Psychologe: Keine Nachrichten am frühen Morgen oder späten Abend - epd medien

02.02.2026 05:00

Der Jenaer Medienpsychologe Rothmund rät, sich genau zu überlegen, wann man sich über das Weltgeschehen informiert.

München (epd). Der Psychologe Tobias Rothmund empfiehlt, Zeiten für den eigenen Medienkonsum bewusst zu wählen. "Psychohygiene ist ein wichtiges Thema bei der Mediennutzung. Also bewusst zu entscheiden, wann am Tag man welche Infos an sich ranlässt", sage er der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). Er riet davon ab, frühmorgens oder spätabends soziale Netzwerke zu nutzen oder Nachrichten zu konsumieren.

"Morgens ist der Organismus durch digitalen Content schnell gestresst, von Grausamkeiten noch mehr. Wir müssen erst einmal hochfahren und uns langsam aktivieren", sagte der Professur für Kommunikations- und Medienpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Spätabends wiederum nähmen Menschen Gesehenes schnell mit in den Schlaf.

Gewalt ist in Medien überrepräsentiert

Rothmund gab zu bedenken: "Wir werden in sozialen Medien unfreiwillig mit Nachrichten konfrontiert. Ich gebe also die Kontrolle an den Algorithmus ab. Und der will nur eines: maximale Aufmerksamkeit." Deshalb sähen Menschen heute viel mehr negative Nachrichten als noch vor drei oder fünf Jahren. Dramatische Videos aus Kriegsgebieten zum Beispiel würden gezielt genutzt, um Bildschirmzeit erhöhen. Dadurch werde das Ausmaß von Bedrohungen oft überschätzt.

"Es gibt historisch gesehen weniger Gewalt auf der Welt und speziell auch in Deutschland als noch vor 100 Jahren. Aber unser Eindruck ist ein anderer", sagte Rothmund.

Meldung aus dem epd-Basisdienst

kfr



Zuerst veröffentlicht 02.02.2026 06:00

Schlagworte: Medien, Journalismus, Psychologe

zur Startseite von epd medien