"Reporter ohne Grenzen": 55 Angriffe auf Presse im vergangenen Jahr - epd medien

03.02.2026 05:00

Die Zahl der dokumentierten Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten in Deutschland ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. "Reporter ohne Grenzen" geht aber davon aus, dass viele Fälle nicht erfasst wurden.

Berlin (epd). "Reporter ohne Grenzen" hat für das vergangene Jahr 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen in Deutschland dokumentiert. Im Jahr zuvor lag die Zahl bei 89, wie die Journalistenorganisation am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung ihres "Reports zur Lage der Pressefreiheit 2026" mitteilte. Es sei indes von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle auszugehen.

Besonders gefährlich waren laut dem Report Recherchen und Filmaufnahmen in rechtsextremen Milieus, bei denen es 2025 zu 18 Attacken kam. In 11 Fällen seien Medienschaffende auf pro-palästinenischen Demonstrationen von Teilnehmern angegriffen worden.

Tritte und Schläge

Bei 46 dokumentierten Übergriffen handelte es sich den Angaben zufolge um körperliche Angriffe. Am häufigsten seien Attacken in Form von Tritten und Schlägen gewesen. Zudem seien drei Sachbeschädigungen an Redaktionsgebäuden und sechs Cyberattacken erfasst worden.

Insgesamt ging "Reporter ohne Grenzen" 99 Hinweisen nach. Ein Teil der gemeldeten Fälle habe aber nicht verifiziert werden können. Oft hätten Zeugenaussagen oder Videobeweise gefehlt.

"Reporter ohne Grenzen" macht eine "zunehmende Polarisierung und ein rauer werdendes gesellschaftliches Klima" für die Übergriffe mitverantwortlich. Die Delegitimierung journalistischer Arbeit werde von vielen Reporterinnen und Reportern als große Bedrohung für den Journalismus in Deutschland wahrgenommen, hieß es.

Angst vor Antisemitismusvorwürfen

In ihrem Jahresbericht konstatierte die Journalistenorganisation auch einen "außergewöhnlichen Druck" auf Journalistinnen und Journalisten, die über den Krieg zwischen Israel und der Hamas berichteten. Das Arbeitsklima in den Redaktionen sei bei diesem Thema angespannt gewesen. "Viele beklagten eingeschränkte Themenwahl, restriktive Sprachvorgaben und Angst vor Antisemitismusvorwürfen."

Die Organisation kritisierte auch öffentliche Herabwürdigungen einzelner Medienschaffender durch Vertreter Israels. Ein Beispiel seien die Vorwürfe des israelischen Botschafters Ron Prosor gegen die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann, der er geraten habe, den Job zu wechseln, "wenn sie lieber Aktivistin wäre".

Meldung aus dem epd-Basisdienst

fu



Zuerst veröffentlicht 03.02.2026 06:00

Schlagworte: Medien, Pressefreiheit

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