20.01.2026 07:04
Bonn (epd). Der Politikwissenschaftler Philipp Adorf sieht Medien verstärkt in der Pflicht, den sogenannten Trumpismus einzuordnen. "US-Präsident Donald Trump ist eine außergewöhnliche Figur, die alle Konventionen sprengt, sie eignet sich dazu, sich auf sie zu fokussieren", sagte Adorf dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bonn. "Medien sollten das aber nicht übertreiben." Stattdessen müssten sie detaillierter darauf eingehen, was der sogenannte Trumpismus bedeutet.
Mit Trumpismus ist ein US-amerikanisches Phänomen gemeint - Konservatismus, neoliberaler Kapitalismus und weißer Nationalismus -, das sich in abgewandelter Form auch in anderen Ländern zeigt, wie zum Beispiel in Brasilien mit Jair Bolsonaro, in Indien mit dem Hindu-Nationalismus oder mit der AfD in Deutschland.
Der Trumpismus sei eine fortgeschrittene politische Entwicklung innerhalb der Republikanischen Partei, sagte Adorf weiter. Diese sei geprägt durch eine durchweg ressentimentgeladene Rhetorik. Rassistische Wähler würden angesprochen, die auch nach Trumps Amtszeit weiterhin Teil der Partei bleiben werden, sagte Adorf. "Mit dieser Zukunft muss man sich befassen." Adorf lehrt an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zur Republikanischen Partei und ihrem Verhältnis zu Medien.
Der Begriff "Populist", den Medien oft im Zusammenhang mit dem US-Präsidenten nutzten, passe ganz gut auf Trump. "Er nutzt klar die Spaltung Volk gegen Elite und die klassischen Medien sind aus seiner Perspektive zweifelsfrei Teil der Elite." Deswegen kommuniziere Trump auch so gerne direkt mit den Wählern über soziale und eben nicht über klassische Medien, die wie ein Filter fungierten.
Außerdem sehe man einen Präsidenten, der durchregiere - Beispiele sind laut dem Experten Abschiebungen ohne Gerichtsbescheide oder der Einsatz des Militärs in US-amerikanischen Städten, sagte Adorf. Diese Vorgänge könnten durchaus als semi-autoritär oder semi-autokratisch bezeichnet werden. "Dies präzise zu beschreiben und zu benennen, ist eine wichtige Aufgabe der Medien."
Dagegen nutze es sich ab, wenn Medien zu viel und zu oft von "Faschismus" im Zusammenhang mit Trump sprächen, kritisierte der Wissenschaftler. "Trump geht zwar ganz klar gegen demokratische Grundwerte vor und die Frage ist natürlich auch, inwiefern das zurückgedreht werden kann, wenn er nicht mehr im Amt ist." Aber die USA heute seien dennoch kein faschistischer Staat.
Des Weiteren gebe es durchaus Parallelen zwischen Trump und der AfD in Deutschland. Die AfD habe natürlich nicht so viel Macht wie Trump als US-Präsident. Dennoch artikulierten beide ähnliche Positionen.
Lange sei die AfD vergleichsweise wenig eingeladen worden in Talkshows, mit dem Argument, man würde dann der Partei eine Plattform bieten. Und gleichzeitig hätten Rechtspopulisten allerorten erkannt, welches Potenzial soziale Netzwerke haben, um Wähler zu erreichen.
Die Wirkweise von sozialen Netzwerken spiele Rechtspopulisten in die Hände: Dort werde nichts eingeordnet; dort könne man seine Meinung direkt und kommentarlos kundtun und sie lückenlos ins eigene rechtspopulistische Narrativ einbauen: "Wir kommunizieren direkt mit dem Volk. Wir kommunizieren nicht über den Mittelsmann, die Medien, die uns kleinhalten wollen", so die Denkweise, erläuterte Adorf. "Die Inhalte finden also ohnehin Reichweite und die Öffentlichkeit. Das ist durchaus ein Bedeutungsverlust für Medien. Die Frage sei jetzt, was Medien tun könnten, um ihrem Publikum in Bezug auf die AfD einen Mehrwert zu bieten.
Adorf plädierte dafür, die AfD gerade deswegen einzuladen. "So hat man eben die Möglichkeit, Paroli zu bieten. Man könne sie damit vielleicht doch auch ein Stück weit entzaubern sowie Schwächen oder Inkonsistenzen aufzeigen. Außerdem könne man durch gezieltes Nachfragen Druck aufbauen. Dies könne potenzielle Wähler vielleicht doch noch abbringen, die Partei zu wählen. "Weil die Partei trotz vergleichsweise lange geringer medialer Aufmerksamkeit aufgestiegen ist, ist es Zeit, den medialen Kurs zu ändern."
ema
Zuerst veröffentlicht 20.01.2026 08:04
Schlagworte: Medien, USA, Trump, AfD, Adorf, ema, INT
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