24.03.2026 10:01
Bamako/Dakar (epd). Nach der Veröffentlichung des Textes eines Regierungskritikers ist der malische Journalist und Herausgeber Youssouf Sissoko zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Wie das Onlineportal "Maliactu" am Montagabend berichtete, wurde zudem eine Geldstrafe in Höhe von einer Million CFA-Francs (etwa 1.500 Euro) gegen Sissoko verhängt.
Der Chefredakteur und Herausgeber der Zeitung "L'Alternance" war im Februar inhaftiert worden, nachdem der Artikel eines regimekritischen Analysten in seiner Zeitung veröffentlicht worden war. Laut dem französischen Sender RFI wurden in dem Text die Aussagen des nigrischen Präsidenten Abdourahamane Tiani zu einem Anschlag Ende Januar auf den Flughafen von Nigers Hauptstadt Niamey in Zweifel gezogen. Tiani hatte damals Frankreich, Benin und die Elfenbeinküste (Côte d Ivoire) für den Anschlag verantwortlich gemacht, obwohl sich die Terrorgruppe "Islamischer Staat in der Sahelzone" dazu bekannt hatte.
Sissoko wurde nun wegen "Verletzung des Ansehens des Staates", "Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts" und "Verbreitung falscher Informationen" verurteilt. Der Malische Verband der privaten Presseverleger warnte vor einem "gefährlichen Präzedenzfall" für die Meinungsfreiheit".
Mali wird nach zwei aufeinanderfolgenden Putschen in den Jahren 2020 und 2021 von einer Militärjunta regiert. Immer wieder werden Journalisten verhaftet. Zahlreiche nationale und internationale Medien wurden über die Jahre suspendiert, darunter die französischen Sender RFI, France 24 und seit Januar auch die Zeitung "Jeune Afrique". Auf der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" steht das Sahel-Land auf Platz 119 von 180.
Die Zensur betrifft nicht mehr nur Artikel, die das eigene Land kritisch beleuchten, sondern auch die Lage in den Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso, die ebenfalls von Militärs regiert werden. Die drei Länder hatten sich 2023 zum Regionalverbund Allianz der Sahel-Staaten (AES) zusammengeschlossen.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
hkr
Zuerst veröffentlicht 24.03.2026 11:01
Schlagworte: Mali, Medien, Justiz
zur Startseite von epd medien