Zahme Fragen im lauten Ford-Werk - epd medien

12.02.2026 09:04

Das Ringen um die Kontrolle von Medienunternehmen gleicht in den USA immer stärker dem Ringen um politischen Einfluss. Präsident Donald Trump sieht es gern, wenn ihm nahestehende Investoren große Konzerne wie Paramount übernehmen und dort den Kurs ändern. Doch früher war nicht alles besser, wie Konrad Ege analysiert.

Trump, Ellison und der Umbau von CBS News

Paramount-Chef David Ellison (Archivbild)

epd In den USA zeigen das Medien- und Unterhaltungsunternehmen Paramount und dessen Tochter CBS News, wie wechselnde Besitzverhältnisse "die Nachrichten" verändern können. Neu ist dieser Umstand nicht. Er passt zu Donald Trumps Verlangen, Medien gefügig zu machen. Trump tut nicht einmal so, als schätze er eine Pressefreiheit, die auch den Präsidenten kritisiert. Er schüchtert Medien ein und verklagt sie. Bei CBS News läuft der Umbau anscheinend im Einvernehmen mit dem Weißen Haus.

Chef bei Paramount ist David Ellison. Dessen Vater und finanzieller Unterstützer ist der Trump nahestehende Larry Ellison, Gründer des IT-Unternehmens Oracle Corporation - einer der reichsten Menschen der Welt und Spender für republikanische Anliegen. Im Juli 2025 hatte die US-Medienbehörde FCC den Zusammenschluss von Skydance Media und Paramount Global genehmigt. Der FCC-Vorsitzende Brendan Carr begrüßte die Zusage von Skydance, "bedeutende Veränderungen" vorzunehmen bei CBS. Der Sender werde "fair, unvoreingenommen und faktenbezogen" berichten, Diversitätprogramme würden eingestellt.

"Großartige neue Führung"

Die neue Chefredakteurin von CBS News, Bari Weiss, ist seit Oktober auf ihrem Posten. Trump begrüßt die Personalie, wie er in einem Interview mit CBS im November deutlich machte: "Ich denke, Ihr habt eine großartige neue Führung, um ehrlich zu sein, weil die junge Frau (...) großartig ist - so weit ich weiß." Der Fachdienst "Deadline.com" zitierte David Ellison, die Mehrheit der US-Amerikaner sehne sich nach einem "ausgeglichenen und faktenbasierten Journalismus". Weiss wechselte von "The Free Press" zu CBS. Das von ihr mitgegründete Medienunternehmen, das Paramount im Oktober direkt übernahm, positioniert sich gegen "wokes" Denken und für die vermeintlichen Opfer dieses Denkens - sowie gegen einen Journalismus, der angeblich nicht mehr die Wahrheit sagt.

Inhaltlich zusammengefasst wurde das neue CBS News vom neuen Moderator der Abendnachrichten, Tony Dokoupil, in einer Botschaft an die Zuschauer: Die "Legacy Medien" einschließlich CBS hätten das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Allzu oft habe man "die Gesichtspunkte von Interessenvertretern berücksichtigt und nicht die des durchschnittlichen Amerikaners", erklärte der von Weiss ernannte Moderator. Oder man habe "die Analyse der Akademiker oder Eliten" zu sehr beachtet.

Ungeschnittenes Trump-Interview

Unter Weiss gerät der Sender in die Schlagzeilen. Wohl am meisten Aufsehen erregte ihre Entscheidung, einen für den 21. Dezember in der Magazinsendung "60 Minutes" geplanten Beitrag über Trumps Abschiebungen in das berüchtigte Cecot-Gefängnis in El Salvador vorläufig zurückzuhalten. Am 6. Januar, drei Tage nach dem US-Angriff auf Venezuela, war Dokoupil in Miami voll des Lobes für den aus Miami stammenden Außenminister und Nationalen Sicherheitsberater Marco Rubio. Für dessen Fans in Florida stehe Rubio symbolisch dafür, dass Florida ein "Führer auf der Weltbühne" geworden sei. "Marco Rubio, wir salutieren Ihnen", sagte Dokoupil.

Am 13. Januar ließ Weiss in den knapp 30 Minuten langen Abendnachrichten ein 13-minütiges Interview mit Trump ungeschnitten senden. Dokoupil stellte zahme Fragen in einem lauten Ford-Werk in Michigan. Wie die "New York Times" berichtete, hatte Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt Dokoupil eingeschärft, CBS News dürfe das Interview nicht schneiden: "Wenn es nicht ganz gesendet wird, werden wir Euch verklagen." Manche CBS-Mitarbeiter hätten die Aufforderung als Scherz verstanden. Andererseits: 2024 hatte Trump CBS wegen eines Interviews verklagt. Paramount zahlte ihm 16 Millionen Dollar, bevor Trumps FCC grünes Licht für den Skydance-Zusammenschluss gab.

Kommentator taucht in Epstein-Akten auf

Anfang Februar ernannte Weiss rund 20 neue Kommentatoren für CBS News, um den "Wissensschatz" des Senders auszubauen. Insgesamt ist die Auswahl eher rechtslastig, manche kommen aus der Welt von "Gesundheit, Glück, Kunst, Essen, Mode und mehr", wie es in der Ankündigung hieß. Einer der Kommentatoren, Peter Attia, taucht in den vom Justizministerium freigegebenen Akten über Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf. Attia stand demnach mit Epstein lange nach dessen Verurteilung 2008 im Mailkontakt.

Der Umbau von CBS News hat symbolische Bedeutung. Dem konservativen Amerika gilt der Sender seit weit mehr als einem halben Jahrhundert als Inbegriff liberalen und unamerikanischen Denkens. In den 50er Jahren hatte CBS-Moderator Edward Murrow den wegen seiner antikommunistischen Hetze gefürchteten republikanischen Senator Joe McCarthy zurechtgewiesen mit der Mahnung, man dürfe "Dissens nicht mit Abtrünnigkeit verwechseln". 1968 schockierte Moderator Walter Cronkite Zuschauer mit der Bestandsaufnahme, die USA steckten im Vietnamkrieg in einer Sackgasse. Mehr als eine halbe Million US-Soldaten kämpften in Dschungeln und Reisfeldern.

Ringen um politischen Einfluss

Das Ringen um politischen Einfluss auf Medienunternehmen zeigt sich gegenwärtig auch beim Kampf um das Riesenunternehmen Warner Bros. Discovery, zu dem der Kabelsender CNN gehört. Im Bieterwettstreit liegt anscheinend der Streamingdienst Netflix vorn. Doch Paramount macht laut Brancheninformationen geltend, eine größere Chance auf den Segen der FCC zu haben als Netflix, das eher dem Spektrum der Demokratischen Partei zugerechnet wird. Netflix möchte CNN im Falle einer Übernahme in die eigenständige Firma Discovery Global abspalten, während Paramount die Übernahme des gesamten Unternehmens plant, einschließlich CNN. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, versicherte David Ellison der Regierung Trump, er würde bei CNN "tiefgreifende Veränderungen" vornehmen.

Die Ellisons kamen bereits bei Tiktok zum Zuge. Larry Ellisons Oracle erwarb im vergangenen Januar einen Anteil des amerikanischen Geschäfts der Plattform. Weitere Eigentümer sind die staatliche Investment-Firma MGX aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die kalifornische Privat-Equity-Firma Silver Lake sowie mehrere kleinere Investoren. Ein Teil bleibt beim chinesischen Mutterkonzern Bytedance. Nun wird gerätselt, ob diese Konstellation Einfluss auf die Inhalte nehmen wird. Der High-Tech-Experte des Rundfunksenders NPR, Bobby Allyn, berichtete von einem Memorandum zum Deal, wonach Ellison und die anderen Investoren die Content-Moderierung kontrollieren werden. Trump versicherte, er liebe Tiktok.

Ein Zirkus voller Bombenwerfer

Mit der Sehnsucht nach dem "guten alten CBS" ist es allerdings so eine Sache. Es lohnt sich ein Rückblick auf den Wahlkampf 2016: Damals kandidierte der Reality-TV-Star und Immobilienunternehmer Donald Trump gegen Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Fernsehsender bekamen nicht genug von dem Entertainer, der so redete, wie Politiker normalerweise nicht redeten. Politikwissenschaftler spekulierten später darüber, wie sehr die umfangreiche Sendezeit Trump geholfen hatte, Präsident zu werden.

Das Fachblatt "The Hollywood Reporter" berichtete im Februar 2016 über eine Ansprache des damaligen CBS-Chefs Leslie Moonves bei einer Konferenz. Trumps Kandidatur sei vielleicht nicht gut für Amerika, sagte Moonves, aber sie sei "verdammt gut für CBS". Das Geld rolle durch Werbung. Der Wahlkampf sei ein Zirkus voller "Bombenwerfer", und er hoffe, dass es weitergehe, so Moonves: "Zeig', was du hast, Donald, mach weiter."

Spaß an Attacken auf CNN

Trump wurde Präsident - und Moonves trat 2018 zurück, nachdem die Zeitschrift "New Yorker" über Vorwürfe der sexuellen Nötigung berichtet hatte. CBS und Moonves wurden von der Staatsanwaltschaft zu einer Vergleichszahlung in Höhe von 30,5 Millionen Dollar verpflichtet, die vornehmlich an CBS-Aktionäre floss. Das Unternehmen und sein CEO hätten versucht, "Opfer zum Schweigen zu bringen", die Öffentlichkeit zu belügen und Investoren über Ermittlungen gegen Moonves in die Irre zu führen, erklärte New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James. Zu einem Strafprozess gegen Moonves kam es nicht. Laut Medienberichten spendeten er und CBS mehreren Organisationen aus der MeToo-Bewegung 20 Millionen Dollar.

Im Fall eines Erfolges von Paramount im Bieterwettstreit mit Netflix würde auch der Warner-Sender CNN in die Hände eines Trump-freundlichen Unternehmens gelangen. Der Präsident hat offenbar seinen Spaß an Attacken auf das angebliche "Fake News"-CNN: Kürzlich beleidigte er die CNN-Chefkorrrespondentin für das Weiße Haus, Kaitlan Collins, als "dumm und fies".

Im Wahlkampf 2016 war das noch anders gewesen, CNN war enorm wichtig für Trumps Aufstieg. Unter dem damaligen CNN-Präsidenten Jeff Zucker, der Trump zuvor bei NBC mit der Show "The Apprentice" zum Reality-Star gemacht hatte, übertrug der Sender 2016 viele von Trumps Wahlreden live. Zucker habe die "Trump-Persona" geschaffen, erst als Reality-Star und dann als Kandidat mit Unmengen an kostenloser Werbung, schrieb die Medienjournalistin Margaret Sullivan.

Konrad Ege Copyright: Foto: privat Darstellung: Autorenbox Text: Konrad Ege ist freier Journalist in Washington und berichtet für den epd aus den USA.



Zuerst veröffentlicht 12.02.2026 10:04

Konrad Ege

Schlagworte: Medien, USA, Paramount, ege

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