07.02.2026 08:51
Köln (epd). Der Mediensuchtexperte Florian Buschmann rät im Umgang mit Social-Media-Plattformen zu einem zweigleisigen Weg. Verbote alleine reichten nicht aus, sagte der Gründer von "Offline Helden" am Samstag im WDR5-"Morgenecho". Es gehe auch darum, aufzuklären, "um Kinder und Jugendliche bewusst stark zu machen, damit diese in dieser Welt gar nicht erst abgleiten". Die EU-Kommission hatte am Freitag TikTok mit einer Strafe gedroht, wenn die Plattform ihre manipulative und abhängig machende Struktur nicht ändere.
Wer den Spielplatz baue, habe natürlich eine gewisse Verantwortung, dass dieser nicht gefährlich für die Nutzer sei, betonte Buschmann. Dementsprechend könne TikTok klarere Regeln setzen. Möglich wären etwa eine komplette Sperre über Nacht oder eine klare Altersverifikation. Die EU-Kommission schlug unter anderem vor, Bildschirm-Pausen einzuführen und den Empfehlungs-Algorithmus zu ändern.
"Tatsächlich ist TikTok ein Extrembeispiel", sagte Buschmann. Diese Suchtmechanismen gebe es mittlerweile aber auch mit YouTube Shorts, Snapchat Spotlight und Instagram Reels. Wenn so viele Reize auf einen Menschen einprasselten, falle das Gehirn in einen Autopilotmodus, erläuterte Buschmann. Sie übermannten die Selbstkontrolle, die jemand habe, um aufhören zu können. Man wolle immer wieder einen neuen Reiz.
"In meiner Beratung sehe ich tagtäglich Jugendliche, die nicht nur vier oder fünf Stunden auf diesen Plattformen verbringen", erklärte der ehemalige Betroffene von Mediensucht. Vielmehr verbrächten sie in der Summe mehr als einen Vollzeitjob dort. "Offline Helden" bietet bundesweit Präventionsprojekte an Schulen.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
lwd
Zuerst veröffentlicht 07.02.2026 09:51
Schlagworte: Medien, Internet, Kinder, Jugend
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