16.03.2026 18:00
Die neue RTL-Show "Wer weiß wie wann was war?"
epd Es ist ein Einfall, der so genial wie naheliegend ist: Wenn Stefan Raab anderthalb Jahre lang vorgeworfen wird, mit aus der Zeit gefallenen Witzen und mit jahrzehntealten Ideen zu langweilen, dann gebt ihm doch einfach eine Show, die sich genau mit derjenigen Zeit befasst, die ihm in seiner RTL-Ära als Inspiration für alle seine Shows dient: mit der Vergangenheit. Ist nun also ein Nostalgie-Quiz das Format, auf das Fernsehdeutschland - oder vielmehr: Raab selbst - gewartet hat? Mit zunächst zwei Ausgaben ist "Wer weiß wie wann was war?" als Samstagabendshow bei RTL zu sehen und sorgt - Überraschung! - auf Anhieb für die amüsantesten Stunden, die Raab seit seinem TV-Comeback fabriziert hat.
Dabei ist die Show im Kern bloß eine von vielen abendfüllenden Quizshows. Im Triell der Generationen treten jeweils 100 Zuschauer aus den Altersgruppen 20+, 40+ und 60+ gegeneinander an, um bis zu 100.000 Euro für ihren Zuschauerblock zu sammeln. Hinzu kommen jeweils zwei prominente Vertreter der jeweiligen Generationen, die ebenfalls mitquizzen und für launige Gespräche bereitstehen. Mit einer Promibandbreite von Grünen-Politikerin Ricarda Lang bis Show-Urgestein Hugo Egon Balder weiß das Raab-Entertainment-Format personell durchaus zu überraschen.
Von Kategorie zu Kategorie schlendern die drei Generationen abwechselnd durch die launigen Multiple-Choice-Fragen rund um Diddl-Mäuse, Werbespots und Fanta-4-Songtexte. Selbst eine Quizfrage zu "Frauentausch"-Teilnehmerin Nadine findet Platz in dieser Retro-Show. Dass nämlich selbst jüngere Altersgruppen für Erinnerungen an früher zu haben sind, beweist der WDR mit seinem nostalgischen Social-Media-Kanal "Loop" auf Instagram schon länger. In "Wer weiß wie wann was war?" sorgt die Reise durch die Jahrzehnte auch für thematische Abwechslung.
Dass der Schwierigkeitsgrad der Fragen mitunter deutlich schwankt, ist - wie das gesamte Quiz - eher Nebensache. Denn kaum eine Quizfrage wird gestellt, ohne dass ein Einspieler, eine Showeinlage oder ein zur Frage passendes Bühnenbild über die Fernsehbildschirme flimmert. Hier steckt weitaus mehr Mühe und Aufwand drin, als man aus anderen Quizshows gewohnt ist. Und dennoch eignen sich die Fragen prima zum Mitraten.
Bemerkenswert gut harmonieren Stefan Raab und Barbara Schöneberger als neues Moderationsduo. Nach einer ersten Zusammenarbeit im ESC-Vorentscheid "Chefsache ESC", in dem es Schöneberger gelang, den ausschweifenden Chefjuror im Zaum zu halten, moderieren die beiden nun gleichrangig zu zweit. Sie frotzeln selbstironisch miteinander, singen und tanzen zusammen in Begleitung der hier passend platzierten "Heavytones" und haben dank ihrer jeweils unüberhörbaren Lacher leicht erkennbar Spaß an allerlei Albernheiten, Gesprächen und Missgeschicken, mit denen sie im Laufe der dreistündigen Sendungen konfrontiert werden. Gemeinsam reagieren sie in Einspielern auf Szenen der Fernsehgeschichte, studieren eine Tanzchoreografie ein oder spielen Musikvideos nach. All das ist sehr kurzweilig.
Für den Verlauf der Show als Quiz interessieren sich vor allem die Zuschauer im Publikum. Diese haben im Falle eines Sieges ihres Blocks die Chance darauf, mit bis zu 1.000 Euro pro Person nach Hause zu gehen. Ungewohnt engagiert fiebern die Zuschauer bei der Auflösung der Quizfragen mit. Mit Freude kann man ihnen dabei zusehen und zuhören, wie sie lautstark jubeln, die Hände über den Kopf zusammenschlagen und Raab ausbuhen, wenn dieser es wagt, auf die Spielregeln hinzuweisen. Dass sich im kurzen Finale zu den Promikandidaten auch der beste Mitspieler des jeweiligen Zuschauerblocks hinzugesellt, gibt der Show zum Ende hin einen willkommenen neuen Impuls.
Bei aller Euphorie wirkt es ein wenig befremdlich, Raab in so einer ungewohnten Rolle als gefälliger Moderator zu sehen, der in der Lage ist, sich selbst bei Bedarf etwas zurückzunehmen und die Talks mit den Kandidaten oder Erinnerungen an frühe RTL-Kultformate in den Vordergrund zu stellen. Doch den Spaß an der Show, den nimmt man ihm ab.
Dieser Spaß, der auch Schöneberger, manchen der prominenten Kandidaten und ganz besonders dem Publikum im Studio anzumerken war, überträgt sich auch auf die eigene Couch vor dem Fernseher und schlug sich auch in den Marktanteilen beim jüngeren Publikum nieder: Im Schnitt verfolgten 630.000 14- bis 49-Jährige die Show, der Marktanteil lag bei für RTL sehr guten 17,0 Prozent. Insgesamt schauten 1,81 Millionen Menschen ab drei Jahren zu (Marktanteil 8,8 Prozent).
Das ist nach etlichen Anläufen Raabs bei RTL nicht selbstverständlich, schon gar nicht in einer Quizshow. Seine einstige Box-Kontrahentin Regina Halmich möge verzeihen, doch Stefan Raab als ewiggestriger Entertainer in einer Nostalgie-Show passt wie die Faust aufs Auge.
infobox: "Wer weiß wie wann was war? - Die Show der Generationen", Quizshow mit Stefan Raab und Barbara Schöneberger, Regie: Andrea Achterberg, Buch: Christof Mannschreck, Produktion: Raab Entertainment (RTL+, seit 14.3.26, RTL, 14.3. und 21.3.26 20.15-23.15 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 16.03.2026 19:00
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KRTL, Quizshow, Raab, Schöneberger, Respondek
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