06.03.2026 13:15
Berlin (epd). Der Medienkonzern Axel Springer will das britische Presse-Unternehmen Telegraph Media Group übernehmen. Mit dem Eigentümer RedBird IMI sei ein Kaufpreis von 575 Millionen Britischen Pfund (663 Millionen Euro) vereinbart worden, teilte Springer am Freitag in Berlin mit. Die Transaktion werde nun mit dem britischen Kulturministerium und anderen Beteiligten weiter erörtert. Zur Telegraph Media Group gehören unter die renommierten Zeitungstitel "The Daily Telegraph" und "The Sunday Telegraph".
Wie die britische Tageszeitung "Guardian" am Freitag berichtete, stach Springer mit seinem Gebot den britischen Konzern Daily Mail & General Trust aus, der die in London ansässige Telegraph-Gruppe ebenfalls übernehmen wollte. Das Gebot des Unternehmens, das die Tabloid-Zeitung "Daily Mail" herausgibt, lag demnach bei 500 Millionen Pfund.
Die Investmentgruppe RedBird IMI, die den "Telegraph" 2023 von der Barclay-Familie übernommen hatte, musste die Zeitung wieder zum Verkauf stellen, weil Großbritannien neue Regeln gegen staatliche Beteiligungen an Zeitungen eingeführt hatte. An RedBird IMI ist das staatsnahe Unternehmen International Media Investments aus Abu Dhabi beteiligt.
Springer gibt in Deutschland unter anderem die Tageszeitungen "Bild" und "Welt" heraus. Der Konzern erklärte, der Zukauf in Großbritannien eröffne aus Sicht beider Parteien große Chancen. Er bewahre die Integrität einer traditionsreichen Medienmarke und schaffe zugleich eine "starke Basis für Wachstum und Expansion in weitere geografische Märkte". Springer-CEO Mathias Döpfner sagte, man habe vor 20 Jahren erfolglos versucht, die Telegraph-Gruppe zu erwerben: "Nun wird unser Traum wahr."
Döpfner betonte, Springer wolle den "Telegraph" zum meistgelesenen bürgerlich-konservativen Medium der englischsprachigen Welt machen. Der "Telegraph" stehe "für Freiheit, persönliche Verantwortung, demokratische Werte und den Glauben an offene Gesellschaften und marktwirtschaftliche Prinzipien". Diese Essentials seien keine Einschränkung von redaktioneller Unabhängigkeit. Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit den von Chris Evans und Allister Heath geführten Redaktionsteams sowie dem Managementteam unter der Leitung von Anna Jones.
Springer kündigte zudem an, die Expansion der Telegraph-Gruppe in den US-Markt gezielt voranzutreiben und dabei die Expertise seiner Marken "Politico" und "Business Insider" zu nutzen. Seit dem Ausstieg der Beteiligungsgesellschaften KKR und CPP Investments Anfang 2025 befindet sich Axel Springer wieder in Familienbesitz. Man sei fortan ein "auf digitalen Journalismus fokussiertes transatlantisches Medienunternehmen", hieß es damals.
Der bisherige "Telegraph"-Eigentümer RedBird IMI erklärte laut Mitteilung, angesichts der Stärke seines kommerziellen Angebots sei der Springer-Konzern gut positioniert, um die britische Publikation in ihr nächstes Kapitel zu führen. Das Team arbeite eng mit der britischen Regierung zusammen, um die erforderlichen Genehmigungen für den Abschluss der Transaktion zu erhalten. Die Parteien seien davon überzeugt, dass die Transaktion im Einklang mit den britischen Regeln zum Einfluss ausländischer Investoren stehe.
Die Telegraph-Gruppe wurde 1855 von Arthur B. Sleigh gegründet. Sie beansprucht für sich die Qualitäts-Marktführerschaft im Nachrichtenbereich in Großbritannien. Die gedruckten und online publizierten Angebote haben nach Unternehmensangaben etwa 720.000 Abonnenten.
rid
Zuerst veröffentlicht 06.03.2026 14:15 Letzte Änderung: 06.03.2026 15:45
Schlagworte: Medien, Presse, NEU
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