich bei einem einsamen, arbeitslosen Mieter unterschlüpft, wirklich ein Tier oder in Wirklichkeit eine neurologisch gepimpte Maschine?
Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus: Dieser psychoanalytische Befund wird wörtlich genommen und zugleich vergemeinschaftet. Während die einen gar keine Zeit haben, sich ideologisch zu positionieren und dem Unbekannten auf den Grund zu gehen, weil sie sich zwischen Nachtschicht, Einkauf und Streit mit der Tochter aufreiben, verfügen andere über ausreichend Ressourcen für ihr Salon-Revoluzzertum.
Dennoch diffamiert das Hörspiel vermeintlich wohlfeile Formen der Sozialkritik nicht, sondern lässt ihnen Raum, gibt ihnen diskret Recht. Kathrin Angerer säuselt in zuckrig seelenloser Androiden-Manier die Zeitansagen zu den eingehenden Textnachrichten, während sich Boris Aljinovics samtene Stimme wie aus einem fernen Jahrhundert anhört und Peppa Camila Briones Espinozas Akzent ihrer Rolle als fürsorglicher Telenovela-Süchtiger die schräge Wärme einer Almodóvar-Figur schenkt.
Mehr noch als die nur gelegentlichen Treppenhausgespräche bestimmt der Gruppenchat einen Großteil der Dynamik. Verankert in real existierenden Diskursen über Verdrängung, Macht, Zuschreibung und Gentrifizierung, scheint der Roboter nur ein Katalysator zu sein für die mehr oder weniger unfruchtbaren Kämpfe, die auch ohne ihn stattfinden würden. Dabei entfaltet sich eine Atmosphäre der Melancholie und Vergeblichkeit, wie wir sie aus der Gegenwart nur allzu gut kennen.
infobox: "Robot Update", Hörspiel, Regie: Barbara Meerkötter, Buch: Studierende der UdK Berlin unter der Leitung von Barbara Meerkötter (ARD-Audiothek/SWR/RBB seit 25.12.25, SWR Kultur, 23.11.25, 18.20-19.20 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 08.01.2026 10:00
Schlagworte: Medien, Radio, Kritik, Hörspiel, KRBB, KSWR, Meerkötter, Lutz
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