Mitteloriginelle Wortwitze - epd medien

06.02.2026 08:39

Wirklich überzeugen kann die Krimi-Komödie "Fabian und Die mörderische Hochzeit" auf Amazon Prime Video nicht: Die Spannungskurve tendiert gegen null, meint Peter Luley.

Krimi-Komödie "Fabian und Die mörderische Hochzeit" auf Amazon

Bastian Pastewka (vorn) in "Fabian und Die mörderische Hochzeit"

epd Die Schauplätze in Vilnius und in einer litauischen Landvilla erinnern in ihrer pastellfarbenen Puppenstubenhaftigkeit an einen Wes-Anderson-Film, dazu macht das gnadenlose Overacting des Hauptdarstellers Bastian Pastewka sofort klar: Hier ist, bitte schön, gar nichts ernst zu nehmen.

Die ersten zehn Filmminuten sind losgelöst vom übrigen Plot, sie haben lediglich die Funktion, den Titelhelden als talentierten, aber nicht unbedingt vom Glück geküssten Hochstapler einzuführen: Da versetzt er, als Masseur getarnt, einen reichen Hausbesitzer mit Chloroform ins Koma, um in der Zwischenzeit dessen Anwesen zu verkaufen und zehn Prozent Anzahlung cash einzuheimsen. Nur leider wacht der Eigentümer schon während der Vertragsunterzeichnung wieder auf, und Fabian muss, bekleidet mit einem hellbeigen Anzug und verfolgt von einem slapstickhaften Killer, die Flucht antreten.

Dabei stolpert er in eine Hochzeitsgesellschaft, schlüpft behände in die Rolle eines Fotografen und schafft es, mitsamt dem Brautpaar und den geladenen Gästen per Bus in besagte rosafarbene Landvilla zu entkommen, wo die Feier stattfinden soll. Dort bietet sich Fabian gleich die nächste Chance auf einen Coup: Eine 40.000 Jahre alte Elfenbein-Statue namens Venus von Wildenfeld, angeblich so wertvoll "wie eine Villa am Comer See", soll von der exzentrischen Tante und Gastgeberin Nikola Wankdorff (Nicole Beutler) auf die junge Braut Milva (Tamara Romera Ginés) übergehen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Im Gewand der Parodie

Als "Murder-Mystery-Komödie" bezeichnet die UFA Fiction selbst ihre Auftragsproduktion für den Streamingdienst Prime Video, wobei Mystery in dem Fall nur für Rätsel steht, nicht für Übersinnliches. Vielmehr fügt sich "Fabian und Die mörderische Hochzeit" ein in die offenkundige Renaissance trutschiger Whodunits (siehe etwa die "Miss Merkel"-Reihe bei RTL oder jüngst "Dahlmanns letzte Bescherung" im ZDF), in denen an einem abgeschiedenen Ort ein Mord geschieht, alle Anwesenden zumindest vorübergehend verdächtig sind und schließlich ein kriminalistischer Conférencier zur großen Auflösungsshow bittet. In diesem Fall immerhin im Gewand der Parodie, so wie die "Wixxer"-Kinokomödien der Nullerjahre sich der Edgar-Wallace-Filme der 1950er und 1960er annahmen.

Inszeniert hat das Spiel mit Genre-Versatzstücken der erprobte Markus Sehr ("Pastewka"), und ein paar Humor-Punkte hat der Film sicher verdient. Ganz hübsch, wie der Fake-Kommissar die skeptische Gästerunde mit "Tatort"-artigen Phrasen von seiner Seriosität überzeugt ("das ist Polizeiarbeit"). Ganz nett der Drehbuch-Einfall, Hochstapler Fabian auf eine Kollegin (Taneshia Abt) treffen zu lassen, die sich sicher ist, ihm in Dubai schon mal begegnet zu sein. Dazu kommen ein paar mitteloriginelle Wortwitze ("Also passen Sie gut auf mich auf … auf sich auf", verhaspelt sich Fabian verräterisch) und eskalierte Dialoge ("Außen Gandhi, innen Stalin", herrscht eine Ehefrau ihren Mann an). Und auch der Cast kann sich mit u. a. Bernhard Schütz, Barbara Philipp und Ercan Durmaz sehen lassen.

Restinteresse wird mobilisiert

Eher gegen null tendiert dagegen die Spannungskurve, während die "kleine fette Statue" mehrmals den Besitzer wechselt und Fabian mit Old-school-Methoden wie Wandabklopfen einen geheimen Gang entdeckt. Wer aus den intriganten Familien-Gemeinschaften hier wem eins auswischen wollte, bleibt herzlich egal. Allenfalls die Frage, ob und wie dem nicht unsympathischen Protagonisten die Rückverwandlung vom Ermittler zum (diesmal erfolgreichen?) Trickbetrüger gelingen wird, mag ein Restinteresse mobilisieren. "Fabian und Die mörderische Hochzeit" wendet sich an Zuschauer, die es zum Schmunzeln bringt, wenn ein finster dreinblickender Hausdiener Salzstangen im Glas serviert oder wenn die Gäste sich mit kalter Rote-Beete-Suppe als Festmahl begnügen müssen.

infobox: "Fabian und Die mörderische Hochzeit", Krimi-Komödie, Regie: Markus Sehr, Buch: Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner, Sven S. Poser, Judy Horney, Kamera: Paul Pieck, Produktion: UFA Fiction (Amazon Prime Video, seit 6.2.26)



Zuerst veröffentlicht 06.02.2026 09:39

Peter Luley

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Streaming), KPrime Video, Krimi, Komödie, Pastewka, Luley, ema

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