21.01.2026 09:50
"TerraX"-Dokumentation "Harald Lesch ... sucht das Glück"
epd Wer hat nicht schon alles das Glück gesucht: Einer der berühmtesten Glücksucher war in den 70er Jahren Herr Rossi, doch ist ihm das bekanntlich nicht allzu gut bekommen. Das "Zeitmagazin" fragte kürzlich "Findet mich das Glück?" und noch bevor sich Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer im März im Kino anschickt, das Glück zu suchen, hat sich der Wissenschaftsjournalist Harald Lesch für das ZDF auf die Suche nach ihm begeben.
Lesch kultiviert in der nach ihm benannten Magazinreihe liebevoll seinen professoralen Gestus, er moderiert aus einem gemütlichen Studierzimmer mit einem Brettspiel als Requisit: Im Leiterspiel würfelt man sich mit Glück hoch, kann aber wenig später wieder runterpurzeln. Wie kann man etwas so Subjektives wie Glück überhaupt objektiv erfassen, fragt sich der Moderator.
Glückliche Menschen heiraten eher.
Filmszenen zeigen Gipfelstürmer, Sprünge in die Tiefe, Ausruhen auf dem Sofa. Eine Befragung von 100.000 US-Amerikanern bringt ein erstes Ranking: Shopping, Sport oder Entertainment können glücklich machen, aber am wichtigsten sind den Befragten die Familie und mit 46 Prozentpunkten Freunde. Und dann ist da noch die Unterscheidung zwischen Glück und langfristiger Zufriedenheit, die der Ökonom und Glücksforscher Hanno Beck ins Spiel bringt.
Eine Grafik veranschaulicht, dass Menschen laut Studien vier bis zehn Jahre länger leben, wenn sie glücklicher sind. Das stellt sich die Frage, ob es nicht eher so ist, dass gute und abgesicherte Lebensumstände auch zu Gesundheit und Langlebigkeit beitragen. "Glückliche Menschen heiraten eher", behaupten Beck und Lesch außerdem, und angeblich ist der "schönste Tag im Leben" für viele auch der glücklichste.
Wie haben sich Philosophen über das Glück geäußert? Schopenhauer hält nur die Tiere für glücklich, der Römer Seneca dagegen hält auch die Pessimisten für glücklich, denn wenn es nicht so schlimm kommt, wie sie erwarten, sorgt das für Erleichterung. Jeremy Bentham, der Utilitarist, sieht hingegen in der Lust den Glücksbringer.
Bevor es ganz terra-x-beliebig wird, fährt Lesch ins Bonner Uniklinikum. Dort werden Depressive mit Elektrostimulationen behandelt. Stimuliert werden soll der Vagusnerv, der das Gehirn mit dem gesamten Körper verbindet. Impulse im Belohnungszentrum des Gehirns sollen den Antrieb steigern. Eine hungrige Probandin reagiert auf Bilder von Essen. Aber dann kommt der Dämpfer: ein Drittel der Probanden reagiert nicht auf dieses "Glück auf Knopfdruck".
Am Ende spaziert Harald Lesch an einem idyllischen Bach entlang und empfiehlt statt der großen Thesen "kleine Tricks" - wie Dankbarkeit. Wer seinen Tagesablauf am Abend empathisch im Tagebuch aufarbeite, erziele damit die Wirkung eines milden Antidepressivums. Auch machten Ereignisse glücklicher als Konsum, sagte Lesch. An Dinge gewöhne man sich, während ein einmaliges Erlebnis sich in der Erinnerung weiter verklären lasse.
Schließlich trifft der Moderator am Wegesrand "zufällig" einen singenden Gitarristen: Ja, auch Singen kann glücklich machen. Doch Lesch bekennt, er selbst mache das nur im Auto bei geschlossenen Fenstern. So entlässt er die Zuschauer mit gemischten Gefühlen. Vieles wird angerissen und in seiner Ambivalenz einfach so stehen gelassen. Dass die Skandinavier als die glücklichsten Menschen gelten, dort aber auch der Konsum von Antidepressiva am höchsten ist, stimmt Lesch skeptisch.
Lesch sagt, laut Glücksforschung können "klare Regeln" den Weg zum Glück erleichtern. Als Beispiel nennt er den Medienkonsum: Wer weniger als eine Stunde lang Medien nutze, könne sein Glücksgefühl steigern, bei längerem Medienkonsum sinke es jedoch stark ab. Das spreche auch für die Regulierung von sozialen Medien. Am Ende dieser Suche bleibt nur eine klare Erkenntnis: Glück ist Glückssache.
infobox:"Terra X: Harald Lesch ... sucht das Glück", Dokumentation, Regie: Johannes von Kalckreuth, Kamera: Manuel Brem, Max Leitmeier, Thorsten Eifler u.a. (ZDF, 13.1.26, 22.45-23.15 Uhr und in der ZDF-Mediathek)
Zuerst veröffentlicht 21.01.2026 10:50
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Dokumentation, Lesch, Kalckreuth, Dehler
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