21.03.2026 05:43
Berlin (epd). Der Antisemitismus-Experte Jonas Hessenauer beobachtet eine teils einseitige Berichterstattung über Israel in deutschen Medien. "In den deutschen Medien finden sich immer wieder antisemitische Stereotype", kritisierte der Sozialwissenschaftler vom Berliner Tikvah Institut im Gespräch mit dem epd. Hessenauer ist Mit-Autor der Studie "Israel in deutschen Medien". Das Forschungsprojekt läuft seit 2023 und arbeitet mit Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums.
Eine positive Ausnahme seien die Wochen nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 gewesen. In dieser Zeit hätten Berichte und Kommentare überwogen, in denen ein tiefer Schock über die Gewalt der Terrororganisation und Solidarität mit der israelischen Zivilgesellschaft zum Ausdruck gebracht worden seien, so Hessenauer. Berichte und Interviews mit israelischen Opfern oder ehemaligen Geiseln der Hamas seien Gegenstand vieler Artikel gewesen. "Im Vergleich zur internationalen Berichterstattung konnte man in deutschen Medien eine größere Sensibilität für Antisemitismus erkennen", konstatierte der Wissenschaftler.
Für das noch laufende Forschungsprojekt wurde aus knapp 40.000 Artikeln in deutschen Medien eine Stichprobe gezogen, die quantitativ und qualitativ ausgewertet wird. Die endgültigen Ergebnisse stehen noch aus.
Im Laufe des Konflikts seien die Solidaritätsbekundungen den Israelis gegenüber aber wieder abgeflaut. Einseitige Darstellungen, wonach Israel alleinig Schuld trage an dem Konflikt, hätten wieder zugenommen, sagte Hessenauer. Als Beispiel nannte er eine häufige Verkehrung von Ursache und Reaktion in Überschriften: Israel werde oft als Aggressor in Überschriften genannt, aus dem Artikeltext gehe dann allerdings hervor, dass es lediglich auf Angriffe durch die Hamas reagiere. "In einem Kommentar fand sich zudem die Behauptung, wonach bestimmte israelische Akteure den deutschen Mediendiskurs lenken würden", so Hessenauer. "Dahinter steht die antisemitische Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung."
Expliziter Rassismus gegenüber Palästinensern sei weniger zu beobachten gewesen. Allerdings würden Palästinenser in der deutschen Nahost-Berichterstattung oft ausschließlich als Opfer dargestellt und nicht als handelnde Subjekte, sagte der Experte des Tikvah Instituts. Zu den Gesellschaftern der gemeinnützigen Forschungs- und Bildungsorganisation gehört der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
ema
Zuerst veröffentlicht 21.03.2026 06:43
Schlagworte: Medien, Israel, Antisemitismus, INT
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