13.01.2026 08:45
Zürich (epd). Vor dem Hintergrund einer wachsenden digitalen Verbreitung journalistischer Produkte sehen Schweizer Experten die gedruckte Zeitung in Zukunft eher als "Luxusgut". Sie werde weniger häufig erscheinen und langfristig eher eine kleinere Zielgruppe für hochwertige Leistungen ansprechen, hält eine am 7. Januar vorgestellte Studie des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich fest.
Die Wissenschaftler befragten für die vom Verlegerverband Schweizer Medien (VSM) geförderte Untersuchung "Mediennutzung 2035. Studie zur Zukunft der Informationsmedien" 15 internationale Fachleute aus Wissenschaft und Medienpraxis. Kernfrage war, wie sich der Journalismus in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren verändern werde. Das Institut ergänzte die Untersuchung mit aktuellen Forschungspublikationen und Daten aus der Schweiz.
Zwar gehe generell das Interesse an und die Nachfrage nach Journalismus zurück, heißt es. Zudem sei die Zahlungsbereitschaft bei den Leserinnen und Lesern insbesondere für Online-Angebote niedrig, und das Informationsangebot verteile sich mittlerweile auf viel mehr Medienkanäle. Der Journalismus bleibe jedoch für die demokratische Gesellschaft weiterhin systemrelevant. Er stehe zugleich unter wirtschaftlichem und technologischem Druck.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Studie Medienhäusern ein mindestens zweistufiges Modell mit einem günstigen Basisangebot, das professionell aufbereitete Nachrichten für ein breites Publikum enthält. Ein Premiumangebot könnte demnach mit exklusiven Inhalten wie Hintergrundrecherchen, Analysen und aufwendig gestalteten Formaten Mehrwert bieten. Ergänzend könnten Print-Ausgaben als hochwertiges Zusatzangebot positioniert werden.
Eine Veränderung erwarten die befragten Fachleute auch bei Fernsehnachrichten: Social-Media- und Videoplattformen würden beim News-Konsum weiter an Bedeutung gewinnen, selbst wenn sich die Bedeutung einzelner Plattformen wie Tiktok, Instagram oder Youtube ändern könnte. Aktuell zeichne sich außerdem eine schnell wachsende Bedeutung von KI-Chatbots als Quelle für Nachrichten ab. Dagegen könnten die Medienhäuser eigene Kanäle und vor allem Apps als Garanten für zuverlässige Information setzen.
Insbesondere weil die Tech-Plattformen von Reichweitenlogik und Aufmerksamkeitsökonomie geprägt seien, werden journalistische Qualitätsmerkmale wie Relevanz, Vielfalt, Eigenleistungen und Transparenz der Studie nach zu einem zentralen Unterscheidungsmerkmal, um sich gegen die kostenlose Digitalkonkurrenz abzugrenzen. Qualitätsstrategien würden für die Medienhäuser vor diesem Hintergrund noch wichtiger.
Reputationsverluste drohten durch anhaltende populistische Angriffe auf die Medien oder durch einen wenig verantwortungsvollen Umgang mit KI in den Redaktionen. Deshalb sollten die Medienhäuser neben den Qualitätsmerkmalen auf Authentizität und ein starkes Community-Management mit Angeboten wie Live-Veranstaltungen setzen, heißt es. Auch Journalistinnen und Journalisten könnten als authentische Persönlichkeiten das Vertrauen in Medien stärken. Die Auswertung empirischer Daten zur Schweiz bestätigt den Autoren zufolge, dass "das Vertrauen in journalistische Medien trotz leichtem Rückgang nach wie vor intakt ist".
Generell sollte sich der Journalismus stärker an den Informationsbedürfnissen der Menschen im Alltag orientieren, empfiehlt die Studie. Dies betreffe nicht nur die Themen, sondern auch das Angebot an Formaten, die Kunden individuell auswählen und anpassen könnten. KI könne dabei helfen, Prototypen neuer Formate niedrigschwellig zu entwickeln und zu testen. Existierende Inhalte könne sie flexibel aufbereiten und an die jeweiligen Nutzerbedürfnisse anpassen.
Autoren der Studie sind Linards Udris, Daniel Vogler und Mark Eisenegger von der Universität Zürich sowie Florian Meißner von der Hochschule Darmstadt.
cd
Zuerst veröffentlicht 13.01.2026 09:45 Letzte Änderung: 13.01.2026 09:46
Schlagworte: Medien, Journalismus, NEU
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