Verzweiflungstat - epd medien

28.02.2026 09:40

Das ZDF zeigt schon wieder einen neuen Krimi am Samstag. Im "Garmisch-Krimi - Wolfsmord" ermittelt Lavinia Wilson als ehemalige Polizistin Ira Zach, doch das Drehbuch funktioniert nicht, meint Heike Hupertz.

Im "Garmisch-Krimi: Wolfsmord" ermittelt Lavinia Wilson

Ermittlerin Daphne Meindl (Philine Schmölzer, rechts) bittet ihre Vorgängerin Ira Zach (Lavinia Wilson) um Unterstützung

epd Die Nachfolgerin im Polizistenjob ist sauer: "Du machst einfach, was du willst." Die Tochter will zum Vater ziehen, der neue Chef im Baumarkt hat allen Grund, sie gleich wieder rauszuschmeißen: Wo immer Ira Zach (Lavinia Wilson) auftaucht, eckt sie an. Dabei, und das scheint das einzige Wunder in diesem höchst voraussehbaren, spannungsarmen neuen "Garmisch-Krimi" des ZDF zu sein, haben alle unterschwellig ein Faible für die eigenwillige Frau, sie kommt mit fast allem durch. Kopfschütteln, aber Sympathiebonus für Ex-Polizistin Ira Zach: Das soll sich in der Auftaktfolge auch aufs Publikum übertragen. Funktioniert es? Nein.

Durch diese Krimi-Premiere scheint Verzweiflung durch. Verzweiflung, der von Norden nach Süden, von West bis Ost abgegrasten deutschen Krimilandschaft noch zusätzliche regionale Aspekte abzugewinnen. Motive, die nicht schon tausendundeinmal abgefilmt worden sind, zu finden. Heimatkrimis, von Drehbuchautoren auch "Postkartenkrimis" genannt, gibt es vieldutzendfach im deutschen Fernsehen. In Garmisch ermittelten schon die "Garmisch-Cops", ebenfalls von Bavaria Fiction produziert, ebenfalls für das ZDF.

Von Outlaw zu Outlaw

Jetzt steht die "kratzbürstige" Ira in Garmisch im Stau, weil es kein Geld für den dringend notwendigen Tunnel gibt. Alles wird für die Kunstschneeproduktion herausgeblasen, grantelt sie vor sich hin. Beim "Garmisch-Krimi" scheint man sich nicht einig geworden zu sein, welche Krimi-Farbe man eigentlich bedienen möchte. Das Landschaftsporträt? Die Dorfermittlung mit Bauerntheater? Die Sonderling-Variante oder doch lieber den Schmunzelkrimi?

Beholfen hat man sich mit der Motivklammer des Wolfes, ein Motiv, dem man inzwischen schon ein eigenes Krimi-Subgenre widmen könnte. Im "Garmisch-Krimi" ist es eine Wölfin, die durch den Wald streift und Außenseiterin Ira einmal ganz tief ins Auge blickt. Die schaut zurück. Von Outlaw zu Outlaw - das reicht nicht für ein gutes Drehbuch.

Lavinia Wilsons Figur Ira ist zu Beginn des Films seit Kurzem Baumarktmitarbeiterin und Kundenschreck. Einer Kundin, die Kois erwerben will, versucht sie, vom Chef beargwöhnt, die Anschaffung auszureden. Kois seien die "SUVs unter den Zierfischen", sowas wie der "Mops mit Schuppen", voller Antibiotika, viel zu teuer und stürben innerhalb von drei Wochen. Dabei dachte die Kundin, sie lebten 30 Jahre. Besser schlägt sich Ira im Lager beim Gabelstaplerfahren, denn da hat sie keinen Kontakt mit Menschen, fährt aber Sachen um, statt sie zu transportieren.

Notorische Alleingänge

Leider stimmt an dieser fiktiven Charakterfrau wenig. Sie ist keine wirkliche Menschenfeindin, wie sich zeigt, soll sich aber andererseits nur beim Fliegenfischen, Dosenbiertrinken, Hank Williams Hören ("Ramblin' Man") und Unordentlichsein ganz bei sich selbst fühlen. Ungeschminkt, im langen Ledermantel und mit Sonnenbrille erinnert sie an Neo (Keanu Reeves) in den Matrix-Filmen. Sie fährt einen alten Pickup, dessen Macken sie bei Bedarf mit auseinandergebogenen Büroklammern überbrückt, scheint sich um nichts zu scheren, sorgt sich aber wie eine Glucke um ihre Tochter Pippa (Sophie Borchhardt), die als Natur- und Wolfsschützerin ihrerseits immer militanter wird. Bei den Ex-Kollegen der Polizei waren Iras Alleingänge notorisch, das Drehbuch sieht für sie nun vor, der haarsträubende Teil eines Ermittlerinnen-Duos zu werden.

Als ihre Nachfolgerin bei der Polizei, Daphne Meindl (Philine Schmölzer), Iras Hilfe anfragt, ist die personifizierte Eigenwilligkeit schon längst auf der Spur. Daphne, auch eine unglaubwürdige Charakterzeichnung, soll das Gegenteil zu Ira verkörpern. Regeltreu, äußerlich angepasst, in sanften Pastellfarben, wo man bei der anderen Schwarz sieht, und häufig bewaffnet mit einem rosafarbenen Stanley-Cup mit Glitzerkätzchenmotiv.

Großangelegte Schweinerei

Natürlich, das wird sich im Lauf der Wolfs- und Mörderjagd zeigen, ist das alles bloß Fassade. Daphne zeigt den Männern genau wie Ira, wo der Hammer hängt. Die eigentliche Handlung lockt keinen Jäger hinter dem Ofen hervor. Dem lokalen Leiter eines Umwelt- und Naturschutzbundes (Ben Münchow) wird zuerst ein abgetrennter Wolfskopf per Post zugeschickt, dann wird er in seinem Haus überfallen und ermordet. Er starb aber nicht an den Stichverletzungen, sondern wurde vor der Tür zusätzlich vom Auto überrollt. Warum so kompliziert?

Die männlichen Polizisten, darunter Iras Ex-Chef (Harald Windisch) haben es bald auf einen alten Schäfer abgesehen, der natürlich harmlos ist. Ira kommt einer großangelegten Schweinerei auf die Spur, Daphne assistiert. Ein feister Wiesnwirt (Michael A. Grimm) der rund um Garmisch eine Jagd besitzt, schmiedet anscheinend mit dem Landrat (Gerhard Wittmann) ein Komplott, das den Bauern Wolfsabschüsse gestatten würde und gleichzeitig den Bau von Luxushotels im Naturschutzgebiet. Gleichmütig erträgt die Wölfin die zusammengeschusterte Geschichte und streift durchs Gelände.

Die Wolfsszenen, die eine beruhigende Tierdoku-Anmutung haben, gehören zum Interessantesten dieses "Garmisch-Krimis". Man muss schon ein gehöriges Maß an Selbstdisziplin haben, um bis zur aus dem Nichts kommenden Auflösung der Geschichte durchzuhalten.

infobox: "Der Garmisch-Krimi - Wolfsmord", Regie: Saralisa Volm, Buch: Leona Stahlmann, Niklas Hoffmann, Kamera: Roland Stuprich, Produktion: Bavaria Fiction, Satel Film (ZDF-Mediathek/Servus TV, seit 21.2.26, ZDF, 28.2.26, 20.15-21.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 28.02.2026 10:40

Heike Hupertz

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Volm, Stahlmann, Hoffmann, Krimi, Hupertz

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