Wache Instinkte - epd medien

10.02.2026 09:11

Auf den ersten Blick wirken Meret und Simon mit Tochter Nina wie eine ganz normale kleine Familie, doch bald werden die ehemaligen Agenten in der Serie "Unfamiliar" von ihrer Vergangenheit eingeholt. Das komplexe Familiendrama spielt im unwirtlichen Berlin.

Spionage-Serie "Unfamiliar" bei Netflix

Meret (Susanne Wolff, links) und Simon (Felix Kramer) mit ihrer Tochter Nina (Maja Bons)

epd Geschmackvoll und heimelig ist es in dieser Restaurantküche: Dekorativ stehen dort Kräuter neben knackigem Gemüse, der Umgang ist freundlich. Liebevoll dekoriert der junge Koch Yul (Anand Batbileg Chuluunbaatar) eine Geburtstagstorte und steckt eine 16 hinein. Ebenso heimelig, aber zugleich seltsam bedrückend ist die vollgestellte, dunkle Wohnung, in der er die Torte wenig später zusammen mit Simon (Felix Kramer), seinem Chef dessen Tochter Nina, dem Geburtstagskind (Maja Bons) und deren Mutter Meret (Susanne Wolff) übergibt. Dazu bildet die Außenwelt einen krassen Kontrast: ein unwirtliches Berlin voller anonymer Gebäudekomplexe, nüchterner Beton- und Stahlbauten, allen voran der riesige Häuserblock des Bundesnachrichtendiensts.

Das sind die zwei Welten, in denen sich die Ex-Agenten Meret und Simon bewegen. Mitten in der Hauptstadt betreiben sie ein geheimes Safe-House, das naturgemäß hermetisch abgeschlossen ist. In diesen zwei Welten ist die Netflix-Spionage-Serie "Unfamiliar" von Headautor Paul Coates angesiedelt.

Ein Unbekannter mit Bauchwunde

Es kommt noch eine weitere Welt aus der Vergangenheit hinzu. Diese droht das Glück der kleinen Familie zu zerstören, eine Lebenslüge und das ein oder andere Geheimnis zu entlarven. Es ist ein rasantes nicht immer leicht zu durchschauendes Katz-und-Maus-Spiel, wie es sich für einen ordentlichen Agententhriller gehört. "Unfamiliar" bedient sich bekannter Motive, des Settings Berlin als einstige Hauptstadt der Spionage, die Serie spielt geschickt mit dem Genre, ohne jemals eine Schleife zu viel zu ziehen.

Gerade als Meret und Simon mit ihrer Tochter die Geburtstagstorte anschneiden wollen, werden sie ins Safe-House gerufen. Ein Unbekannter mit tiefer Bauchwunde (Aaron Altaras) sucht Schutz bei den ehemaligen BNDlern. Doch deren Instinkt ist auch nach Jahren noch sehr wach. Schnell ist ihnen klar, dass der Mann sie in eine Falle locken will. Wenig zimperlich entledigen sie sich seiner.

Brillant besetzt

Der ehemalige MI6-Agent arbeitete als Söldner für den Chef einer privaten Sicherheitsfirma, Jonas Auken (Andreas Pietschmann). Der wiederum steht in Diensten des russischen Agenten Josef Koleev (Samuel Finzi), der noch eine alte Rechnung mit Simon und Meret von einem Einsatz vor 16 Jahren in Belarus offen hat. Damals sollte Koleev auf Geheiß des damaligen BND-Russland-Chefs Gregor (Henry Hübchen) zurück nach Moskau. Auch damals ging es um Leben und Tod. Gestorben ist letztendlich niemand, aber das weiß nur Simon. So wie Meret über Jahre Simon im Dunkeln über ihre Beziehung zu Jonas gelassen hat.

Da zerbröselt ein sicher geglaubtes und vermeintlich vertrauensvolles Gefüge. Das Unbekannte in der Familie bricht auf. Susanne Wollf gibt diese Meret unbeteiligt, kühl, fast roboterhaft, sie deutet ihre Emotionen sehr subtil an. Kramer schlüpft in die Rolle des liebevollen, sanften Vaters und Ehemanns mit vielen Geheimnissen. "Unfamiliar" ist bis in die kleinste Nebenrolle brillant besetzt, ein komplexes und herausragendes Agenten- und Familiendrama.

infobox: "Unfamiliar", sechsteilige Serie, Regie: Lennart Ruff, Philipp Leinemann, Buch: Paul Coates, Alexander Seibt, Kim Zimmermann, Kamera: Christian Stanggassinger, Produktion: Gaumont (Netflix seit 5.2.26)



Zuerst veröffentlicht 10.02.2026 10:11

Britta Schmeis

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Streaming, Kritik.(Streaming), KNetflix, Serie, Leinemann, Ruff, Coates, Seibt, Zimmermann, Schmeis

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