14.03.2026 09:15
Mysterythriller "Das dunkle Vermächtnis"
epd Die Himmelsscheibe von Nebra, eine kreisförmige Bronzeplatte mit Gold-Applikationen, gilt als die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene. Gefunden wurde das rund 4.000 Jahre alte Artefakt 1999 im Wald nahe der sachsen-anhaltinischen Stadt Nebra von zwei mit Metall-Detektoren ausgestatteten Raubgräbern. Diese versuchten ihre Beute zunächst auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen, schließlich fand die Scheibe aber doch ihren Weg ins Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale), wo sie heute zu besichtigen ist. Das sind die verbürgten Fakten, um die herum Drehbuchautor Thomas Sieben für die Degeto einen fiktionalen Mysterythriller-Plot gestrickt hat. "Das dunkle Vermächtnis" kokettiert mit der Frage, ob auf dem unschätzbar wertvollen Objekt ein Fluch liegt, der alle trifft, die mit ihm in Kontakt kommen.
Just vor einer geplanten Jubiläumsausstellung der Scheibe in Nebra wird Arko Haumann (Walter Plathe), einer der Schatzsucher von einst, hinterrücks im Wald niedergestochen - als tatverdächtig gilt schnell sein damaliger Komplize und bester Freund Paul Wenrich (Elmar Gutmann). Der hatte für den Fall, dass Arko nicht davon absehen würde, zur Ausstellungseröffnung eine Rede mit seiner Version der Fundgeschichte zu halten, eine entsprechende Drohung auf dessen Anrufbeantworter hinterlassen ("... und wenn ich dich totschlagen muss"). Bekanntermaßen lag er seit Langem über Kreuz mit dem Ex-Gefährten.
Vom ermittelnden Kommissar Ritter (Torben Liebrecht) über die Festnahme ihres Vaters informiert, kehrt zudem Kim Wenrich (Felicitas Woll) in ihre Heimatstadt Nebra zurück. Wie sich herausstellt, war die in Hamburg lebende Fotografin als Kind an dem Fund beteiligt, kann sich aber nur noch diffus erinnern.
Dass ihre Rolle von entscheidender Bedeutung war, legen merkwürdige Begegnungen nahe. Da ist die Blumenhändlerin Agnes Schneider (Barbara Philipp), die "die kleine Kim" auf der Straße anspricht und düstere Prophezeiungen ausstößt. Und da ist Jonny Haumann (Florian Bartholomäi), der verschrobene Sohn des Mordopfers, der zu ihr sagt, sie wisse ja am besten, dass "diese Scheibe Menschen in ihr Unglück stürzt".
Verstärkt wird die unheimliche Atmosphäre durch Mystery-Elemente, die Regisseurin Ziska Riemann dezent, aber wirkungsvoll einsetzt: Immer wieder erscheint Kim ein junges Mädchen, das dann wieder verschwindet. Ihr jüngeres Ich? "Vielleicht kommen die Erinnerungen ja wieder", hofft Museumsdirektorin Rebecca Rosen (Neda Rahmanian), die trotz des Mordfalls an der Ausstellung festhalten und Kim als Ersatz-Eröffnungsrednerin gewinnen will.
Sind wir immer noch beim Sie?
Kurz vor der Filmmitte mehren sich Zweifel, ob der gebrechliche Paul Wenrich, der inzwischen mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegt, ernstlich als Täter vorstellbar ist, und es kommt zu einem erotischen Prickeln zwischen dem Kommissar und der Tochter des Verdächtigen. Als die von Albträumen gepeinigte Kim den Tatort im Wald aufsucht und angesichts von knackenden Zweigen und dem flatternden Absperrungsband die Nerven verliert, fährt der herbeigerufene Ermittler sie in ihr Elternhaus und lässt ihr ein Bad ein. "Sind wir immer noch beim Sie?", fragt Kim kokett. Danach sind sie es nicht mehr.
Torben Liebrecht und Felicitas Woll halten die Anziehung zwischen ihren Figuren gekonnt in der Schwebe. Irgendwann scheint es normal, dass Ritter und Kim zusammen Pizza essen oder Rotwein trinken und gemeinschaftlich über den Fall rätseln. Dabei hat der Beamte längst seine Unbefangenheit verloren.
Nachdem auch Blumenhändlerin Agnes tot in ihrem Blut liegend aufgefunden wurde, sorgt sich Ritter um Kims Sicherheit und bittet sie, nach Hamburg zurückzukehren. Doch sie bleibt und kauert bald Schutz suchend vor seiner Wohnungstür.
Es gehört zu den Qualitäten von "Das dunkle Vermächtnis", dass der furiose, mit "Basic Instinct"-Anklängen aufwartende Showdown selbst nach einer entscheidenden Enthüllung etwa 20 Minuten vor Schluss nicht erwartbar, aber psychologisch schlüssig ist. Regionalkrimi-Schmunzelware wird hier jedenfalls nicht dargeboten.
infobox: "Das dunkle Vermächtnis", Mysterythriller, Regie: Ziska Riemann, Buch: Thomas Sieben, Kamera: Aljoscha Hennig, Produktion: Madefor Film (ARD-Mediathek/Degeto, seit 12.3.26., ARD, 14.3.26, 20.15-21.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 14.03.2026 10:15
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KARD, Mystery, Thriller, Reimann, Sieben, Luley
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