Den Kindern zuliebe - epd medien

07.04.2026 07:10

Was passiert, wenn in einer Patchworkkonstellation die Mutter der vier Kinder stirbt und diese auf einmal nur noch zwei Väter haben? Im Fernsehfilm "Louma, Familie ist kein Kinderspiel" müssen ein Karrieremann und ein sensibler Familienmensch lernen, gemeinsam Verantwortung zu tragen.

ARD-Fernsehfilm "Louma, Familie ist kein Kinderspiel"

Tristan (Trystan Pütter, Mitte) ist bei den Kindern eingezogen

epd Gutes Thema. Denn was hier verhandelt wird, dürfte in der Realität - leider - nicht ganz selten passieren. Doch kaum jemand, der nicht selbst in einer Patchwork-Konstellation lebt, dürfte je darüber nachgedacht haben. Eine Mutter hat vier Kinder im Alter zwischen acht und sechzehn. Zwei sind vom ersten Mann, zwei vom zweiten. Alle Kinder wachsen "bei der Mutter", also auch deren zweitem Mann auf, der für alle Kinder gleichermaßen Vaterrolle spielt. Was passiert, wenn die Mutter stirbt?

Anspruch auf die älteren Kinder erheben kann wohl der biologische Vater, auch wenn der bislang reiner Wochenends-Besuchsvater war. Trystan Pütter spielt hier die Rolle des umtriebigen Businessman Tristan, dem seine expandierende Kaffeehauskette keine Zeit für die Familie ließ. Der zweite Mann der Mutter heißt Mo (Timur Isik) und war im Alltag immer für die Kinder da, während Mutter Lou, genannt "Louma" (in Rückblenden zu sehen: Marie Nasemann), eine Künstlerin, oft in anderen Sphären schwebte. Dass der mit seinem Job verheiratete Tristan seine Kinder zu sich nehmen könnte, hält sein Umfeld für eine Schnapsidee.

Ein Kinderkümmerer

Vor allem aber verspüren seine leiblichen Kinder nicht den Wunsch, zu Tristan zu ziehen, sondern wollen weiter mit ihrem sozialen Vater und ihren jüngeren Geschwistern zusammenleben, wie seit mindestens einem Jahrzehnt. Familienmensch Mo ist charakterlich das Gegenteil von Macher Tristan. Ein Schluffi, der zu Depressionen neigt, aber auch ein Kinderkümmerer. Die aus den unterschiedlichen Charakteren resultierenden Konflikte werden in diesem Film über eine trauernde Familie in zig Varianten durchgespielt.

Die Kinder verfallen auf eine Lösung, auf die wohl nur Kinder kommen: Die beiden Papas, die sich ganz und gar nicht leiden können, sollen einfach zusammenziehen und beide für sie da sein. An sich keine dumme Idee, stellt man sich in die Schuhe der Kinder. Im Interesse der Erwachsenen ist das aber wohl kaum.

Streit mit Axt und Kettensäge

Was hier erzählt wird - die Väter lassen sich darauf ein - ist also eher eine bunte Geschichte für Kinder und streckenweise auch so inszeniert. Das Internetangebot "Flimmo", Elternratgeber für TV, Streaming und Youtube der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, empfiehlt den Film denn auch für ältere Kinder und warnt davor, dass es stellenweise "etwas kitschig" würde. Tatsächlich wird es das. Und die in diesem Film herrschende Humorfarbe ist wohl auch eher was für kindliche Gemüter. Die finden es vielleicht lustig, wenn die Väter, humoresk inszeniert, im Streit mit Axt und Kettensäge aufeinander loszugehen drohen. Zuschauer über 14 rollen da eher mit den Augen.

Erwachsene Probleme - wo kommt eigentlich das Geld dafür her, dass plötzlich zwei Väter den ganzen Tag mit vier Kindern in der Villa zu Hause hocken? - spielen hier eher keine Rolle. Auch die Friedhofsverwaltung des Films stammt aus dem Märchenland. Auf diesem Fernsehfriedhof darf man rund ums Grab wüst dekorieren mit flatternden Bändern und an Bäume gepinnten Fotos und Erinnerungsstücken. Und niemand ahndet es, wenn auf dem Friedhof Picknicks, ja sogar wilde Kindergeburtstage veranstaltet werden.

Ein Märchen

Einen weiteren Punkt aus der Realität lässt dieser Film auch außer Acht: Für die jüngeren Kinder ist der Mann, den die älteren Geschwister ab und zu besuchen, ein Fremder. Warum sollten sie den unbedingt zu Hause haben wollen?

Vermutlich gehört die Annahme, dass zwei Männer so viel für ihre Kinder tun würden, aber ohnehin ins Märchenreich. Ebenso wie das Happy end. Schade irgendwie, dass die meisten Erwachsenen in der Realität nun mal leider nicht so "erwachsen" sind, das Modell dieser Väter auch nur in Erwägung zu ziehen. Gerade nach Trennungen haben viele lebenslang zu viel mit ihren eigenen Kränkungen, aber auch neuen Lebensentwürfen zu tun, als dass sie wollen würden, was diese beiden Väter den Kindern zuliebe versuchen. Doch warum nicht mal etwas Unrealistisches gedanklich durchspielen. Und warum nicht als Fernsehfilm.

infobox: "Louma - Familie ist kein Kinderspiel", Fernsehfilm, Regie: Mark Monheim, Buch: Christian Schnalke nach seinem Roman "Louma", Kamera: Markus Schott, Produktion: Eikon Media (ARD-Mediathek seit 18.3.26, ARD/WDR, 25.3.26, 20.15-21.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 07.04.2026 09:10

Andrea Kaiser

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KWDR, Fernsehfilm, Monheim, Schnalke, Kaiser

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