28.02.2026 05:49
Wien (epd). Die österreichische Digital-Expertin Ingrid Brodnig beobachtet eine Zunahme von digitaler Gewalt gegen Frauen. "Das Spezielle daran ist, dass sie oft abwertender ist. Wir haben allgemein als Gesellschaft gelernt, wie man Frauen fertig macht", sagte die Autorin dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Wien vor dem Weltfrauentages am 8. März. Brodnig forscht seit Jahren zu Hass im Netz. Kürzlich ist ihr Buch "Feindbild Frau" erschienen, das sich mit Internet-Hass gegen Frauen beschäftigt. Zum Internationalen Frauentag gehen Frauen weltweit für ihre Rechte auf die Straße.
"Tendenziell sind es eher Männer, die online aggressiv posten. In einzelnen Studien fiel auch auf, dass bei rechtsgerichteten Personen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sie mit Beleidigungen auffallen", sagte Brodnig. Dennoch seien auch rechte und rechtsextreme Politikerinnen oft Zielscheibe von sexistischen Kommentaren, weil auch sie anhand ihres Frauseins abgewertet würden.
Jede Person könne das Pech haben, im Internet bedroht zu werden, sagte Brodnig. Die digitale Gewalt, die Frauen erfahren, sei jedoch "grausamer". Eine Studie habe politisch engagierte Menschen nach ihren Erfahrungen zum Hass im Netz befragt: Demnach hätte fast ein Viertel der befragten Frauen im Internet sexuelle Bedrohungen erlebt, bei Männern seien es lediglich drei Prozent gewesen, erläuterte die Expertin.
Spezifisch sexistische Bedrohungen könnten Abwertungen des Körpers oder des Aussehens sein, Vergewaltigungsandrohungen oder etwa Beleidigungen von Familienmitgliedern. "Diese Art von Beleidigungen trifft die Intimsphäre und ist extrem demütigend", sagte Brodnig.
Oft folge daraus, dass sich Frauen aus öffentlichen Kommentarspalten zurückzögen oder, wenn sie in der Öffentlichkeit stünden, wie Politikerinnen oder Journalistinnen, in der Konsequenz "leiser treten" und ihre Sichtbarkeit einschränkten. "Es spielt dabei nicht nur die Qualität der Aussagen eine Rolle, sondern die Quantität - ich nenne das die 'Rhetorik der 1.000 Nadelstiche'."
Brodnig appellierte an die Mitte der Gesellschaft, Frauen mit den Bedrohungen im Netz nicht alleine zu lassen: "Wir alle können ein Korrektiv zum Hass sein", sagte sie. Dazu sei es wichtig, den bedrohten Frauen zu vermitteln, dass das, was sie erlebten, falsch sei und sie dies nicht alleine ertragen müssten.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
ema
Zuerst veröffentlicht 28.02.2026 06:49
Schlagworte: Medien, Internet, Frauen, Diskriminierung
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