Correctiv baut eigene Faktencheck-Infrastruktur auf - epd medien

02.04.2026 07:50

Correctiv verlässt Googles Faktencheck-Standard ClaimReview und baut ein eigenes System zur Faktenprüfung auf. Google habe zentrale Funktionen rund um ClaimReview zurückgefahren, heißt es zur Begründung.

Im Medienhaus Publix sitzt die Berliner Correctiv-Redaktion

Essen (epd). Das Recherchenetzwerk Correctiv steigt aus Googles Faktencheck-Standard ClaimReview aus und startet eine eigene Infrastruktur für Faktenchecks. Im "Correctiv.Faktenforum" solle der Prozess des Faktenchecks in einer strukturierten Datenbank zusammenlaufen, die es ermögliche, Desinformationen systematisch zu erfassen und zu analysieren, teilte Correctiv am Dienstag in Essen mit. Auf diese Weise könnten Desinformationskampagnen staatlicher Akteure offengelegt werden.

Über die gleichnamige Plattform Faktenforum können sich zudem Bürgerinnen und Bürger gegen Desinformation und für eine faktenbasierte Debatte engagieren. Unterstützung erhalten sie von den Correctiv-Faktencheckern und Community-Managerinnen. Laut Correctiv haben sich bereits über 2.500 Menschen auf der Faktenforum-Plattform registriert.

Sichtbarkeit von Faktenchecks reduziert

Den Ausstieg bei Google begründete das Netzwerk damit, dass der Tech-Gigant zentrale Funktionen rund um ClaimReview zurückgefahren und damit die Sichtbarkeit von Faktenchecks in der Suche ohne transparente Begründung und ohne Einbindung der internationalen Faktencheck-Community reduziert habe. Correctiv könne sich deshalb nicht mehr auf die Google-Infrastruktur verlassen.

Faktenchecks seien Grundlage für Forschungen, für die Entwicklung resilienter Strukturen und für die Aufdeckung von Angriffen auf die Gesellschaft, sagte Correctiv-Publisher David Schraven. Ohne Faktenchecks sei die Gesellschaft den Attacken ausgeliefert, zudem gebe es keine Korrektur von Lügen. "Die notwendige Infrastruktur für diese Arbeit darf nicht vom Wohlwollen der US-Regierung abhängig sein", so Schraven.

250.000 Checks in zehn Jahren

Google selbst hatte 2025 in Hinweisen für Webentwickler angekündigt, sich schrittweise aus dem ClaimReview-Programm zurückzuziehen und bei der Google-Suche keine Hinweise mehr auf mögliche Fake-Inhalte auszuweisen. Als Gründe nannte Google, dass der Faktencheck von den Usern weniger genutzt werde und ihnen keinen signifikanten Mehrwert mehr biete.

Laut dem US-amerikanischen Poynter Institut für Journalismus sind von der Google-Ankündigung auch Faktenchecker aus den USA, Spanien, Großbritannien und Argentinien betroffen. Im Laufe von zehn Jahren habe das Programm über 250.000 Faktenchecks ausgewiesen.

cd



Zuerst veröffentlicht 02.04.2026 09:50

Schlagworte: Medien, Recherche

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