30.01.2026 08:40
Dokumentation "Elon Musk Uncovered" bei Sky
epd Ein Elektroauto, von oben gefilmt, fährt zwischen grünen Feldern auf einer geraden Landstraße entlang. Dazu schildert eine Frau aus Mecklenburg-Vorpommern, wie sie sich Sorgen um ihren Mann machte und dann Polizisten klingelten und sie und ihre Töchter über dessen Verkehrsunfall informierten. Der Tesla ihres Mannes fuhr gegen einen Baum, der Fahrer verbrannte. Gerade weil das zurückhaltend erzählt und in Szene gesetzt ist, schafft dieser Einstieg sofort Emotionen.
Im maximalen Kontrast dazu stehen Bilder und Töne des reichsten Menschen der Welt, des Unternehmers Elon Musk, der unter anderem Tesla gründete und besitzt. Bei Bühnenshows spricht er unter Jubel von Sicherheit und der Rettung von Leben. Dabei grinst er wie ein Honigkuchenpfert, vor Freude oder Begeisterung über sich oder seine Produkte.
Im weiteren Verlauf äußern sich ehemalige US-amerikanische Tesla-Mitarbeiter zum technischen Problem des Autopiloten, also des von Tesla beworbenen "Full self driving". Die deutsche Witwe sagt: "Das Auto hätte bremsen müssen." Stattdessen sei es ungebremst gegen den Baum gefahren. Einem schnell dazugekommenen Feuerwehrmann sei es nicht gelungen, von außen die Türen zu öffnen, die nur elektronisch funktionieren.
Statt Lösungen zu suchen, habe die Firma die Hinweise auf Sicherheitsmängel, etwa durch Kundenbeschwerden, "systematisch vertuscht" und Mitarbeiter, die darauf bestanden, gemobbt, berichtet die so gefeuerte Ingenieurin Cristina Balan. Die Robotik-Professorin Missy Cummings wirft Tesla vor, seine Kunden "als aktive Sicherheitstester" für eine noch nicht ausgereifte Technologie zu nutzen. Hierzu stehen Bilder aus Tesla-Werbespots, die etwa zeigen, wie die Türen sich von alleine öffnen, im Gegensatz.
Als weitere Erzählelemente kommen die "Tesla Files" hinzu, die das "Handelsblatt" aus ihm zugespielten Tesla-Daten im Frühjahr 2023 veröffentlichte, und ein tödlicher Verkehrsunfall in Florida, bei dem ein womöglich ebenfalls "autonom" fahrender Tesla eine Frau am Straßenrand überfuhr. Daraus gestaltet Regisseur Andreas Pichler konzise und ohne inszenatorisches Brimborium, sondern im Vertrauen auf Aussagen, Bilder und ihre Montage verlassend, ein zunehmend erschreckendes Gesamtbild.
Klar wird, dass vieles beim Unternehmen Tesla eine Blackbox ist, wie die physische Blackbox, die seine Produkte enthalten. Sie sendet regelmäßig Daten ans Unternehmen, an die jedoch deutsche Kunden wie die Frau des verunglückten Fahrers schwer bis gar nicht herankommen. Das Versprechen, das Auto könne mit seinen Kameras alles, was Augen auch können, treffe nicht zu, sagt Cummings, da hundertprozentig exakte Entfernungsmessung über Lasertechnik viel zu teuer sei. Die erreichte 97-prozentige Genauigkeit bedeute eben Fehler in drei von hundert Fällen, zu denen "Phantombremsungen" gehören könnten.
Zu diesem Aspekt könnte man sich deutlichere technische Darstellungen wünschen. Die Frage, ob Tesla seine Wagen in Deutschland und Europa mit denselben Werbeversprechen vermarktet wie in den USA, bleibt offen. Ob knappe Aussagen über "dämonische Momente" Musks oder Schlenker zum Longtermismus, die ein Philosoph einstreut, den Film voranbringen, darüber ließe sich streiten.
Als Zuschauer im Jahr 2026 könnte man sich freuen, dass der derzeit in sämtlichen Belangen omnipräsente US-amerikanische Präsident Donald Trump lange nicht zu sehen ist. Erst in der letzten Viertelstunde des 90-Minüters taucht er auf. Cummings berichtet, wie sie im Auftrag der Biden-Regierung für die Verkehrssicherheitsbehörde Probleme mit Teslas untersuchte. Auf Musks Plattform X sei sie als "antiamerikanisch" beschimpft worden. Und bald, nachdem Trump - auch dank gut 250 Millionen Wahlkampf-Dollars von Musk - erneut an die Macht kam, seien alle Ermittlungen gegen Tesla gestoppt und Beamte, die sie durchführten, entlassen worden. Die Doku illustriert dies mit dem jubelnd auf Trumps MAGA-Veranstaltungen hampelnden Musk, der da tatsächlich dämonisch wirkt.
infobox: "Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment", Dokumentation, Regie: Andreas Pichler, Buch: Andreas Pichler, Anne von Petersdorff, Christian Beetz, Kamera: Jakob Stark, Tom Bergmann, Produktion: Beetz Brothers (Sky/ARD/HR/SWR/WDR/NDR, seit 30.1.26 bei Sky Documentaries und Sky Showcase sowie bei Wow)
Zuerst veröffentlicht 30.01.2026 09:40
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik.(Fernsehen), KWow, Dokumentation, Musk, Bartels
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