"Washington Post" setzt Hunderte Journalisten vor die Tür - epd medien

05.02.2026 04:48

Die "Washington Post" setzt Hunderte Journalisten vor die Tür. Betroffen ist auch das Berliner Büro.

Hauptsitz der "Washington Post"

Washington (epd). Die US-Hauptstadtzeitung "Washington Post" steht vor drastischen Einsparungen. Wie die "New York Times" am Mittwoch (Ortszeit) berichtete, wurden 30 Prozent der gesamten Belegschaft und mehr als 300 der rund 800 Journalisten und Journalistinnen vor die Tür gesetzt. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju in ver.di) sprach von einem fatalen Signal für die demokratische Öffentlichkeit. Betroffen ist unter anderem auch das Berliner Büro, wie dessen Leiter Aaron Wiener im Netzwerk X mitteilte.

Die "Washington Post" legte keine genauen Zahlen vor, erklärte allerdings im Magazin "Columbia Journalism Review", man habe "mehrere schwierige, doch zielbewusste Maßnahmen ergriffen", um die Zeitung für die Zukunft auszurichten.

Zahlreiche Redaktionen betroffen

Das Medienforschungsinstitut Poynter Institute zitierte eine Mail von Chefredakteur Matt Murray an die Belegschaft, die Struktur des Blattes sei "zu sehr verwurzelt in einem anderen Zeitalter, als wir ein dominierendes, lokales Print-Produkt waren". Die "Post" soll seit Jahren rote Zahlen schreiben.

Die Sportredaktion und die Abteilung für Literatur sollen nicht weitergeführt werden. Von Entlassungen betroffen sind laut Poynter auch die Lokalredaktion und mehrere Auslandsbüros sowie Reporter für nationale Gesundheitspolitik, Protestbewegungen, Extremismus und das Unternehmen Amazon.

"Ein trauriger Tag"

Der Leiter des Berliner Büros der "Washington Post", Wiener, schrieb bei X, dass das Berliner Büro geschlossen werde. "So viele großartige Journalisten haben heute ihre Arbeit verloren. Es ist ein trauriger Tag".

Die dju in ver.di bewertete den angekündigten Abbau von mehr als 300 journalistischen Stellen bei der US-Hauptstadtzeitung sowie die Schließung ihres Berliner Büros als "schweren Einschnitt und fatales Signal für die demokratische Öffentlichkeit". Der aktuelle Stellenabbau sei "Ausdruck einer grundsätzlichen Fehlentwicklung": Medien im Eigentum von Big-Tech-Milliardären würden zunehmend nicht nach publizistischen Kriterien geführt, sondern nach machtpolitischen und ideologischen Interessen, sagte Peter Freitag, Co-Vorsitzender der dju am Donnerstag in Berlin.

Trend zur Unterstützung von Trump

Der Gründer des Online-Versandhändlers Amazon, Jeff Bezos, ist Eigentümer der "Washington Post". Bezos hatte die "Post" 2013 für 250 Millionen Dollar mit der Zusage gekauft, er werde keinen Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen nehmen.

Seit Längerem ist bei der "Post" ein Trend zur Unterstützung des US-Präsidenten Donald Trump erkennbar. Bezos saß weit vorn bei Trumps Amtseinführung im Januar 2025. Etwa zwei Wochen vor der Wahl im November 2024 hatte er entschieden, dass die "Post" auf eine Wahlempfehlung verzichtet.

Für Empörung hatte Mitte Januar eine Hausdurchsuchung der Ermittlungsbehörde FBI bei der "Washington Post"-Reporterin Hannah Natanson gesorgt. Die Reporterin habe angeblich geheime Informationen von einem Vertragspartner der Regierung erhalten, darüber berichtet und "Amerikas nationale Sicherheit in Gefahr gebracht". Natanson hatte in der Zeitung intensiv über umfassende Entlassungen von Regierungsmitarbeitern unter Präsident Donald Trump berichtet.

ege/ema



Zuerst veröffentlicht 05.02.2026 05:48 Letzte Änderung: 05.02.2026 14:43

Schlagworte: USA, Medien, Presse, ZFM, NEU

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