12.04.2026 08:10
Hörspiel-Serie "Die Meyers vom Mars"
epd In Andy Weirs Roman "Der Marsianer" von 2011 beweist der gestrandete Astronaut Mark Watney (im Film gespielt von Matt Damon) Erfindergeist: Weil sein Nahrungsmittelvorrat zu schwinden droht, beginnt er, auf dem Mars Kartoffeln anzubauen. Und weil der Boden auf dem Mars zu wenig Nährstoffe aufweist, düngt Watney ihn mit den menschlichen Exkrementen, die seine Crew zurückgelassen hat. So kann er überleben, bis er gerettet wird.
In Martin Tietjens Hörspiel "Die Meyers vom Mars" ist diese Form der Landwirtschaft bereits beschlossene Sache. Die Künstliche Intelligenz namens Stella (Tietjen selbst mit elektronisch verzerrter Stimme) erklärt den Geschwistern Carlotta und Carlo in einer Schulstunde, was ihnen im Gewächshaus bevorsteht. Der 13-jährige Carlo findet das so eklig, dass er panisch das Weite sucht. Die 10-jährige Carlotta hingegen möchte mehr erfahren.
Diese Szene in der letzten der zehn 15- bis 20-minütigen Folgen des Kinderhörspiels steht exemplarisch dafür, was man von "Die Meyers vom Mars" erwarten kann: Einfachen Humor, einfache Dramaturgie, etwas eingestreutes Wissen und wenig Originalität. Was man Kindern ab acht eben zumutet beim NDR.
Familie Meyer (mit Ypsilon!) steht in der großen Tradition trotteliger, aber liebenswerter Familien von Familie Heinz Becker bis Simpsons. Hauptfiguren in dieser Weltraumsaga sind die vier Meyers nur, weil sie im Auswahlverfahren für die Marsmission durch einen Systemfehler mit den eigentlich erstplatzierten Meiers (mit I!) verwechselt wurden. Die Meyers mit Ypsilon hatten den Text nicht bestanden. Das fällt Mission Control leider noch nicht im Astronautentraining auf, sondern erst, als der Countdown für die Rakete schon begonnen hat.
Und so fliegt dummerweise eine Familie zum Mars, die auf den ersten Blick nicht gerade als Zivilisationspionier geeignet ist. Die Ausnahme bildet Tochter Carlotta (Franka Märtig), die als einziges Familienmitglied klug und wissbegierig ist und deswegen von der Wissenschafts-Crew auf der Erde kurzerhand zur Kapitänin der Mission ernannt wird. Ihr Bruder Carlo (Michel Adams) ist mit 13 Jahren ein typischer unmotivierter Teenager, der lieber Playstation zockt und mit seinen Hanteln trainiert, als etwas von der Welt um ihn herum mitzukriegen.
Die Eltern Delia (Linda Zervakis, die immer wieder griechische Sätze einstreut) und Roland (Lukas Nimscheck) haben sich auf Kreta kennengelernt. Delia ist Polizistin und hört gern Helene Fischer, Roland ist Lehrer, kocht gerne und liebt Musik.
Was die Reihe gut hinbekommt: Typische Dynamiken innerhalb einer Familie abzubilden. Geschwister können sich nicht ausstehen, halten aber gegen die Eltern trotzdem zusammen. Die Eltern sind von ihren Spleens genervt, aber auch immer noch ein bisschen ineinander verliebt. Alle verdrehen regelmäßig die Augen, weil sie sich für ihre Verwandten schämen, und kennen die kleinen Spitzen, mit denen sie sich gegenseitig piesacken können. Sie wissen aber auch, was sie aneinander haben und lassen sich, wenn es darauf ankommt, von außen nicht spalten.
Hier greifen Drehbuch, Produktion und Ensemble gut ineinander. Zervakis schlägt sich in ihrer ersten Hörspielrolle wacker, Nimscheck hat den Typus eines Mannes gut verinnerlicht, der wie ein schwanzwedelnder Hund darauf wartet, dass man ihn für das Chaos, das er verursacht, auch noch lobt.
Die äußere Handlung, in der sich die Meyers verfangen, beschränkt sich jedoch im Wesentlichen darauf, dass in jeder zweiten Folge ein männliches Familienmitglied ein High-Tech-Gerät falsch interpretiert. Carlo zieht im Raumschiff ein Kabel ab, um sein Handy zu laden (dass das funktioniert, spricht dafür, dass die Vereinheitlichung des USB-C-Steckers wirklich etwas gebracht hat), nutzt den 3D-Drucker, um sich ein komplettes Home-Gym auszudrucken oder leitet die Satellitenflotte der Erde um, um Minecraft zu spielen. Roland nutzt das Trockenmodul für Raumanzug-Stiefel, den Nucleo-Spaceboot-Heater 4000, um Gemüse zu frittieren, und verkeilt die Luftschleuse, um die Hackfleischröllchen abkühlen zu lassen. Beide sind fest davon überzeugt, dass es sich beim Roboter-Hund auf der Raumstation um ein Alien handelt.
Diese Art Gags sind schon beim ersten Mal nur mäßig witzig. Wenn sie immer wieder als primärer Plotmotor dienen müssen, erschöpfen sie sich endgültig. In kleinen Nebenbei-Bemerkungen ("Mein Sohn kann Fremdwörter!") ist die Reihe manchmal subtil komisch, aber sie hätte davon mindestens die vierfache Menge gebraucht. Dann hätte man sich vielleicht auch die für öffentlich-rechtliche Kinderproduktionen typischen, bemüht klingenden Wissenschafts-Faktoide sparen können.
Mehr Fantasie und Mut zum Ungewöhnlichen hätte den "Meyers" generell gut getan. Teenager Carlo bringt die Profanität des Trips gut auf den Punkt. Nachdem das Kontrollzentrum auf der Erde mitgeteilt hat, wie die Familie ihre Zeit auf dem Mars verbringen soll, ruft er aus: "Nicht mal im Universum hat man Ruhe vor der Schule!" Um es in den Worten von Douglas Adams zu sagen: "Die Meyers vom Mars" sind "größtenteils harmlos".
infobox: "Die Meyers vom Mars", zehnteiliges Hörspiel, Regie: Leo Schenkel, Buch: Martin Tietjen (ARD Sounds/NDR, seit 13.3.26, NDR Info, 15.3., 22.3., 12.4., 19.4., 1.5., 17.5., 24.5., 14.6. und 21.6.26 in "Mikado - Magazin für Kinder", 8.04-9.00 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 12.04.2026 10:10
Schlagworte: Medien, Radio, Kritik, Kritik.(Radio), Hörspiel, Kinder, Familie, Tietjen, Matzkeit
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