Terror-Verherrlichung: DW prüft Zusammenarbeit mit Journalisten - epd medien

20.03.2026 10:07

Freie Journalisten der Deutschen Welle sollen Terror verherrlichende und antisemitische Postings veröffentlicht haben. Der deutsche Auslandssender kündigte eine sorgfältige Prüfung der Vorwürfe an.

Deutsche Welle in Bonn

Bonn (epd). Nach Vorwürfen der Terror-Verherrlichung in Social-Media-Postings von ausländischen freien Journalisten der Deutschen Welle (DW) hat der Sender interne Prüfungen angekündigt. Die Posts widersprächen den Werten der DW, dem "Code of Conduct" für freie und feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der "Declaration of Values", die für Geschäftspartner und Firmen gelte, erklärte der Sender am 18. März auf seiner Internetseite.

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung über die Vorwürfe berichtet. Die DW habe die Posts auf den privaten Social-Media-Kanälen der beiden Journalisten vor der Anfrage der "Bild" nicht gekannt, teilte der Sender mit. "Die DW prüft den Sachverhalt sorgfältig. Die Vorwürfe betreffen nicht die Berichterstattung der DW."

Keine dauerhafte Zusammenarbeit

In dem "Bild"-Bericht hieß es, eine der beiden Journalisten, eine Irak-Korrespondentin bei der DW, habe am Tag des Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 den damaligen US-Präsidenten Joe Biden als "zionistischen Hund" bezeichnet. Am 28. Februar stellte sie sich demnach hinter das iranische Regime, nannte Israel eine "zionistische Entität" und strich es durch.

Dazu teilte die DW mit, dass die Korrespondentin seit 2025 "wenige Male testweise für die DW tätig geworden" sei, es bestehe keine dauerhafte Zusammenarbeit. Sie sei weder als Arbeitnehmerin noch als arbeitnehmerähnliche Person für die DW tätig. "Die DW wird sie bis auf Weiteres nicht beauftragen."

Vorwürfe gibt es auch gegen einen Reporter aus dem Gazastreifen. In der "Bild" hieß es: "Im Jahr 2025 tauchten auf seinem Instagram-Account mehrfach Inhalte auf, in denen islamistische Terroristen als 'Freiheitskämpfer' bezeichnet oder anderweitig glorifiziert werden." Die DW erklärte, der Reporter sei ebenfalls nicht als Arbeitnehmer oder als arbeitnehmerähnliche Person für die DW tätig. Er arbeite seit 2020 als freier Journalist für den Sender und liefere Beiträge auf Rechnungsbasis. "Die DW wird auch ihn während der Prüfung des Sachverhalts nicht beauftragen."

"Wertebasiertes Recruiting"

Die Qualität der journalistischen Berichterstattung sei durch "redaktionelle Betreuungs- und Abnahmeprozesse" - etwa das Sechs-Augen-Prinzip beim Thema Nahost - gesichert, hieß es weiter. Externe Rekrutierungen bei der DW erfolgten seit März 2023 auf der Basis eines umfassenden Konzepts des "wertebasierten Recruitings". Dieses gelte bei publizistischen Tätigkeiten auch für Rechnungssteller - wie im Fall der beiden aktuell in der Kritik stehenden Personen.

Das "wertebasierte Recruiting" sehe unter anderem eine Social-Media-Sichtung vor, die durch die Fachabteilung durchgeführt werde und bis zu sechs Monate zurückliegende Posts auf öffentlichen, beruflich genutzten Accounts sichte. "Im Rahmen des 'wertebasierten Recruitings' liegt für Mitarbeitende der oben genannte Code of Conduct als gemeinsame Wertebasis zugrunde, gegenüber Rechnungsstellenden gilt die Declaration of Values."

Ohne Anlass erfolgten nach dieser Prüfung keine weiteren Überprüfungen privater Äußerungen etwa auf Social-Media-Accounts - auch zum Schutz der Privatsphäre und Meinungsäußerungsfreiheit. "Allerdings machen wir allen Mitarbeitenden regelmäßig unsere Werte, journalistische Linie und damit auch Erwartungen an ihre Beiträge klar", teilte die DW mit. "Dies ist der Maßstab für die weitere Beschäftigung."

Historische Verantwortung

Im Code of Conduct der DW ist unter anderem festgehalten, dass die DW "jegliche Form von Diskriminierung wie Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und weitere Formen von Diskriminierung" ablehnt. "Auch aufgrund der historischen Verantwortung Deutschlands für den Holocaust bekennen wir uns zum Existenzrecht Israels."

Die Declaration of Values legt fest, dass die DW "für die Werte und Prinzipien von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, sozialer Gerechtigkeit und kultureller Vielfalt" steht.

ema



Zuerst veröffentlicht 20.03.2026 11:07 Letzte Änderung: 20.03.2026 11:08

Schlagworte: Medien, Nahost, Antisemitismus, NEU

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