ProQuote: Frauenanteil in journalistischen Führungspositionen sinkt - epd medien

13.02.2026 07:37

Der Verein ProQuote beklagt einen Rückgang des Frauenanteils in den Spitzenpositionen deutscher Leitmedien. Vereinsvorständin Heitkämper warnt vor mangelnder Vielfalt in den Redaktionen, die den Blick auf Politik und Gesellschaft verenge.

Mit ihren drei Chefredakteurinnen Ulrike Winkelmann, Katrin Gottschalk und Barbara Junge (v.l.n.r.) kommt die "tageszeitung" (taz) auf den höchsten Frauenmachtanteil

Berlin (epd). Der Frauenanteil in den Führungspositionen großer deutscher Print- und Online-Medien ist nach einer Erhebung des Vereins ProQuote erneut gesunken. Wie die Hamburger Organisation am Freitag mitteilte, liegt der sogenannte Frauenmachtanteil nun bei 37,5 Prozent. Das entspreche einem Minus von 0,3 Prozentpunkten gegenüber der Zählung im Juli 2025.

Das Ranking wertet die Impressen der neun größten und einflussreichsten Redaktionen aus, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. Den bisherigen Höhepunkt hatte der Frauenmachtanteil im Februar 2024 mit 39,5 Prozent erreicht.

ProQuote-Vorständin Edith Heitkämper bezeichnete den erneuten Rückgang als "deutliches Warnsignal für die Medienhäuser". Gleichstellung in journalistischen Führungspositionen passiere nicht von selbst: "Sie ist eine Führungsaufgabe". Wer publizistische Verantwortung übernehme, müsse auch Verantwortung für vielfältige Perspektiven in Redaktionen tragen. Bleibe diese aus, verenge sich der Blick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

"taz" weiter an der Spitze

Spitzenreiterin im Ranking von ProQuote bleibt den Angaben zufolge die "tageszeitung" (taz) mit einem Frauenmachtanteil von 61,3 Prozent. Allerdings habe auch sie einen Rückgang um 3,8 Prozentpunkte im Vergleich zu Juli 2025 verzeichnet. Positiv hervorzuheben sei die Entwicklung bei der "Süddeutschen Zeitung": Sie erreiche mit einem Frauenmachtanteil von 52,7 Prozent Rang zwei und habe um 4,8 Prozentpunkte zugelegt.

"Die Zeit" liegt laut ProQuote mit 42,6 Prozent (plus 0,3 Punkte) auf Platz drei. "Der Spiegel" verliere 3,9 Prozentpunkte und falle mit 41,4 Prozent auf Rang vier zurück. "Bild" (37,9 Prozent), "Stern" (35,8 Prozent), "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (25 Prozent) und "Focus" (23,9 Prozent) blieben im Vergleich zur vergangenen Zählung weitgehend unverändert. Besonders alarmierend sei die Entwicklung bei der "Welt", wo der Frauenmachtanteil um 1,3 Prozentpunkte auf 16,7 Prozent zurückgegangen sei.

Meldung aus dem epd-Basisdienst

fu



Zuerst veröffentlicht 13.02.2026 08:37 Letzte Änderung: 13.02.2026 09:44

Schlagworte: Medien, Frauen, RPT, NEU

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