"Leipziger Appell": Medienhäuser fordern Schutz von Pressefreiheit - epd medien

19.03.2026 15:26

Angesichts zunehmender Angriffe auf Medienhäuser hat ein breites Bündnis den vom MDR initiierten "Leipziger Appell" veröffentlicht. Die Unterzeichner verweisen auf Lehren aus NS- und DDR-Zeit sowie auf Bedrohungen durch globale Digitalplattformen.

MDR-Fernsehzentrale in Leipzig

Leipzig (epd). Zahlreiche deutschsprachige Medienhäuser und Institutionen haben zum Schutz der Pressefreiheit aufgerufen. Zentraler Auftrag sei es, den freien Zugang zu Informationen aktiv zu schützen sowie Angriffe klar zu benennen und zurückzuweisen, heißt es in einem am Donnerstag vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) verbreiteten "Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien".

Zu den fast 30 Unterzeichnenden gehören demnach unter anderem alle ARD-Rundfunkanstalten, die Deutsche Nationalbibliothek, die Deutsche Welle, Deutschlandradio, der Deutsche Journalisten-Verband, das ZDF und der Evangelische Medienverband in Sachsen. MDR-Intendant Ralf Ludwig bezeichnete den Appell als eine "Einladung zur gemeinsamen Verantwortung". Er hoffe auf "weitere Unterstützerinnen und Unterstützer".

"Lehren der dunkelsten Kapitel"

Der Appell ruft Medien, Politik und Gesellschaft dazu auf, den täglichen Einsatz für Pressefreiheit sowie Rundfunk- und Informationsfreiheit als gemeinsame Verpflichtung zu verstehen. Diese Fundamente der Verfassung seien "Lehren der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte im Nationalsozialismus". Zudem sei der Ruf nach freien Medien eine wesentliche Forderung der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR gewesen.

Die Unterzeichnenden warnen auch vor globalen Digitalkonzernen und Plattformen, die mit von ihnen gesteuerten Algorithmen "Extreme, Polarisierungen und emotionale Zuspitzungen" verstärken würden. Millionen Menschen würden in den sozialen Medien einer "verzerrten Abbildung gesellschaftlicher Wirklichkeit" begegnen. Zudem werde das Vertrauen in freie Medien systematisch angegriffen.

"Ort der Demokratiegeschichte"

Initiiert hat der MDR den Appell anlässlich seiner Würdigung als Ort der Demokratiegeschichte, wie der Sender mitteilte. Seit seiner Gründung trage der Sender "mit unabhängiger Berichterstattung und historischer Aufklärung dazu bei, demokratische Kultur im Osten Deutschlands zu stärken und Informations- und Meinungsfreiheit lebendig zu halten", erklärte Kai-Michael-Sprenger, Gründungsdirektor der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, am Donnerstag in Leipzig. Bei einer Feierstunde wurde eine entsprechende Schrifttafel an der MDR-Zentrale in Leipzig enthüllt.

MDR-Intendant Ludwig bezeichnete die Verleihung des Titels als "große Ehre und zugleich ein wichtiges Zeichen der Ermutigung in herausfordernden Zeiten". Der MDR entstand 1991 "unmittelbar aus der Friedlichen Revolution von 1989 und der darauffolgenden Transformationsphase", wie es hieß. Der Sender trat am 27. November 1991 der ARD bei und startete am 1. Januar 1992 seinen Sendebetrieb.

lob



Zuerst veröffentlicht 19.03.2026 16:26 Letzte Änderung: 19.03.2026 16:36

Schlagworte: Medien, Demokratie, Pressefreiheit, NEU

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