05.02.2026 04:48
Washington (epd). Nach wochenlangen Gerüchten über Einsparungen entlässt die US-Hauptstadtzeitung "Washington Post" Hunderte Mitarbeiter. Die "New York Times" berichtete am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf informierte Quellen, dass 30 Prozent der gesamten Belegschaft und mehr als 300 der rund 800 Journalisten vor die Tür gesetzt worden seien. Die Gewerkschaft News Guild sprach von einer "verheerenden Zahl" von Entlassungen.
Das Unternehmen legte keine genauen Zahlen vor, erklärte allerdings im Magazin "Columbia Journalism Review", man habe "mehrere schwierige, doch zielbewusste Maßnahmen ergriffen", um die Zeitung für die Zukunft auszurichten. Das Medienforschungsinstitut Poynter Institute zitierte eine Mail von Chefredakteur Matt Murray an die Belegschaft, die Struktur des Blattes sei "zu sehr verwurzelt in einem anderen Zeitalter, als wir ein dominierendes, lokales Print-Produkt waren". Die "Post" soll seit Jahren rote Zahlen schreiben.
Die Sportredaktion und die Abteilung für Literatur sollen nicht weitergeführt werden. Von Entlassungen betroffen sind laut Poynter auch die Lokalredaktion und mehrere Auslandsbüros sowie Reporter für nationale Gesundheitspolitik, Protestbewegungen, Extremismus und das Unternehmen Amazon. Der Gründer des Online-Versandhändlers Amazon, Jeff Bezos, ist Eigentümer der "Washington Post".
Bezos hatte die "Post" 2013 für 250 Millionen Dollar mit der Zusage gekauft, er werde keinen Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen nehmen. Noch im Dezember 2024 sagte Bezos bei einer Veranstaltung mit dem Journalisten Andrew Ross Sorkin, er sei ein "überfürsorglicher Elternteil", wenn er zur "Post" komme. "Wenn sie finanzielle Hilfe brauchen, bin ich verfügbar."
Seit Längerem ist bei der "Post" ein Trend zur Unterstützung des US-Präsidenten Donald Trump erkennbar. Bezos saß weit vorn bei Trumps Amtseinführung im Januar 2025. Etwa zwei Wochen vor der Wahl im November 2024 hatte er entschieden, dass die "Post" auf eine Wahlempfehlung verzichtet. Martin Baron, bis 2021 Chefredakteur der Zeitung, erklärte am Mittwoch, die Entlassungen machten diesen Tag zu einem der "dunkelsten" in der Geschichte einer der weltbesten Zeitungen.
Nach Ansicht von Baron sind die wirtschaftlichen Herausforderungen der "Post" vervielfacht worden durch die "schlecht durchdachten Entscheidungen oben an der Spitze". Baron kritisierte die "rückgratlose Entscheidung" gegen die Wahlempfehlung und den Umbau der Meinungsseite, die nun gekennzeichnet sei von Mangel an Charakterstärke. Leser seien entsetzt über Bezos gefühlten "Betrug" an den Werten der Zeitung. Das habe sie "zu Hunderttausenden" vertrieben.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
Zuerst veröffentlicht 05.02.2026 05:48
Schlagworte: USA, Medien, Presse, ZFM
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