Nonsens als Konsens - epd medien

13.02.2026 11:28

Der "Neo Social Club mit Laura Larsson" versucht, die Punchline-Kultur aus den sozialen Netzwerken in eine Spielshow zu übertragen. Es gibt viele kurze Gags, der Unterhaltungswert hängt aber sehr von den jeweiligen Kandidaten ab, findet Lukas Respondek.

Die Comedy-Game-Show "Neo Social Club mit Laura Larsson"

Laura Larsson moderiert bei ZDFneo ihre erste eigene Game-Show, den "Neo Social Club"

epd Während derzeit zahlreiche Social-Media-User dem "2016 Trend" folgen und mit alten Fotos zehn Jahre in die Vergangenheit blicken, entdeckt ZDFneo das Internet für sich und widmet all den absurden Posts, mit denen die Plattformen wohl so gut gefüllt sind wie noch nie, eine Comedy-Gameshow. ZDFneo folgt damit gewissermaßen dem 2016-Trend, denn bei "Neo Social Club" handelt es sich um die Adaption der Mitte der 2010er beim US-Sender Comedy Central gezeigten Show "@midnight" von Chris Hardwick und ihrer kurzlebigen CBS-Neuauflage "After Midnight" von Taylor Tomlinson.

In jeder der acht Ausgaben treten drei Internet-, Comedy- und Schauspielstars in mehreren Spielrunden gegeneinander an, um mit improvisierten Pointen Punkte zu sammeln. Dafür reagieren die Promis möglichst witzig auf gezeigte Internet-Posts. Bekannt ist dem geneigten Instagram-, Tiktok- oder X-Nutzer dieses Verhalten aus Kommentarspalten, in denen manch ein User die Chance wittert, mit witzigen, den Wahnsinn der eigentlichen Posts möglichst überbietenden Bemerkungen an Likes anderer Nutzer zu gelangen. "Neo Social Club" macht hieraus eine Gameshow.

Begeisterung über Internetfunde

Doch wer wie viele Punkte erhält, bestimmt allein die Moderatorin Laura Larsson, unter anderem bekannt aus ihrem "Herrengedeck"-Podcast. Larsson wird nicht müde, ihre Kandidaten nach Social-Media-Erfahrungen zu fragen, ihre Begeisterung über die gezeigten Internetfunde zu teilen und die Fernsehzuschauer zu bitten, für 30 Minuten das Handy beiseitezulegen. Allzu viel Zeit für Gespräche haben Larsson und ihre Gäste in den halbstündigen Folgen aber nicht.

Umso praktischer ist es, dass Larsson mit nur einem Schlag auf ihren Buzzer ganz fix und ohne jegliche Begründung 100 Punkte zum Punktestand eines Kandidaten hinzufügen kann. Manchmal drückt sie den Buzzer auch häufiger und spendiert einem Teilnehmer somit 200, 300 oder gar mehr Punkte. Kriterien? Gibt es nicht. Belohnt wird, was sie lustig findet.

Spätestens hier wird deutlich, dass ein halbwegs ernstzunehmender Wettbewerb in dieser Gameshow nicht zu erwarten ist. Der Spielshow-Charakter wirkt wie eine Rechtfertigung, Impro-Comedy einen Raum zu geben. Zu beliebig ist die Wertung, zu egal ist der Hauptpreis, der mal eine alte Brille, mal eine angebrochene Snackbox sein kann. Doch das stört niemanden: Zwischen allen Beteiligten herrscht offenbar ein Konsens über Nonsens.

Viele kurze Gags

Viele der Spielrunden, darunter das aus "After Midnight" adaptierte Spiel "Gruppenchat", bestehen im Kern daraus, schnell pointierte Antworten auf Posts zu geben. Das erinnert einige Male sehr an Moritz Neumeiers Impro-Show "falsch, aber lustig", in der ebenfalls eine Punchline rasch auf die nächste folgt. Ein hohes Antworttempo wie zu "Dalli-Dalli"-Zeiten ist also garantiert. Die Punchlines sind wie gemacht für die Zweitverwertung ohne lästigen Showkontext auf der einstigen Instagram-Seite der ZDFneo-Talkshow "Neo Ragazzi", die nun kurzerhand zur Instagram-Präsenz von "Neo Social Club" umfunktioniert wurde - wäre ja sonst schade um die über 100.000 Follower.

Das Runterbrechen einer Gameshow auf sehr viele kurze Gags macht ihren Unterhaltungswert jedoch sehr vom Humor abhängig. Ob die Zuschauer diesen mit den drei in jeder Folge wechselnden Kandidaten teilen, ist längst nicht gewiss. Punkten kann die Show am ehesten in den Spielrunden, die den Kandidaten abverlangen, konträr auf das Gezeigte zu reagieren, etwa indem sie mit ihrer Punchline den "Vibe" von "Feelgood"-Videos "killen".

Das ist Lebenszeit, die ich nie wieder zurückbekomme.

Dass das Finale der Sendung zur bloßen Quiz- oder Schätzfrage degradiert wird, anstatt wie im Original ein letztes Humorduell zu bieten, über dessen Sieger das Studiopublikum entscheidet, ist bedauerlich. Das deutsche Publikum muss sich leider mit der Schätzfrage zufrieden geben, wie viele "Schnellfickerhosen" Mitarbeiter Christoph gerade trägt, woraufhin er sich dieser eindrucksvoll entledigt. Schade: Im Vergleich zu den US-Hosts nimmt Larsson eine eher spielleitende Rolle ein und bringt zu den gezeigten Online-Beiträgen nur selten eigene Gags ein.

"Das ist Lebenszeit, die ich nie wieder zurückbekomme", erkennt Larsson einmal - und bringt damit den Großteil des Unfugs aus sozialen Medien auf den Punkt. "Neo Social Club" gelingt es kaum, all dem Online-Nonsens einen Hauch von - spielerischem - Sinn überzustülpen. Wie schon im Internet sind die meisten Reaktionen auf Blödsinn eben auch nichts als Blödsinn. Im besten Fall aber immerhin unterhaltsam.

infobox: "Neo Social Club mit Laura Larsson", achtteilige Comedy-Gameshow, Regie: Michael Giehmann, Buch: Nora Cummins, Produktion: Constantin Entertainment (ZDF-Mediathek, seit 4.2.26 jeweils mittwochs, ZDFneo, seit 5.2.26 jeweils donnerstags 22.15-22.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 13.02.2026 12:28 Letzte Änderung: 13.02.2026 13:11

Lukas Respondek

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), Streaming, Comedy, Gameshow, Larsson, Giehmann, Cummins, Respondek, NEU

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