19.03.2026 09:41
Dokumentation "50 Jahre Roland Kaiser" bei Sky
epd Im Vergleich mit französischen Chansons, irischer Folklore und anderen volksnahen Musikformen genießt der deutsche Schlager bei Intellektuellen hierzulande einen schlechten Ruf. Eine Ausnahme ist vielleicht Roland Kaiser, der aktives SPD-Mitglied ist und sich für Jugendliche und Langzeitarbeitslose engagiert. Die Musikerin Christiane Rösinger hat einmal über ihn geschrieben, er wirke wie ein "trauriger Philosoph, gefangen im Körper eines deutschen Schlagersängers".
Auch in den vergangenen Jahren verzeichnete Kaiser noch Charterfolge, über Generationen hinweg hat er sich eine Fanbasis aufgebaut. Im vergangenen Jahr füllte er auf seiner Tournee vier Fußballstadien mit insgesamt mehr als 400.000 Besuchern. Die Dokumentation "50 Jahre Roland Kaiser - Ein Leben für die Musik" begleitet einen dieser Live-Auftritte.
Beim Betrachten dieser Bühnenshow, die mit mehreren Leinwandprojektionen, aufwendigen Lichteffekten sowie einer durchkomponierten Choreographie arbeitet, schießt dem Kritiker allerdings eine Frage durch den Kopf: Wer ist eigentlich Roland Kaiser? Aus der "Hitparade" im ZDF, die in den Jugendjahren des Kritikers und bis ins Jahr 2000 mit insgesamt 368 Ausgaben das Kernformat für die Vermarktung dieser volkstümlichen Musik war, sind prägende Figuren in Erinnerung wie Roy Black ("Ganz in weiß"), Rex Gildo ("Hossa") oder Juliane Werding ("Am Tag, als Conny Kramer starb").
Mit 67 Auftritten in der "Hitparade" ist Roland Kaiser der Rekordhalter. Beim Kritiker hat er dennoch keine Spuren hinterlassen. Begeisterte Konzertbesucher, die in "50 Jahre Roland Kaiser - Ein Leben für die Musik" zu Wort kommen, schwärmen dagegen, der Sänger stehe nun erst "in seinem Zenit". Mit 90 Millionen verkauften Tonträgern ist der 1952 geborene Interpret, der seinen Durchbruch 1980 mit "Santa Maria" hatte, eine herausragende Figur im deutschen Schlager.
Auf ein dokumentarisches Porträt mit Archivmaterialien und künstlerischen Einordnungen verzichtet dieser Konzertmitschnitt, der sich auf die Präsentation jener Lieder konzentriert, die die Menschen "seit 50 Jahren begleiten". Wie für einen Konzertfilm üblich, zeigt die Dokumentation das Geschehen auf und hinter der Bühne. Interessant sind die Bemerkungen der Bühnentechniker, die andeuten, wie aufwendig das verwendete Equipment ist, das nach dem Auftritt komplett demontiert und verladen werden muss. Interviews mit den Musikern, die die harmonische Atmosphäre im Team loben, klingen dagegen wie typische PR-Phrasen.
Sich verändern, ohne sich untreu zu werden.
Was also macht den Erfolg von Roland Kaiser aus? Der Sänger verzichtet bei Live-Auftritten konsequent auf jene sterilen Playback-Präsentationen, die - zusammen mit Dieter Thomas Hecks Auftreten - dem deutschen Schlager sein spießiges Image verliehen. "Sich verändern, ohne sich untreu zu werden." Das, sagt Roland Kaiser in der Dokumentation über sich und seine Musik, "ist uns über die Jahre gelungen". In der Tat klingt Kaisers Liveband lebendig, mehr als ein Dutzend Musiker produzieren einen professionellen Sound. Zwischendurch stimmt der Gitarrist sogar ein Solo an, das nach einer Rockband klingt. Auch bei der optischen Erscheinung der Musiker auf der Bühne hat wohl ein Diversity-Berater mitgewirkt.
Wer allerdings mit Schlager nichts anfangen kann, versteht das Phänomen Roland Kaiser auch nach diesem zweistündigen Konzertfilm nicht besser. Als Event-Dokument für Fans hat die Dokumentation ihre Berechtigung. Drohenaufnahmen, die das Stadion aus der Vogelperspektive zeigen, wechseln mit Nahaufnahmen der Gesichter des ergriffen mitsingenden Publikums. Doch wenn vor der Kamera Markus Hartmann von Sony Music über die Zusammenarbeit mit Kaiser und die Entwicklung des Projekts spricht, dann ist das nur scheinbar informativ. "50 Jahre Roland Kaiser - Ein Leben für die Musik" ist eine professionell produzierte Musik-Promotion.
infobox: "50 Jahre Roland Kaiser - Ein Leben für die Musik", Dokumentation, Regie: Mark Achterberg, Buch: Jochen Winter, Kamera: Norman Bever u.a., Produktion: Sony Pictures Entertainment (Wow/Sky, seit 6.3.26)
Zuerst veröffentlicht 19.03.2026 10:41
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KSky, Dokumentation, Achterberg, Winter, Riepe
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