Tanz um den Zölibat - epd medien

10.04.2026 08:10

In der zweiten Staffel der BR-Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament" sind Pfarrer Hans Reiser und Lisa Kirchberger offiziell ein Paar. Wie soll das in der katholischen Kirche gut gehen? Kardinal Brunnenmayr ist not amused.

Zweite Staffel der Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament"

Die zweite Staffel von "Himmel, Herrgott, Sakrament" steht in der ARD-Mediathek

epd Da sage noch einer, die katholische Kirche verweigere sich den Zeitläuften. Vor Tausenden stehen der katholische Pfarrer Hans Reiser (Stephan Zinner) und seine Lebensgefährtin Lisa Kirchberger (Anne Schäfer) vor Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz, der sie segnet. Wie bitte? Hat die Initiative Maria 2.0 den Vatikan gekapert? Ist der Zölibat offiziell abgeschafft?

Bevor aber nun lauter Beschwerdebriefe beim für solche vatikanischen Umsturzbilder verantwortlichen Bayerischen Rundfunk eingehen: Bei der Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament" handelt es sich um Fiktion, das gilt auch für das Finale, das den halb ernsten, halb witzigen Höhe- und Schlusspunkt der zweiten Staffel bildet. Am Ende wird es spannend. Nicht im Sinn eines Showdowns, sondern im Sinne der Frage nach der Zukunft des hier vermittelten bayerischen Katholizismus. Diesem Katholizismus wird in "Himmel, Herrgott, Sakrament" eine fundamentalkritische Liebeserklärung gemacht.

Pars pro toto für viele Paare

Wir sehen dokudramatisch geschnittene Szenen. Hier der echte Papst, der am geöffneten Fenster steht und den Versammelten den Segen spendet. Dazwischen montiert Pfarrer Hans und Lisa inmitten der Menge, erhöht auf Stufen, optisch als Paar herausgehoben, umgeben von der Gemeinde auf dem Platz, pars pro toto für viele Paare.

Kardinal Brunnenmayr (Erwin Steinhauer) ist auch da, erspäht seinen Pappenheimer und Widersacher Hans Reiser aus dem Nebenfenster des Palasts. Der Kardinal aus München hat sich gerade noch in Rom einrichten können. Hat offenbar gebeichtet. Einen Betrug, den Lisa als vorübergehende PR-Assistentin des Kardinals herausgefunden hat: Eine große Immobilienerbschaft hat er auf sich persönlich umschreiben lassen, nicht an die Kirche weitergeleitet. Eine lässliche Sünde im Vergleich zur Vermutung, der Pfarrer habe Sex?

Persönliche Beichte

In der zweiten Staffel geht es um die katholische Ironie des Tanzes um den Zölibat. Hinzu kommen Episodenprobleme wie Kirchenasyl, Resozialisierung straffällig Gewordener, persönliche Beichte und Pfarrer Reisers Erkenntnis, dass es kontraproduktiv ist, sich mit der gesamten Kirche anzulegen.

Die Gemeinde umgekrempelt hat der Pfarrer in der ersten Staffel, zu Beginn der zweiten nimmt man in dieser Münchner Innenstadtkirche (gedreht wurde hauptsächlich in St. Korbinian in Sendling) die Probleme der Gläubigen sowieso ernst und das Gotteshaus ist gut gefüllt. Beim Blick durch die Reihen fällt auf, dass die Statisten besonders divers gecastet wurden.

Unpassender Kitsch

In der ersten neuen Folge zeigen sich gleich die Stärken und Schwächen der neuen Staffel. Das Schicksal einer aus Syrien geflüchteten christlichen Familie im Kirchenasyl bekommt einen unpassend süßlichen Touch, als sich die Tochter als hochbegabte Pianospielerin entpuppt. Ähnlich verniedlichende Drehbuchwendungen gibt es einige. Nicht wirklich überzeugend ist auch der vorläufige Modus Vivendi des Liebespaars Hans und Lisa. Sie küssen sich und schlafen zusammen in einem Bett, aber miteinander schlafen tut man einstweilen nicht?

Aus dem verweigerten Sex entspinnt sich ein starker Nebenhandlungszweig. Lisa ist nämlich keineswegs zufrieden mit dem Status quo, keine duldsame Haushälterin früherer Tage, sie sucht anderswo nach körperlichen Erfahrungen. Zum fiktiven, päpstlich gesetzten Schlusspunkt läuft alles auf eine dritte Staffel hinaus. Ob man mit dem angekündigten Beischlaf so lange warten will, bis der Zölibat tatsächlich abgeschafft ist? Dann können wir uns wohl auf eine Endlosserie einstellen.

infobox: "Himmel, Herrgott, Sakrament", zweite sechsteilige Staffel, Regie: Franz Xaver Bogner, Buch: Stefan Betz, Marcus Pfeiffer, Franz Xaver Bogner nach dem gleichnamigen Sachbuch von Rainer Maria Schließer, Kamera: Kay Gauditz, Produktion: Maze Pictures (ARD-Mediathek/BR, seit 2.4.26, BR, ab 10.4.26 jeweils freitags, 20.15-21.00 und 21.00-21.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 10.04.2026 10:10 Letzte Änderung: 10.04.2026 11:29

Heike Hupertz

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KARD, Serie, Bogner, Betz, Pfeiffer, Hupertz, BER, NEU

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