Deutsche Welle streicht 160 Stellen - epd medien

19.02.2026 12:04

Nach der Kürzung des Bundeszuschusses muss die Deutsche Welle insgesamt 21 Millionen Euro sparen. Nun hat der Auslandssender neben weiteren Kürzungen den Abbau von 160 Vollzeitstellen beschlossen.

Deutsche Welle in Bonn

Bonn (epd). Nach der Kürzung des Bundeszuschusses für die Deutsche Welle (DW) hat der Auslandssender ein Sparpaket vorgelegt. Rundfunkrat, Verwaltungsrat und Geschäftsleitung beschlossen unter anderem den Abbau von 160 Vollzeitstellen, die Einstellung des Griechisch-Dienstes und die Reduzierung des journalistischen Angebots in weiteren Sprachen, um Einsparungen von insgesamt 21 Millionen Euro umzusetzen, wie die DW am 18. Februar in Bonn mitteilte.

Außerdem werde das deutschsprachige journalistische Angebot mit den Deutschlernkursen zusammengelegt. Zahlreiche Positionen im ganzen Haus würden gekürzt und die Investitionsmittel deutlich reduziert, erklärte der Sender weiter. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben.

Fehlender Ausgleich von Tarifsteigerungen

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte im November vergangenen Jahres entschieden, den Zuschuss zum Betriebsetat des Auslandssenders im Haushalt 2026 auf 395,4 Millionen Euro zu senken. Der Regierungsentwurf hatte noch 405,5 Millionen Euro vorgesehen. Die DW erhält darüber hinaus weitere 20 Millionen Euro Zuschuss für Investitionen, sodass der Etat des Senders 2026 bei insgesamt 415,5 Millionen Euro liegt.

Hinzu kommt nach DW-Angaben der fehlende Ausgleich von Tarifsteigerungen, durch den Mehrkosten von elf Millionen Euro entstünden. Deshalb müsse der Sender insgesamt 21 Millionen Euro einsparen.

Die nun beschlossenen Maßnahmen sähen auch eine Kürzung des Budgets für die Sprachangebote Portugiesisch für Afrika sowie Dari/Paschtu für Afghanistan vor. Zudem würden die Ausgaben der spanischsprachigen TV-News reduziert, erklärte die DW. Die Ausgaben zur Prime-Time blieben dagegen bestehen. Komplett eingestellt würden das russischsprachige Satiremagazin "Zapovednik", das Kunst- und Kulturmagazin "Arts Unveiled" und das Debattenformat "Auf den Punkt" in allen Sprachversionen, außerdem das Wissenschaftsmagazin "Tomorrow Today" auf Portugiesisch, das Umweltmagazin "Eco Africa" auf Portugiesisch und das Europa-Magazin "Europeo" in allen sieben Sprachen.

Kosteneinsparungen auch durch KI

Mehr als ein Drittel der Einsparungen entfalle auf die Infrastruktur und Verwaltung "sowie auf Kosteneinsparungen, die durch KI-Einsatz erzielt werden". Betroffen seien unter anderem Weiterbildungen und Veranstaltungen. Zudem würden Mittel für die technische Ausstattung, die Weiterentwicklung von DW-Apps und für Gebäudesanierungen gekürzt. Die Einrichtung neuer Auslandspräsenz werde verlangsamt. Auch in Produktion und Vertrieb müssten die Kosten weiter reduziert werden, betonte die DW.

Intendantin Barbara Massing erklärte, die Einsparungen seien "äußerst schmerzhaft": "Sie schwächen unsere Wettbewerbsfähigkeit in einer Zeit, in der eine starke deutsche und europäische Präsenz geopolitisch immer wichtiger wird." Eine nachhaltige Finanzierung für die Zukunft sei entscheidend, damit die DW ihren "journalistischen Auftrag in einem hoch umkämpften globalen Informationsraum erfüllen" könne.

Der Vorsitzende des Rundfunkrats, Karl Jüsten, mahnte, die DW müsse "gerade in eingeschränkten Medienmärkten wie Russland und dem Iran eine starke Stimme der Freiheit bleiben". Dazu brauche sie langfristig eine solide Finanzierung. Als Folge der Kürzungen müsse der Sender mit deutlichen Reichweitenverlusten rechnen.

Langfristige Schäden erwartet

Der Verwaltungsratsvorsitzende, Achim Dercks, erinnerte daran, dass die jetzige Kürzung nur zwei Jahre nach einem bereits umgesetzten 20-Millionen-Sparpaket komme: "Und sie steht im Widerspruch zu der von der Regierung im Koalitionsvertrag angekündigten Stärkung der DW." Ohne Wiederaufstockung der Mittel im Bundeshaushalt 2027 drohten wegen der Kostensteigerungen "in nahezu allen Bereichen langfristige Schäden bei journalistischer Qualität, technischer Infrastruktur und Reichweite".

Ein DW-Sprecher sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Nachfrage, Rundfunkrat, Verwaltungsrat und Geschäftsführung hätten den Kürzungsplan für den Zeitraum 2026 und 2027 beschlossen, die konkrete Umsetzung erfolge nun im nächsten Schritt. Danach richteten sich auch "der Zeitplan für DW Griechisch und die konkreten Auswirkungen auf die Beschäftigten und die freien Mitarbeitenden".

Rechnerisch entspreche die Kürzungssumme dem Abbau von 160 Vollzeitstellen. "Wie sich der Kürzungsplan auf die Beschäftigung auswirkt, hängt aber von der konkreten Umsetzung ab", sagte der Sprecher. Die tatsächliche Zahl der betroffenen Stellen und Personen könne abweichen. "Der Personalabbau erfolgt möglichst sozialverträglich - ohne betriebsbedingte Kündigungen, durch Nicht-Besetzung offener Stellen, strenge Nachbesetzungsprüfungen, natürliche Fluktuation und interne Besetzungen." Für betroffene Mitarbeitende werde es Angebote geben, sich auf andere Stellen innerhalb der DW zu bewerben. Alle Maßnahmen würden in enger Einbindung der Personalräte umgesetzt.

Die DW hatte zum Jahresbeginn 2025 nach eigenen Angaben rund 3.000 Vollzeitstellen (Vollzeitäquivalente). An den Standorten in Bonn und Berlin und den Auslandsbüros weltweit arbeiteten demnach 3.662 Beschäftigte und arbeitnehmerähnliche Freie. Der Sender ist Mitglied der ARD, wird aber aus Steuermitteln des Bundes finanziert.

Ein fatales Signal für den unabhängigen Journalismus und damit auch für die Demokratie

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien, Awet Tesfaiesus, kritisierte die Kürzungen mit deutlichen Worten. Sie seien "ein fatales Signal für den unabhängigen Journalismus und damit auch für die Demokratie", erklärte Tesfaiesus in Berlin. "Es wäre die Aufgabe der Bundesregierung gewesen, der Deutschen Welle den Rücken zu stärken." Stattdessen handele sie entgegen ihrem Koalitionsvertrag.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) bewertete die Kürzungen kritisch. Es sei unverständlich, dass sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer dazu bisher nicht äußere. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster sagte: "Weimer betont oft die Bedeutung des kritischen Journalismus gerade in autokratischen Staaten. Wenn es haushaltspolitisch hart auf hart kommt, hüllt er sich in Schweigen, statt für die DW zu kämpfen." Das sei erklärungsbedürftig.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) erklärte, durch die Sparmaßnahmen würden Qualität und Vielfalt des Programms stark beschnitten. "In einer um Fachkräfte werbenden Welt verliert Deutschland damit international an Wettbewerbsfähigkeit", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen.

nbl



Zuerst veröffentlicht 19.02.2026 13:04 Letzte Änderung: 19.02.2026 14:45

Schlagworte: Medien, Rundfunk, DW, nbl, NEU

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