Gelungene Modernisierung - epd medien

14.04.2026 07:09

"Kommissar Rex" ist zurück: Der neue Hund im Wiener Kommissariat hat ein neues Herrchen, Max Steiner heißt er und ist aus Bayern zugereist. In der Neuauflage der Erfolgsserie von Sat.1 und ORF tritt Maximilian Brückner in die Fußstapfen von Tobias Moretti.

"Kommissar Rex" nimmt neue Ermittlungen auf

"Kommissar Rex" und sein Herrchen Max Steiner (Maximilian Steiner) ermitteln gemeinsam in Wien

epd 32 Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Folge der Erfolgsserie "Kommissar Rex" und 22 Jahre nach dem vorerst letzten Auftritt des vierpfotigen Ermittlers gibt es nun eine Neuauflage bei Sat.1. Die Serie "Kommissar Rex", hatte es ab 1994 auf 214 Folgen gebracht, hinzu kamen eine italienische Staffel, ein Spin-Off ("Stockinger") und Exporte in zahlreiche Staaten.

Klar, Hunde als Ermittler, das geht immer, aber der große Erfolg der Serie in den 90ern hatte auch maßgeblich mit dem zweibeinigen Hauptdarsteller der ersten drei Staffeln zu tun: Tobias Moretti als Kriminalinspektor Richard "Richie" Moser, der zusammen mit seinen Kollegen Ernst "Stocki" Stockinger (Karl Markovics) und Peter Höllerer (Wolf Bachofner) ermittelte.

Große Fußstapfen

Insgesamt glänzte das Ursprungsteam mit einer markanten und prominenten Besetzung: Schauspiellegende Fritz Muliar verkörperte Max Koch, den Kriminalinspektor a.D. und Mosers väterlichen Freund und Berater, Gerhard Zemann den Gerichtsmediziner Dr. Leo Graf. Natürlich trugen auch Wiener Schmäh und Charme zum Erfolg bei. Über die Jahre hatte Moser nach seinem Filmtod zwei Nachfolger (Gedeon Burkhard und Alexander Pschill). Allerdings: Moretti hat große Fußstapfen hinterlassen, die nur schwer auszufüllen waren.

Die Welt sieht heute anders aus als vor 30 Jahren und glücklicherweise versuchen die Schöpfer der Neuauflage gar nicht erst, den Mikrokosmos von damals zu beschwören. Die neue Staffel mit sechs Folgen in Spielfilmlänge kommt rundum modernisiert daher: Neues Team, lässiger Soundtrack, neue Optik. Wien sieht hier weniger puppig-pittoresk aus, mit der kühlen Skyline der UNO-City wirkt es großstädtischer und internationaler.

Eine Bombe unter dem Stuhl

Dennoch gibt es eine Serienkontinuität: Wie seine Vorgänger hat auch Reginald von Ravenhorst VI., kurz Rex, eine Vorliebe für Wurstsemmeln. Sein Chef, Kommissar Max Steiner, wird von Maximilian Brückner gespielt. Hinzu kommen Max‘ Kollege Inspektor Felix Burger (Ferdinand Seebacher), Major Evelyn Leitner (Doris Golpashin), die Chefin der beiden, und Pathologe Tom Wippler (Alfred Dorfer).

Der erste Fall beginnt spektakulär: In einer Bar am Stephansdom sitzt ein Mann, der kaum zu beruhigen ist. Unter seinem Barsessel ist eine Bombe platziert, die hochgehen würde, sobald der Mann aufsteht. Zwar gelingt es, den Mann aus dieser Situation zu befreien, doch kurze Zeit später findet man ihn trotzdem tot auf, vergiftet in einem Fiaker. Der Mann hatte offenbar ein Faible für Agenten und Geheimdienste, nun entfaltet sich ein Verwirrspiel mit unterschiedlichen Identitäten, Motiven und Verdächtigen. Die solide gebaute, aber nicht übermäßig originelle Story lässt genügend Raum, um Max Steiner zu profilieren.

Pfannkuchen statt Palatschinken

Maximilian Brückner ist eine überzeugende Besetzung. Er bringt eine ganz eigene, angenehm spröde Note ins Spiel. Sein Max Steiner ist kein Sunnyboy, sondern ein Mann, der auf die 50 zugeht, eine Scheidung hinter sich hat und eine erwachsene Tochter. Zudem ist er (wie Brückner selbst) kein Wiener, sondern ein etwas maulfauler "zugereister" Süddeutscher, der auch nach etlichen Jahren in Wien noch immer Pfannkuchen statt Palatschinken sagt. Er hat sich in trauter Zweisamkeit mit Rex eingerichtet und scheint das Single-Dasein durchaus zu schätzen. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, mit der Rettungssanitäterin Julia zu flirten.

Da taucht plötzlich Steiners Tochter Anna (Sophie Borchhardt) auf, die aus Liebeskummer ihren Paraguay-Trip abgebrochen hat und nun väterlichen Trost und viele Taschentücher braucht. Max räumt sie abends vom Couchtisch ab. Solche Details machen die Figur liebenswert, ebenso wie das trocken geseufzte "Alder", mit dem Max nervige oder unerwartete Dinge zu kommentieren pflegt.

Überhaupt kommt die neue Staffel insgesamt etwas "piefkiger", also deutscher und nüchterner daher. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, der Verzicht aufs zuckrige Touristen-Wien tut der Serie gut. Man vermisst allerdings ein wenig den Wiener Schmäh, die vielen Frotzeleien, die früher im Team Usus waren. Doch insgesamt ist "Wien sehen und sterben" ein vielversprechender Auftakt, der Neugier auf die nächsten Folgen weckt.

infobox: "Kommissar Rex: Wien sehen und sterben", Komödie, Regie: Andreas Kopriva, Buch: Marcel Karwentel, Kamera: Joe Berger, Produktion: MR Film (Sat.1/ORF, 13.4.26, 20.15-22.15 Uhr und bei Joyn)



Zuerst veröffentlicht 14.04.2026 09:09

Ulrike Steglich

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KSat.1, KORF, Komödie, Kopriva, Karwentel, Steglich

zur Startseite von epd medien