ZDF-Intendant verteidigt Abberufung von Korrespondentin - epd medien

13.03.2026 09:47

In der Debatte um ein nicht gekennzeichnetes Fake-Video im "Heute Journal" will die ZDF-Spitze verhindern, dass sich derartige Vorfälle wiederholen. Vor dem Fernsehrat stellten Intendant und Chefredakteurin die geplanten Maßnahmen vor.

Gebäude des ZDF in Mainz

Mainz (epd). In der Affäre um die Verwendung eines mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz generierten Fake-Videos hat ZDF-Intendant Norbert Himmler die Abberufung der New Yorker Studioleiterin Nicola Albrecht verteidigt. Dies sei "ein harter, aber meiner Meinung nach an dieser Stelle sehr notwendiger Schritt" gewesen, sagte er am Freitag vor dem Fernsehrat des Senders. Weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen würden geprüft. Zugleich kündigte der Sender weitreichende Maßnahmen an, um derartige Vorfälle künftig zu verhindern.

Der Beitrag von Albrecht war im "Heute Journal" vom 15. Februar gesendet worden. Intendant Himmler räumte bei der Fernsehratssitzung in Mainz Fehler beim anfänglichen Umgang mit der Kritik an dem Beitrag ein. Die Tragweite des Geschehens sei nicht schnell genug erkannt worden, sagte er: "Das war eine Missachtung unserer Regeln und unserer Standards."

Abnahmeprozesse sollen überprüft werden

Chefredakteurin Bettina Schausten stellte bei der Sitzung einen Maßnahmenkatalog vor, mit dem der Sender auf den Fall reagieren will. Das ZDF werde sich noch stärker auf die Nutzung von Eigenmaterial konzentrieren und die Herkunft aller Videosequenzen klar dokumentieren. Abnahmeprozesse sollen überprüft werden. Um gefälschte Videos besser zu erkennen, seien verpflichtende "Intensivschulungen" vorgesehen, sagte Schausten. Laut dem vom ZDF veröffentlichten Maßnahmenkatalog soll auch die Fehlerkultur im ZDF gestärkt werden, indem "Fehler transparent benannt, konsequent aufgearbeitet und korrigiert werden".

Anlass der Debatte war ein Bericht über die US-Einwanderungsbehörde ICE, in dem KI-generierte Aufnahmen von einer Festnahme verwendet worden war. Außerdem wurde älteres Archivmaterial verwendet, das in keinem Zusammenhang mit den ICE-Einsätzen stand. Der Fehler war bei der Abnahme in der Redaktion des "Heute Journals" nicht aufgefallen. Albrecht wurde am 20. Februar als Korrespondentin abberufen.

Kritik an "Wagenburgmentalität"

Nach Kritik am Krisenmanagement des ZDF erklärte Schausten, es müsse klar sein, dass die Arbeit an einer Sendung nach der Ausstrahlung nicht beendet sei. "Wir müssen Fehlerhinweise im Netz besser scannen, mögliche Hinweise auf Fehler besser wahrnehmen", sagte sie.

Im Fernsehrat wurde am Freitag Kritik an einer "Wagenburgmentalität" des Senders laut. Der Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei Nathanael Liminski (CDU) warnte, es dürfe nicht der Eindruck entstehen, beim ZDF sei "Qualität nicht so wichtig, wenn die Botschaft stimmt".

lmw



Zuerst veröffentlicht 13.03.2026 10:47 Letzte Änderung: 13.03.2026 11:05

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Personalien, NEU

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