Glücklich ohne Geld - epd medien

10.03.2026 08:45

Wird es dem ehemaligen Tierpfleger Günther und dem früheren Herrenbekleidungsverkäufer Wolfgang, gespielt von Armin Rohde und Ludger Pistor, diesmal gelingen, reich zu werden? In "Das Millionenschnitzel" träumen sie mal wieder vom ganz großen Geld.

ARD-Ruhrpott-Komödie "Das Millionenschnitzel"

Wolfgang (Ludger Pistor, links) und Günther (Armin Rohde) wollen mit ihrer Geschäftsidee in der TV-Show "Arena" groß rauskommen

epd 6,20 Euro: Sogar Günthers geliebte Currywurst an der Bude hat inzwischen einen stolzen Preis, die allgemeine Teuerung lässt grüßen. Und seit Günther und sein bester Kumpel Wolfgang in der letzten Folge der "Schnitzel"-Reihe ("Das Weihnachtsschnitzel", 2022) ihr Schnitzellokal geschlossen haben, ist die Lage der beiden wieder so, wie zu Beginn jedes Schnitzel-Films: das Geld ist knapp und die Minijobsuche erfolglos.

Nach nunmehr 15 Jahren und sechs Filmen, unzähligen Schnitzeln und etlichen Versuchen, endlich zu etwas Geld zu kommen, haben der ehemalige Tierpfleger Günther (Armin Rohde) und frühere Herrenbekleidungsverkäufer Wolfgang (Ludger Pistor), die beiden Stehaufmännchen aus dem Ruhrpott, das Träumen zwar immer noch nicht ganz aufgegeben. Doch inzwischen sind beide Rentner und die Aussicht, doch noch zu etwas Wohlstand zu kommen, eher gering.

Produkt einer Samenspende

Allerdings geistert da noch eine Geschäftsidee in Günthers Kopf (Motto: "Du musst groß denken!") herum, nämlich, die Panade ihres legendären Schnitzels als Fertigprodukt zu vermarkten. Doch Wolfgang hat gerade ganz andere Probleme: Erstens scheut er sich, seiner Frau Karin zu beichten, dass es mit dem erhofften Minijob-Zuverdienst nicht geklappt hat, was ihr wiederum ermöglicht hätte, endlich nur noch Teilzeit zu arbeiten. Zweitens verfolgt ihn auch noch eine fünfzehnjährige Göre, die sich als seine Tochter Ta vorstellt, Produkt einer Samenspende Wolfgangs vor langer Zeit. Ta (Purnima Grätz) erpresst Wolfgang, weil sie selbst Probleme hat. Um Wolfgangs Ehe zu schützen, springt Günther mit einer Notlüge ein und gibt sich als Tas leiblicher Vater aus.

Dafür lässt Wolfgang sich auf Günthers Idee ein, die Wunder-Panade groß rauszubringen. Eine beliebte TV-Show namens "Arena" soll den erhofften Durchbruch samt Geldsegen bringen: Dabei entscheiden drei Juroren, die wie Römer kostümiert sind, welche Geschäftsidee der Kandidaten sie fördern wollen - die "Höhle der Löwen" lässt grüßen. Mit dem geschmeidig-erfolgreichen Moderator und Chef-Juror Konnowski (Stephan Luca) hat Günther allerdings noch eine alte Rechnung offen ...

Unterprivilegierte in der Arena

Eine hübsche Idee, den Turbokapitalismus, in dem die beiden sich zu behaupten versuchen, diesmal als pseudo-römisches TV-Format zu verpacken, in dem die Unterprivilegierten in der Arena gegeneinander antreten müssen. Medienkritik inklusive. Doch vor dem ersehnten TV-Auftritt müssen allerlei Hürden überwunden werden: Anmeldefristen, das Patentamt, chemische Formeln (die Haltbarkeit der Panade!), und dann ist da noch Tas fiese Chemielehrerin Frau Dr. Bocholt (großartig: Inga Busch), die nicht nur Ta auf dem Kieker hat, sondern eine Misanthropin par excellence ist.

Auch dieser sechste "Schnitzel"-Film folgt dem inzwischen vertrauten Serienmuster: Das finanzielle Glück rückt in greifbare Nähe - bis dann doch wieder widrige Umstände, vor allem aber das große Herz, das soziale Gewissen und der unbedingte Gerechtigkeitssinn der beiden gegensätzlichen Freunde für ein glückliches (aber geldloses) Ende sorgen.

Hervorragende Besetzung

Das Drehbuch schlägt einige geschickte Haken, die die Spannung aufrechterhalten, neue Personen wie Ta und Frau Bocholt sorgen für frischen Wind und sind hervorragend besetzt. Doch auch alte Bekannte trifft man wieder - etwa Frau Gottschalk (Ramona Kunze-Libnow), die sich inzwischen von der strengen Jobcenter-Beraterin zur milde-mütterlichen Ehrenamtlerin gewandelt hat. Und natürlich: Therese Hämer als Kummer gewohnte Ehefrau Karin, die weiß, was los ist, wenn Göttergatte Wolfgang mit einem Strauß roter Rosen auftaucht: "Blumen? Haste was zu gestehen?"

Fein verflochten mit der aktuellen Handlung sind die zwischenmenschlichen, familiären Beziehungen und die Facetten und Eigenheiten der Charaktere. Regisseur Murnberger vertraut zu Recht dem spielenden Ensemble mit den Meistern der Situationskomik Rohde/Pistor. Er inszeniert mit viel Liebe zu den Figuren, mit gutem Tempo und viel Gespür für die Zwischentöne, setzt eher auf feinen Dialogwitz als auf brachiale Pointen.

Keine Frage, die Sympathie gehört unbedingt diesen "kleinen Leuten", sie sind am Ende dieser Ruhrpott-Sozialkomödie die eigentlichen Gewinner - nur eben leider nicht pekuniär. In diesem Punkt bleibt sich die Serie treu. Auch mit der sechsten Folge ist den Machern wieder ein solides, kurzweiliges und unterhaltsames Stück gelungen. Ein richtig gutes Schnitzel geht eben immer wieder.

infobox: "Das Millionenschnitzel", Komödie, Regie: Wolfgang Murnberger, Buch: Gabriele Graf, Katja Kittendorf, Kamera: Peter von Haller, Daniel Eberhard, Produktion: Bavaria Fiction (ARD-Mediathek/WDR/Degeto, seit 26.2.26; ARD, 27.2.26, 20.15-21.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 10.03.2026 09:45

Ulrike Steglich

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KWDR, Murnberger, Graf, Kittendorf, Steglich

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