16.02.2026 08:10
Weinheim (epd). Die Freudenberg Stiftung ist nicht mehr Trägerin des Europäischen Civis-Medienpreises für Integration und kulturelle Vielfalt. Im Januar habe man sich aus der gemeinnützigen Civis Medienstiftung GmbH zurückgezogen, erklärte Pia Gerber, Geschäftsführerin der Freudenberg Stiftung, auf epd-Anfrage in Weinheim. Die Anteile in Höhe von 42 Prozent habe der Westdeutsche Rundfunk (WDR) übernommen. Der WDR ist stellvertretend für die ARD nun alleiniger Gesellschafter der Civis Medienstiftung, die 2003 in Köln gegründet wurde.
Im Rahmen einer strategischen Neujustierung habe die Freudenberg Stiftung entschieden, bei Civis auszusteigen, sagte Gerber weiter. Im Fokus der aktuellen Medienstrategie stehe "die Stärkung von Lokaljournalismus in Ostdeutschland und von Faktenchecks in den sozialen Medien". Die Stiftung wolle sich in der Regel nicht mehr so dauerhaft binden, wie es als Gesellschafterin mit Sitz in Gremien geförderter Organisationen der Fall sei.
Es gehe darum, sukzessive auf flexiblere Modelle der Zusammenarbeit zu setzen, sagte Gerber. So lasse sich schneller auf tiefgreifende politische und gesellschaftliche Veränderungen reagieren.
Der WDR und die Freudenberg Stiftung, von Gesellschaftern der gleichnamigen Unternehmensgruppe gegründet, begannen ihre Kooperation bei Civis vor mehr als 35 Jahren. 1987 taten sich beide zusammen, um den Preis ins Leben zu rufen. 1989 wurde dann unter dem Civis-Label der erste deutsche Hörfunk- und Fernsehpreis vergeben. 2003 wurde der Medienpreis auf Produktionen aus der EU und der Schweiz ausgeweitet. Ausgezeichnet werden inzwischen Beiträge aus Fernsehen, Audio, Internet und Kino zu den Themen Migration, Integration, kulturelle Vielfalt und gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Der WDR erklärte, dass der Sender die Anteile der Freudenberg Stiftung für einen Betrag in Höhe von 10.500 Euro übernommen habe. Der Sender sucht nun für die Civis Medienstiftung nach eigenen Angaben "einen neuen Gesellschafter und/oder weitere Förderer".
In den vergangenen Jahren habe sich die Freudenberg-Förderung von Civis auf rund 120.000 Euro jährlich belaufen, erklärte Freudenberg-Geschäftsführerin Gerber. Nach Angaben des WDR gibt es durch den Ausstieg keine "Nachschusspflicht" für den Sender. Im Beteiligungsbericht 2024 beziffert der WDR seinen regelmäßigen jährlichen Gesamtzuschuss für Civis auf 248.000 Euro. Zur Höhe des jährlichen Civis-Budgets wollte sich die Rundfunkanstalt "aus Gründen der Vertraulichkeit" nicht äußern.
Civis-Medienpartner sind unter anderem in diesem Jahr der österreichische ORF, die Schweizer SRG, Arte, 3sat, die Deutsche Welle, das Deutschlandradio und die Europäische Rundfunkunion (EBU). Geplant ist die Verleihung für Ende Mai.
vnn
Zuerst veröffentlicht 16.02.2026 09:10
Schlagworte: Medien, Rundfunk, Stiftungen, Demokratie
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