Eine Liebe in Zeiten des Krieges - epd medien

21.03.2026 08:50

Sie gilt seit bald 200 Jahren als Königin der Herzen: Königin Luise von Preußen (1776-1810). In dem Hörspiel "Unwandelbar, Luise. Ein Album für die Königin in 10 Bildern" zeichnen Ruth-Johanna Benrath und Christine Nagel ihr kurzes, aber wirkmächtiges Leben nach.

Hörspiel "Unwandelbar, Luise ..." über Königin Luise von Preußen

Porzellanskulptur der Prinzessin Luise von Preußen (links) mit ihrer Schwester Friederike von Mecklenburg-Strelitz

epd Von wegen Prinzessin: "Dicke Pfoten" habe sie, entschuldigt sich die junge Frau für ihre Handschrift. Sie schreibt an ihren Zukünftigen, den schwer in sie verliebten Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Ihrerseits hingerissen von ihm, betont sie in ihrem Brief, sie sei "ganz einfach". Das sollten bitte alle wissen, bevor sie, Luise, von Darmstadt zu ihm nach Berlin zieht. Und Königin von Preußen wird.

Kompliziert genug ist die Zeit, in die sie am 10. März 1776 hineingeboren wurde: eine mehr als zwei Jahrzehnte währende Phase kriegerischer Auseinandersetzungen in Europa. Zugleich weht der Geist der aufkommenden Romantik durch Kunst und Denken. Luise selbst wurde im Sinne Jean-Jacques Rousseaus erzogen und war ein wildes Papa-Kind, nicht auf den Mund gefallen und von legendärer, stilprägender Schönheit. "Ganz einfach" zu sein, das konnte in Abgrenzung zum ausgehenden Absolutismus bedeuten, statt im riesigen Berliner Schloss im Kronprinzenpalais zu wohnen. Morgens ausgelassen mit der eigenen Kinderschar zu spielen. Als Ehepaar einander offen "mein Mann" und "meine Frau" zu nennen statt "Majestät". Oder täglich den Körper mit eiskaltem Wasser abzuwaschen.

Frühes royales Traumpaar

Ruth-Johanna Benrath und Christine Nagel zeichnen in ihrem dichten, kurzweiligen Hörspiel "Unwandelbar, Luise" nicht nur das Familienleben dieses frühen royalen Traumpaars nach. In zehn Kapiteln verorten sie das kurze, aber intensive Wirken der Herrscherin auch im politischen Kontext. Luise war Trendsetterin für das selbstbewusster werdende Bürgertum mit seinem Ideal der liebevoll einander zugetanen Familie. Zugleich war sie wichtige politische Beraterin ihres Gemahls.

Laura Balzer leiht der Protagonistin eine selbstbewusst freche, zugleich liebreizende Stimme und arbeitet den oft schnodderigen Witz aus Luises Briefen plastisch heraus. Später wird sich diese Stimme aber auch zu unerbittlicher Strenge verhärten, etwa wenn sie einen ihrer Söhne im Brief ermahnt, zum Schutz Preußens zur Waffe zu greifen: "Sonst wärst du mein Sohn nicht."

Reflektierter Abstand

Nein, diese von aller Welt angehimmelte junge Königin ist keineswegs nur Gefühl im lieblichen Sinne. Aus dem allgemein aufkommenden nationalistischen Ethos heraus wird sie ihren zögerlichen Mann zum Krieg gegen Napoleon ermutigen. Der Pressetext erliegt freilich der Versuchung, Luise durch heutige feministische Brillen als "Brat-Girl" und "Working Mom" zu labeln. Es ist jedoch vor allem die in Briefen und Aufzeichnungen rekonstruierte politische Atmosphäre, in der sich die bedrohliche Stimmung der Gegenwart wiederfinden kann.

Birgit Aschmann, Professorin für Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts an der Berliner Humboldt-Universität, ordnet Zeit und Leben des Herrscherpaars historisch und politisch ein. Das mag in der mitunter sehr akademischen Wortwahl etwas spröde wirken, hilft aber, reflektierten Abstand zur Figur Luise zu wahren.

Neben den authentischen Lebenszeugnissen von Luise selbst - die meisten sind nach 1945 verschollen - geben Briefe und Aufzeichnungen ihres Mannes König Friedrich Wilhelm III. (von gehemmter Leidenschaftlichkeit: Toni Jessen), daneben Inventarlisten und Menüfolgen darüber Auskunft, wie das Leben bei Hofe war. Besonders anschaulich sind die Berichte der betagten, resoluten, von zunehmender Wärme für das Königspaar erfassten Oberhofmeisterin Gräfin von Voss, mit ungebrochener Autorität trotz beginnender Müdigkeit gesprochen von Brigitte Grothum.

Niederlage Preußens

Peter Ehwalds kontrastreiche Komposition lässt die Zeit ebenso lebendig werden wie die Orte, in denen sich Luise aufhielt. Höfische Flötenklänge mischen sich mit Synthesizern, die in die Gegenwart ausgreifen. Politische Konflikte funken mit metallischem Geklirr und scharf gezupften Saiten dazwischen. Luise gab in ihrem kurzen Leben alles. Sie versuchte, mit Napoleon Bonaparte (Béla Lenz mit verführerischer Abgeklärtheit) zu verhandeln, konnte die Niederlage Preußens aber nicht abwenden. Als sie 1810 im Alter von 34 Jahren starb, hatte sie zehn Kinder zur Welt gebracht. Sieben überlebten, darunter Wilhelm Friedrich Ludwig, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I.

Immer wieder schneiden die Autorinnen die verschiedenen Sprech-Instanzen, darunter eine Du-Erzählerin (Isabelle Redfern) aus dem Heute, in- und gegeneinander, um Kontraste herauszuarbeiten. Etwa Luises Bemerkung über ihre "Einfachheit" mit der aufwendigen Inventarliste anlässlich des Umzugs nach Berlin oder die Buchtitel von Luises Bibliothek im Sommerschloss Paretz mit der bewegten Geschichte des Gebäudes durch die DDR hindurch.

Das gedrängte Ineinander der Stimmen ist manchmal etwas viel Input. Eine Streckung des Stoffs über mehrere Episoden oder eine inhaltliche Konzentration auf einen Aspekt hätte dem hervorragend besetzten und lehrreichen Hörspiel gut getan.

infobox: "Unwandelbar, Luise. Ein Album für die Königin in 10 Bildern", Hörspiel, Regie und Buch: Ruth-Johanna Benrath, Christine Nagel, Komposition: Peter Ehwald (Radio3, 8.3.26, 16.00-17.00 Uhr und in der ARD-Audiothek)



Zuerst veröffentlicht 21.03.2026 09:50

Cosima Lutz

Schlagworte: Medien, Radio, Kritik, Kritik.(Radio), Hörspiel, Benrath, Nagel, Lutz

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