Medienanstalten fordern mehr Moderation bei Online-Kommentaren - epd medien

08.04.2026 03:38

Viele Menschen empfinden Debatten in sozialen Medien zunehmend als aggressiv. Eine Studie der Landesmedienanstalten unterfüttert dieses Gefühl mit einer Datengrundlage. Wichtigste Erkenntnis: Moderierte Debatten laufen deutlich harmonischer ab.

Studie: Debattenkultur in sozialen Medien oftmals toxisch

Hannover (epd). Die Debatten zu journalistischen Beiträgen in sozialen Medien sind einer Studie der Landesmedienanstalten zufolge oftmals von einem rauen Klima geprägt. "Die sozialen Medien werden von den Nutzern zunehmend als Orte wahrgenommen, an denen konstruktive Debatten kaum noch möglich sind und teilweise auch nicht mehr gewünscht erscheinen", sagte der Direktor der niedersächsischen Landesmedienanstalt, Christian Krebs, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Viele sagen, sie beteiligen sich nicht mehr, weil sie hinterher schlechtere Laune haben als vorher."

Für den in der vergangenen Woche veröffentlichten "Transparenz-Check Digitale Diskussionsräume" hatten die Medienanstalten im Juli 2025 insgesamt 39 Kommentar-Sektionen unter journalistisch-redaktionellen Beiträgen auf Facebook, Instagram und YouTube untersucht. Analysiert wurden zudem Kommentarbereiche unter Online-Beiträgen von "Bild", "Der Spiegel", "Süddeutscher Zeitung" und "Die Zeit". Insgesamt wurden 9.418 Kommentare erfasst. Für die Analyse berücksichtigt wurden 6.485 Kommentare.

Bessere Diskussionskultur in moderierten Foren

Eine zentrale Erkenntnis sei gewesen, dass sich von den Lesern im besten Fall insgesamt nur rund 16 Prozent an den Debatten beteiligt hätten, und zwar auf Facebook, sagte Krebs. Auf den weiteren untersuchten Plattformen sei die Beteiligung sogar noch geringer gewesen. "Dabei werben Plattformen und Medienhäuser oft damit, dass sie all ihren Nutzerinnen und Nutzern ein Forum bieten", sagte Krebs. "Wenn die überwiegende Mehrheit gar nicht erst mitdiskutiert, kann von einem Forum für alle keine Rede mehr sein."

Der Diskurs sei in den getesteten Beispielen als respektvoller und ausgewogener wahrgenommen worden, wenn es eine Moderation gab. "Diese muss allerdings sichtbar, klar und transparent sein", betonte Krebs.

Bots spielen geringere Rolle als erwartet

Erstaunt habe ihn, dass in der Studie nur sehr wenige von Bots generierte Inhalte nachgewiesen worden seien, sagte Krebs. "Tatsächlich waren nur rund vier Prozent aller Beiträge von oder sehr wahrscheinlich von Bots verfasst." Dies hänge auch damit zusammen, dass identifizierte Bot-Accounts in der Regel zügig gelöscht würden.

Meldung aus dem epd-Basisdienst



Zuerst veröffentlicht 08.04.2026 05:38

Von Björn Schlüter (epd)

Schlagworte: Medien, Internet, INT

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