07.04.2026 08:02
Berlin/Buenos Aires (epd). Nach dem Bekanntwerden einer möglichen russischen Desinformationskampagne in Argentinien geht die Regierung gegen mehrere Medien vor. Am Montag (Ortszeit) wurden die Presseakkreditierungen mehrerer Journalisten zurückgezogen, wie die Zeitung "La Nación" berichtete. Es handele sich um eine präventive Maßnahme, erklärte ein Regierungsmitarbeiter der Zeitung. Er sagte, die Regierung erwäge Anklagen wegen "Vaterlandsverrats" gegen die in der Recherche genannten Medien.
Ein internationales Rechercheteam, angeführt vom Investigativ-Netzwerk "Forbidden Stories", hatte am Donnerstag (2. April) mutmaßliche geheime russische Dokumente veröffentlicht. Demnach soll die Gruppe "The Company", gegründet von dem 2023 ums Leben gekommenen Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, gezielt Artikel in argentinischen Zeitungen platziert haben, um die proamerikanische Außenpolitik des libertären Präsidenten Javier Milei zu untergraben.
Die Regierung zeigte sich von der Veröffentlichung bestätigt, nachdem sie bereits im Juni 2025 vor einer Desinformationskampagne gewarnt hatte. Die Pressegewerkschaft von Buenos Aires sprach hingegen von Zensur und schrieb auf der Internetplattform X, "der Propagandaapparat der Regierung nutzt eine fragwürdige Recherche, um Medien zu Sündenböcken zu machen".
Argentinien ist unter Milei in der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" von Platz 40 im Jahr 2023 auf Rang 87 im Jahr 2025 abgestürzt. Medienberichte über mögliche Korruption in der Regierung werden regelmäßig als russische Propaganda verunglimpft. Die Recherche von "Forbidden Stories" konnte solche Recherchen nicht mit der Desinformationskampagne aus Russland in Verbindung bringen.
mbs
Zuerst veröffentlicht 07.04.2026 10:02 Letzte Änderung: 07.04.2026 11:34
Schlagworte: Argentinien, Medien, Presse, NEU
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