Untergründiges Unwohlsein - epd medien

03.03.2026 15:35

Ältere Frau trifft älteren Mann im Luxushotel und kümmert sich fortan um ihn. Eine Schmonzette? Keinesfalls, denn der ZDF-Film "In fremden Händen" steigert in klassischer Thriller-Manier genüsslich das Grauen, findet Peter Luley.

ZDF-Thriller "In fremden Händen"

Karola (Désirée Nosbusch) hat sich im Haus des Witwers Wolfgang eingenistet

epd Wer wollte da nicht "It’s a match!" ausrufen? Ein allein reisender älterer Herr und eine ohne Begleitung urlaubende nicht mehr ganz junge Dame werden im Restaurant eines Luxushotels an benachbarten Tischen platziert. Bei der Bestellung kommen sie ins Gespräch, sie empfiehlt ihm den Barolo. Als Ex-Unternehmer Wolfgang (Robert Hunger-Bühler) daraufhin vorschlägt, doch an einem Tisch zu sitzen, antwortet Karola (Désirée Nosbusch) nonchalant: "Zu Ihnen oder zu mir?"

Die groben Eckdaten ihrer Biografien sind schnell ausgetauscht: Der wohlhabende Witwer Anfang 70, der sein Geld mit Geschwindigkeitssensoren für Flugzeuge gemacht hat, wohnt am Starnberger See; die ebenfalls verwitwete Internistin im Ruhestand direkt in München. Er hat zwei erwachsene Töchter, bei ihr ist aus dem Kinderwunsch "leider nichts geworden". Am nächsten Tag sind die beiden per du und brechen zur gemeinsamen Bergwanderung auf.

Wissensvorsprung für Zuschauer

Allerdings ist das nicht die ganze Wahrheit über den Beginn von "In fremden Händen". Autor und Regisseur Christian Bach hat dem Zuschauer einen kleinen Wissensvorsprung verschafft. In der Pre-Title-Sequenz war zu sehen, wie Karola bei der Ankunft vor ihrem Apartmenthaus von einem Mann abgepasst wurde und sich nur knapp in ihre Wohnung retten konnte. Der Hintergrund dieser Begebenheit bleibt bis kurz vor dem Ende unklar - sie könnte etwa ein Stalking-Opfer sein.

Aber allein der Umstand, dass offenbar nicht alles in ihrem Leben so souverän und sorglos abläuft, wie sie sich Wolfgang gegenüber gibt, lässt Misstrauen keimen. Ist es Zufall, dass Wolfgang bei der Wanderung just auf der von ihr vorgeschlagenen steilen Abkürzungsroute stürzt? Ist seine Parkinson-Erkrankung schuld? Karola jedenfalls kümmert sich rührend, informiert die Töchter und bietet an, die Reha nach der Knie-OP zu begleiten.

Steigerung des Grauens

Mit den Schwestern Jana (Picco von Groote) und Verena (Bettina Burchard), die beim Besuch in Starnberg staunen, wie selbstverständlich die neue Frau an ihres Vaters Seite bereits auftritt ("Bis morgen, Wolfi!"), bekommt das untergründige Unwohlsein des Betrachters zwei Repräsentantinnen in der Handlung. Insbesondere Jana, zugleich Mutter von Wolfgangs einziger Enkelin, zweifelt an der glücklichen Zweisamkeit. Während dem Zuschauer spätestens nach einem neuerlichen von Karola induzierten (Treppen-)Sturz Wolfgangs klar ist, dass die scheinbar aufopferungsvolle Pflegerin nichts Gutes im Schilde führt, erwächst die Spannung aus der Frage, ob Jana und Verena rechtzeitig dahinterkommen. Vom Senior selbst, der sich aus seiner Einsamkeit erlöst wähnt, ist das kaum mehr zu erwarten.

In klassischer Thriller-Manier steigert "In fremden Händen" nun genüsslich das Grauen. Karola Bussard, wie ihr sprechender Nachname lautet, erweist sich als Meisterin der Manipulation. "Kann es sein, dass Jana etwas gegen mich hat?", raunt sie Wolfgang zu. Parallel verändert sie seine Medikation und schickt Jana auf Social Media eine Freundschaftsanfrage. Als Jana offen ihre Vita in Zweifel zieht, weil sie im Netz nichts über die vorgebliche Ärztin finden konnte, hat Karola dafür eine Erklärung parat - gibt sich aber so gekränkt ob der Verdächtigung, dass es zum Bruch zwischen Wolfgang und Jana kommt.

Zum Frösteln gut

Dass der Horror funktioniert, liegt zum einen an der Qualität des Drehbuchs, das sich traut, auch Dinge unausgesprochen zu lassen. Wenn Wolfgang Karola seiner Liebe versichert und vorschlägt, "quick and dirty" zu heiraten, erwidert diese knapp: "Nein, da gibt es was viel Besseres." Worum es sich handelt, wird schon früh genug deutlich werden.

Zum anderen hängt die Wirkung mit der Hauptdarstellerin zusammen. Für Désirée Nosbusch fügt sich die Rolle ein in ihr bemerkenswertes Spätwerk seit der Finanztrickser-Saga "Bad Banks" (2018). Die skrupellose Schurkin verkörpert sie auch hier zum Frösteln gut.

infobox: "In fremden Händen", Thriller, Buch und Regie: Christian Bach, Kamera: Armin Dierolf, Produktion: Olga Film (ZDF-Mediathek, seit 21.2.26; ZDF, 2.3.26, 20.15-21.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 03.03.2026 16:35

Peter Luley

Schlagworte: Medien, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Luley, Christian Bach

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