11.03.2026 09:10
ARD-Fernsehfilm "Makellos" mit Adele Neuhauser
epd Makellos ist die Ehe von Constanze - genannt Conny, Generation 60plus - nicht. Die Münchner Trachtenfabrikantin fühlt sich vom Ehemann nicht mehr gesehen, Sex gibt es auch nicht mehr. Was Conny zum Unglück gerade noch gefehlt hat, ist eine falsche Natter als beste Freundin. Dass Karin (Caroline Frank) so eine ist, wird dem Zuschauer - männlich, weiblich, divers - recht schnell, Conny aber erst recht spät klar.
Und was rät die Schlange, die ein Verhältnis mit Conny biederem Gatten (spielfreudig mit Dialekt: Ulrich Noethen) hat? Probier's doch mal mit einem Callboy im Hotel. So verschafft sich Karin Material, um Conny zu erpressen, aus der gemeinsamen Firma der Eheleute zu drängen und Connys Mann ganz für sich zu gewinnen.
Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten: Conny und ihr Callboy (Manuel Rubey als Ricardo), die sich angefreundet haben, machen der tückischen Karin und Connys fadem Ehemann, der sich zwischen den beiden Frauen nie so recht entscheiden mochte, einen Strich durch die Rechnung.
Was ihm wahren Leben leider so selten gelingt - es den Heimtückischen mal so richtig heimzuzahlen -, wird hier genüsslich ausgespielt. Da macht das Zuschauen Spaß. Für diesen Spaß muss man hier aber leider sehr lang, nämlich bis ganz zum Schluss, warten. Bis dahin gilt es, mit viel Geduld einer sehr - und zwar wirklich sehr - vorhersehbaren Handlung zu folgen.
Diese Vorhersehbarkeit macht auch die besondere schauspielerische Begabung von Adele Neuhauser nicht wett. Also freut man sich eher abstrakt als konkret daran, dass mit diesem Film tüchtig gegen (einstige) Tabus angearbeitet wird: Auch eine Frau über 60 kann Sex vermissen. Und man kann Sexszenen mit Frauen über 60 sogar im Primetime-Fernsehen zeigen (wenn auch eher unter der Bettdecke).
Dass es letztlich keine so gute Idee war, es den Männern gleichzutun und sich körperliche Nähe zu kaufen und Zuneigung und Begehren gegen Geld vormachen zu lassen, schwant Conny schon beim ersten Versuch. Aber die schlechte Idee stammte ja auch von der bösen Karin.
Zwischen Conny und Callboy Ricardo, ihrem zweiten Versuch, entwickelt sich schnell echte Zuneigung. Zum Glück wird in diesem Film keine kitschige und unwahrscheinliche Lovestory daraus. Vielmehr nutzt Conny den durch die Beziehung zum Lohn-Lover neu gewonnenen Schwung, um künftig unbemannt und selbstständig durchs Leben zu gehen und zu ihrer eigentlichen Form aufzulaufen: Höchstwahrscheinlich wird das von ihr erfundene Wegwerf-Dirndl "to go" für Wiesn-Touristen ein Verkaufsschlager und mal eben die unter der Leitung des lahmen Gatten ins Trudeln geratene Traditionsfirma retten.
infobox: "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks", Fernsehfilm, Regie: Dirk Kummer, Buch: Uli Brée, Kamera: Joe Berger, Alexander Püringer, Produktion: Bavaria Fiction (ARD-Mediathek/BR/ORF, seit 25.2.26, ARD, 11.3.26, 20.15-21.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 11.03.2026 10:10
Schlagworte: Medien, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KARD, Kaiser, kai, Makellos
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