21.02.2026 10:00
Zweite Staffel von "Oderbruch" in der ARD-Mediathek
epd Das Vampir-Genre altert nicht, das hat es mit seinen Protagonisten gemein. Die Film- und Fernsehgeschichte ist voller blutsaugender Kreaturen, aber dass es die öffentlich-rechtliche ARD jenseits des "kleinen Vampirs" so vehement auf diesem Gebiet versucht, war vor zwei Jahren doch überraschend - auch überraschend erfolgreich, jedenfalls als Streaming-Angebot: Die erste "Oderbruch"-Staffel, eine unterhaltsame Mischung aus Horror, Mystery, Krimi und Familiendrama, erzielte in der Mediathek fast 13 Millionen Abrufe, teilte die ARD mit.
Nicht jeder Serie wünscht man eine zweite Staffel. "Oderbruch" fortzusetzen, lag jedoch nahe, denn die von Karoline Schuch eindrucksvoll gespielte Hauptfigur Maggie Kring wurde erst ganz am Ende der ersten Staffel zur Vampirin. Acht Folgen lang rang sie mit der eigenen, unterdrückten Identität. Um sich und ihren Bruder Kai (Julius Gause) im Kampf gegen ihre mächtigen Vampir-Gegner zu retten, trank sie im finalen Showdown das Blut ihres sterbenden Ex-Geliebten - und entschied sich damit gleichzeitig für ein Leben jenseits menschlicher Maßstäbe. Wie das aussieht, erzählt nun Staffel zwei.
Die zweite Staffel wird nicht mehr auf acht Folgen gestreckt, sondern beschränkt sich auf sechs. "Oderbruch" heißt allerdings nur noch deshalb weiter "Oderbruch", weil man eine Serie schlecht mittendrin umbenennen kann. Stattdessen begibt sich das kreative Trio Adolfo J. Kolmerer, Arend Remmers und Christian Alvart auf einen filmischen Roadtrip, der hauptsächlich in Spanien spielt. Die staubig-flirrende Atmosphäre des Südens verschafft der zweiten Staffel damit einen ganz anderen Look.
Warum der Umzug? Vielleicht um dem düsteren Schauplatz des Klosters "Terra Azul" etwas Helles entgegenzusetzen. Dort herrscht Ion (Marin Feifel) über eine quasi-religiöse Gemeinschaft von Vampiren, die um ihr Überleben bangen, weil es kein weibliches "Starkblut" mehr gibt, das für Nachwuchs sorgen könnte. Die Idee ist so unappetitlich wie Ions blutbefleckter Kittel, in den man Darsteller Feifel gesteckt hat. Die anderen männlichen Vampire laufen in Mönchskutten herum, während die "Zibben" genannten Frauen wie Sklavinnen gehalten werden. Sobald bei Mädchen die Menstruation einsetzt, werden sie "großen Jägern" zur Verfügung gestellt - in der Hoffnung auf geeignete Nachkommenschaft.
Das Kloster-Szenario wirkt ein bisschen wie eine plumpe Variante von "The Handmaid’s Tale". Immerhin wurde Sabin Tambrea für die zweite Staffel gewonnen. Er hat als Ions Sohn Quito, der gegen seinen Vater rebelliert, und als Gegenspieler von Maggie und Kai eine tragende Rolle. Die Besetzung Tambreas ist ein Gewinn: Den Vampir mit der sanften Stimme glaubt man ihm unbedingt. Klasse auch Lucas Gregorowicz, der wieder den polnischen Ermittler Stanislaw Zajak spielt.
Kämpfe und Schießereien gibt es auch, blutige Schockmomente weniger. Die Spannung entsteht mehr noch als in der ersten Staffel durch die inneren und äußeren Konflikte der Hauptfiguren: Die Vampir-Geschwister Maggie und Kai befinden sich auf einem Feldzug gegen die eigene Art, töten andere Vampire, um das Morden unschuldiger Menschen zu beenden. Zwei Killer, die das Gute wollen.
Gleichzeitig werden die Figuren klug weiterentwickelt, denn "Oderbruch" erzählt im Kern von dem Schicksal, der eigenen Identität nicht entkommen zu können. Vampire sind auch hier tragische, einsame Figuren, kraftvoll und krank zugleich, Süchtige, die Blut wie eine Droge brauchen: "Fühlst dich wie ein Gott, aber in Wahrheit bist du ein Monster", sagt Kai.
Und diesmal ist Maggie der labile Junkie, der nicht ohne Menschenblut auskommt. Außerdem verheimlicht sie ihrem Bruder Kai, dass sie eine Tochter hat. Vera (Emily Kusche) weiß von ihrer Herkunft nichts. Sie ist die unschuldige Heldin, die, ohne es zu ahnen, von allen gejagt wird. Denn auf Maggie, dem einzig verbliebenen weiblichen "Starkblut", und ihr ruhen die Hoffnung der ums Überleben kämpfenden Vampirgattung.
Schuch, Gause, Tambrea, Kusche und Gregorowicz spielen sehenswert, aber ausgerechnet im Kloster, dem Zentrum des Vampir-Ordens, geht es eher blutleer als furchterregend zu. Der Showdown im Western-Stil lässt zwar die Annahme zu, dass die zweite Staffel nicht die letzte sein könnte. Zwingend geboten erscheint eine Fortsetzung dieses Mal allerdings nicht.
infobox: "Einsame Monster - Oderbruch", zweite Staffel, sechsteilige Serie, Regie: Adolfo J. Kolmerer, Buch: Arend Remmers, Christian Alvart, Kamera: Christian Huck, Produktionsfirma: Syrreal Entertainment (ARD-Mediathek/SWR/Degeto, seit 20.2.26, ARD, 22.2.26, 22.05-23.45 Uhr und 27.2.26, 23.55-03.15 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 21.02.2026 11:00 Letzte Änderung: 21.02.2026 13:03
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), Internet, KARD, KSWR, Serie, Schuch, Gause, Tambrea, Kusche, Gregorowicz, Gehringer, ema, NEU
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