05.03.2026 09:10
Trump-Doku von Thilo Mischke auf ProSieben
epd Während der ersten Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident lag es nahe, deutschen Zuschauern und Lesern seine Vergangenheit als Moderator der Reality-TV-Show "The Apprentice" vor Augen zu führen - um so zumindest Erklärungsansätze für seine Politik und seinen Erfolg zu liefern. Dass ProSieben einen Film aus der Reportage-Reihe "Thilo Mischke" über die besorgniserregende Entwicklung der USA im ersten Jahr von Trumps zweiter Amtszeit "Trump - The greatest Realityshow" nennt, ist dagegen völlig unangemessen.
Immerhin bringt der Titel den grundfalschen Ansatz des Films auf den Punkt: Mischke tut durchgängig so, als rede er über ein Unterhaltungsformat - und verharmlost mit launigen Formulierungen den Umbau der USA in einen autoritären Staat. Die zweite Amtszeit bezeichnet er als "zweite Staffel" oder "zweite Season" - und Stephen Bannon, Trumps früheren Berater, als "so was wie den Headautor der ersten Staffel". Um das "Project 2025", den 2023 veröffentlichten Masterplan Trump-naher Autoren für den Umbau des Staates, im Film unterbringen zu können, lässt sich Mischke folgende Formulierung einfallen: "Das inoffizielle Drehbuch wurde schon früh gespoilert".
Weitere Formulierungen zu Trump lauten: "Trifft die zweite Staffel den Geschmack seiner Fans, seiner Wähler?" - "Eine eigene Episode widmet er dem Kampf gegen alles, was in seinen Augen woke ist." -"Falschbehauptungen sind Teil des Show-Konzepts." Das klingt nach einer allzu ausführlichen Aufzählung, tatsächlich ist es aber nur eine kleine Auswahl an lächerlichen Einfällen.
Mischke ist an "Trump - The greatest Realityshow" vierfach beteiligt: Er ist Inhaber der Firma, die den Film produziert hat, war als Executive Producer involviert, ist als Presenter fast immer im Bild - und schließlich ist er auch noch als eine Art Comedy-Akteur im Einsatz. In einem nachgebauten Oval Office agiert Mischke als Trump - in dessen typischem Outfit mit blauem Anzug und roter Krawatte.
Keine dieser Szenen entfaltet auch nur ansatzweise Witz. Zu sehen ist, wie Mischke als Trump mit Füßen auf dem Schreibtisch telefoniert - eine typische Macho-Attitüde. Betrachtet man jedoch Trumps körperliche Konstitution bei öffentlichen Auftritten, ist es wenig wahrscheinlich, dass er in der Lage ist, seine Beine auf einen Schreibtisch zu hieven.
Ohnehin ist das Bild, das diese Reportage von Trump zeichnet, irreführend. Er wird hier beschrieben als starker Mann, der das Heft des Handelns in der Hand hält - obwohl seine monotonen, teilweise unverständlichen Reden und seine manchmal sinnfreien Social-Media-Beiträge einen anderen Eindruck erwecken. Die vermutlich tatsächlichen Entscheider - sein wichtigster Berater Stephen Miller, Vizepräsident J.D. Vance - kommen nur am Rande vor.
Bei Dreharbeiten in New York hat Mischke eine Art Co-Presenter dabei: Thomas Hayo. Mischke führt ihn ein als jemand, "der in den USA und Deutschland zu Hause ist". An Personen, auf die die Beschreibung zutrifft, mangelt es nun keineswegs, aber was ausgerechnet Hayo dazu befähigt, sich zur politischen Lage in den USA zu äußern, bleibt schleierhaft. Wahrscheinlich taucht er in dieser Pro-Sieben-Reportage deshalb auf, weil er ein Sendergesicht ist. Hayo ist regelmäßig Gast-Juror bei "Germany’s Next Top Model" und auch aus den Shows "Joko & Klaas gegen Pro Sieben" und "The Masked Singer" bekannt.
Andere Reportage-Elemente sind teilweise durchaus informativ. In Los Angeles begleitet Mischke Bürger, die Agenten der staatlichen Terrormiliz ICE aufspüren, um die gefährdete Bevölkerung zu warnen. Und er spricht mit einer Lehrerin, die berichtet, wie ihre Kollegen und sie Schüler und deren Eltern vor ICE-Übergriffen zu schützen versuchen.
Aufschlussreich sind auch Begegnungen mit einer Aktivistin aus Florida, die Mischke zunächst im April 2025 im Rahmen der ersten großen landesweiten Anti-Trump-Demos trifft und dann im Oktober erneut. Beim ersten Treffen wirkt sie noch kämpferisch und optimistisch, jetzt ist sie "erschöpft" und hat Angst vor Angriffen auf ihr Haus und einer drohenden Verhaftung. "Ich hoffe, dass ich meine Kinder aufwachsen sehen kann", sagt sie.
Diese stärkeren Passagen wiegen aber keineswegs die Schwächen auf. Ein Film mit einer derart problematischen Grundkonzeption scheitert zwangsläufig auch als Gesamtwerk.
infobox: "Trump - The greatest Realityshow", Dokumentation, Regie und Buch: Kosei Takasaki, Kamera: Florian Baumgarten, Maja Dybuk, Svetlana Hofmann, Kosei Takasaki, Michael Terhorst, Produktion: PQP/P2 (ProSieben, 2.3.26, 20.15-22.20 Uhr und auf Joyn)
Zuerst veröffentlicht 05.03.2026 10:10
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KProSieben, Martens
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