11.02.2026 09:10
Fernsehfilm "Damen" in der ARD-Mediathek
epd Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum es so viele vietnamesische Nagelstudios gibt? Nicht etwa thailändische oder portugiesische. Die US-Schauspielerin Tippy Hedren engagierte sich seinerzeit für Boat People und fand, Maniküre und Pediküre seien eine gute Idee, um den Vietnamesinnen Verdienstmöglichkeiten zu eröffnen. Doch das nur am Rande.
Allerdings ist diese Randbemerkung vermutlich das Einzige, was zumindest der Rezensentin von diesem Fernsehfilm in Erinnerung bleiben wird. Er kämpfte eher mit dem Vorschlaghammer als mit dem Florett für Frauensolidarität und den politisch korrekten Umgang mit Menschen, die anders aussehen als die Mehrheit. Ganz, als habe man die Wichtigkeit von beidem erst kürzlich entdeckt.
Gibt es, wie hier insinuiert, wirklich immer noch massenweise "Biodeutsche", die nicht wissen, dass es sich nicht gehört, Menschen, die nicht so aussehen wie sie selbst, erst mal zu fragen, wo sie denn herkommen (gemeint ist ein der Vermutung nach fremdes Herkunftsland)? Selbst wenn das so sein sollte, für einen gelungenen Fernsehfilm-Gag sind, Antworten wie "Sindelfingen", "Düsseldorf" oder "Wanne-Eickel" längst zu verbraucht.
Dabei ist die Familie von Hauptfigur Maja (Salka Weber) urmünchnerisch. Trotzdem hat Maja wie ihre Mutter eine dunkle Hautfarbe, denn ihr Großvater war ein schwarzer GI, der in der Familie nur ein kurzes Gastspiel gab. Die junge Frau jobbt mit Mitte 30 als Hausbesuchs-Nagelpflegerin, kümmert sich um ihre psychisch schwer angeschlagene Mutter, bekommt nur kleine Aufträge in ihrem Neigungsberuf Maskenbildnerin, giggelt und macht Party mit ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Sema (Şafak Şengül). Und sie fährt sehr viel mit dem Bus durch die Stadt.
Komischerweise hat diese Urmünchnerin überhaupt keine "biodeutschen" Freunde. Ihre beste Freundin Sema, die einen Brillenladen hat und sich als Influencerin vor dem Ringlicht versucht, kommt aus einer türkischen Familie. Ihr queerer Freund Kim (Viet Pham) ist Abkömmling von Boat-People. Und das Love-Interest vom Theater hat "natürlich" auch keine bleiche Haut, sondern eine Mutter aus Angola, die als Studentin in die DDR kam.
In Filmen, in denen die Figuren vor allem als Vehikel für Botschaften dienen, muss das wohl so sein, sonst könnten sie einem ja nicht so viel beibringen wie gewollt: über das Lebensgefühl von Einwanderer-Kindern und -Kindeskindern und Menschen wie Maja. Da schreibt man sich dann halt mal, plausibel oder nicht, möglichst viele Varianten des gewünschten Exempels ins Drehbuch (Stefanie Kremser, die Autorin von "Damen" schrieb auch den Film "Herren").
Und wie ist dieses Lebensgefühl? Na ja, man ist halt deutsch, sieht aber nicht "typisch deutsch" aus. Außerdem, sagt der junge Mann mit der Mutter aus Angola: Das Heimatland seiner Vorfahren gehöre zwar irgendwie zu ihm. Aber er gehöre nicht zu Angola. Zweite vom Film verbreitete Erkenntnis: Menschen, die oder deren Vorfahren aus demselben Land stammen und/oder aussehen wie man selbst, müsse man halt nicht so viel erklären.
Der Film besteht aus - gefühlt - endlos vielen Tagen im Leben von Maja, die alle fast gleich ablaufen: Bus, Mutter, Handpflege, Bus, Theater, Freundin, Bus, Pediküre, es passiert ein bisschen was, Freizeit an der Isar, Bus, Maniküre. Und so weiter. Das ist anstrengend und monoton. Nicht nur für Maja.
Eigentlich ist es nicht uninteressant, aus der Perspektive von Leuten wie Maja und ihren Freunden zu erzählen, aber hier ist leider alles überdeutlich - insbesondere die gute Absicht. Doch nicht nur die: Eine Optikerin trägt eine Riesenbrille. Eine Nagelpflegerin guckt anderen nur auf Hände. Tritt das Love-Interest in den Raum, weiß man sofort, was Sache ist. Wird eine Tür nicht aufgetan, darf man sich sicher sein, hinter ihr lauert etwas Schlimmes. Spannend ist das nicht.
Am Ende wendet sich alles zum Guten. Maja bekommt das Nagelstudio einer vietnamesischen Seniorin vererbt, hat endlich mal wieder Sex und die Mutter geht zur Therapie. Vielleicht. Bei einer dunkelhäutigen Frau. Da muss sie angeblich weniger erklären.
infobox: "Damen", Fernsehfilm, Regie: Katharina Bischof, Buch: Stefanie Kremser, Kamera: Robert Münchhofen, Produktion: Kineo Film (ARD-Mediathek/BR, seit 11.2.26, ARD, 18.2.26, 20.15-21.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 11.02.2026 10:10
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KBR, Fernsehfilm, Bischof, Kremser, Kaiser
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