19.03.2026 08:55
Berlin (epd). ARD, ZDF und Deutschlandradio lehnen die Forderung der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft ver.di nach einem Beitritt zum Schutzkodex für Medienschaffende ab. "Dem Kodex treten wir nicht bei, weil die Landesrundfunkanstalten bereits über ein etabliertes Netz an Schutzmaßnahmen verfügen, die allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung stehen", teilte eine ARD-Sprecherin dem epd auf Anfrage mit. Das ZDF und Deutschlandradio argumentierten ähnlich.
Ver.di hatte am 10. März in einer Pressemitteilung kritisiert, dass sich bisher noch keine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt dem Schutzkodex angeschlossen habe. Die Gewerkschaft regte konkrete Verhandlungen auf Senderebene zwischen Personalräten und Senderleitungen zum flächendeckenden Ausbau der Schutzstrukturen an, "ausdrücklich auch für freie Kolleginnen und Kollegen". Mit einer Musterdienstvereinbarung erhielten Personalrätinnen und Personalräte sowie Sender ein Instrument an die Hand, um den Schutzkodex im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verankern.
Den Schutzkodex hatte eine Initiative aus mehreren Organisationen im April 2021 vorgestellt. Medienhäuser, die sich dem Kodex angeschlossen haben, erklären sich dazu bereit, bestimmte Standards zum Schutz ihrer Mitarbeiter umzusetzen. Dazu zählt zum Beispiel psychologische und juristische Unterstützung der Betroffenen bei Gewalterfahrungen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten so eine Basis, auf der sie im Zweifelsfall Unterstützung einfordern können.
Dem Kodex haben sich laut der Website "schuzkodex.de" bislang die Deutsche Presse-Agentur (dpa), die "Frankfurter Rundschau", die "tageszeitung", der "Spiegel", "Die Zeit", "Zeit Online", der "Weser Kurier", die Funke Mediengruppe, das Recherchenetzwerk Correctiv, "Frag den Staat" und die Südwestdeutsche Medienholding angeschlossen, zu der auch die "Süddeutsche Zeitung" gehört.
Zu den Initiatoren des Kodex zählen die Deutsche Journalistinnen und Journalisten Union in ver.di (dju), der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), die Neuen deutschen Medienmacher, Reporter ohne Grenzen und der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.
Das ZDF erklärte auf epd-Anfrage, vergleichbar zum Schutzkodex biete der Sender seinen Mitarbeitern "vielfältige technische, organisatorische und personelle Schutzmaßnahmen an". Dazu gehörten unter anderem die Bewertung von Gefährdungssachverhalten, Ansprechpersonen im Fall von Bedrohungen, Angriffen und Hassmails, Sicherheitsbriefings und Schulungen sowie psychologische und juristische Unterstützung.
"Für Deutschlandradio genießt der Schutz der Mitarbeitenden höchste Priorität, gerade angesichts neuer und tendenziell zunehmender Bedrohungslagen", teilte ein Sendersprecher dem epd mit. Deutschlandradio unterstütze die sichere Arbeit von Journalistinnen und Journalisten mit einer Vielzahl von Maßnahmen: von Fortbildungen über Sicherheitstrainings, von Sensibilisierungs- und Deeskalationstrainings bis zur Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden. "Die umfangreichen Angebote werden laufend überprüft, bei Bedarf erweitert oder angepasst und gelten selbstverständlich für alle Mitarbeitenden."
Auch die ARD erklärte, die Schutzmaßnahmen würden in den einzelnen Landesrundfunkanstalten kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt. "Jedes Haus beurteilt selbst, welche Strukturen für eine schnelle und effektive Hilfe am besten geeignet sind", sagte die Sprecherin. Die Schutzmaßnahmen umfassten zum Beispiel Rechtsbeistand oder die Übernahme von Anwaltskosten, Personenschutz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Vertrauenspersonen in den Redaktionen, psychologische Coachingangebote, Krisenschulungen für Reporterinnen und Reporter oder Clearingstellen.
nbl
Zuerst veröffentlicht 19.03.2026 09:55
Schlagworte: Medien, Gewerkschaften, Pressefreiheit
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